Die deutsche Branche in der Produktivitätskrise
2025 wird für Maschinenbau teurer und umsatzschwach

Dies geht aus dem aktuellen Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland hervor: Das stellt nicht nur einen Negativrekord der bisherigen Erhebungswellen seit 2014 dar, sondern verdeutlicht den Handlungsdruck unter dem die Unternehmen stehen. Ende 2024 lag die Kapazitätsauslastung bei 84,8 Prozent – ein besorgniserregender Langzeittrend. Im 10-Jahresverlauf hat sich die Auslastung rechnerisch um -0,32 Prozent pro Jahr verringert.
Wachstumserwartung lässt Negativ-Rekord erwarten
Tatsächlich rutschen die Umsatzprognosen seit fast zwei Jahren kontinuierlich ins Minus und sind gegenüber der Schätzung aus dem Vorquartal um weitere 1,6 Prozentpunkte gesunken. So niedrig waren die Prognosen seit dem Corona-Jahr 2020 nicht mehr. Neben Kostendruck und Bürokratie belastet die Unternehmen auch die schwache Nachfrage. Entsprechend lahmt auch die Produktivität. Insgesamt hat die Unzufriedenheit ein Niveau erreicht, das doppelt so hoch ist wie der Durchschnitt aller Erhebungswellen der letzten zehn Jahre.
Auch der für die exportorientierten Maschinenbauer so wichtige Blick auf den Weltmarkt ist getrübt. Zwar fällt das Urteil über die globale Konjunktur nicht so negativ aus wie über die deutsche, steht aber sinnbildlich für die tiefgreifende Verunsicherung der Branche: Ein Drittel erwartet eine positive Entwicklung, ein weiteres Drittel eine negative und ein Drittel zeigt sich unentschlossen. "2025 wird ein entscheidendes Jahr für den Maschinen- und Anlagenbau", prognostiziert Bernd Jung, Leiter der Praxisgruppe Industrial Manufacturing bei PwC Deutschland und Strategy&. Die Wachstumsprognose für 2025 liege inzwischen bei -5,6 Prozent. Die Sorge um das Geschäftsmodell der Branche sieht Jung in den Herausforderungen, die sich aus der Richtungswahl in den USA, den Regierungsbrüchen in Frankreich und Deutschland, den dauerpräsenten geopolitischen Konflikten sowie den schwächelnden Absatzmärkten ergeben.
Vor allem Personal wird 2025 teurer
Am kritischsten wird der zunehmende Kostendruck eingeschätzt (acht von zehn Befragten). Rund die Hälfte der befragten Unternehmen erwarten auch im Jahr 2025 weitere Kostensteigerungen. Den größten Einfluss haben die Personalkosten. Im Schnitt rechnen sieben von zehn Befragten mit Mehrkosten für Personal von 4,4 Prozent. Lediglich eine Minderheit von 17 Prozent rechnet mit steigenden Margen im ersten Quartal des Jahres. Für kleinere und mittelständische Unternehmen sieht Jung in den hohen Personalkosten und dem gleichzeitig beklagten Fachkräftemangel jedoch Chancen: Durch gezielte Suchen im aktuell von vielen Großkonzernen freigesetzten Personal. Die Branche befindet sich zunehmend in einer Produktivitätskrise. "Damit 2025 nicht zum annus horribilis für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau wird, müssen die Unternehmenslenker ihre Kosten drastisch senken und ihre Organisationen auf Effizienz ausrichten", meint Jung. Dass derzeit nur zwei von zehn Entscheidern zusätzliche Investitionen in Erwägung ziehen, sei dem Abwarten auf politische Richtungsentscheidungen geschuldet, jedoch kein Ausdruck einer generellen Untätigkeit.
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