Die Folgen von Starkregenereignissen und Trockenheit abfedern
Mit Verdunstungsbeeten die Schwammstadt von morgen gestalten

Mit dem Projekt soll erforscht werden, welche kühlenden Effekte Verdunstungsbeete nach dem Schwammstadtprinzip für Städte haben können, wenn immer heißere Sommer, längere Trockenperioden und extreme Niederschläge das Mikroklima bestimmen.
Schwammstadtkonzept wird für Städte immer wichtiger
Während der offiziellen Einweihung der Beete betonten mehrere Fachleute der beteiligten Einrichtungen von TU Berlin, Berliner Hochschule für Technik (BHT) und der Tegel Projekt GmbH, dass es in Zukunft auch in anderen Städten Deutschlands immer wichtiger werden wird, Schwammstadtkonzepte mit Verdunstungsbeeten umzusetzen. Vor allem Starkregenereignisse können laut Aussage von Rob Grotewal, Leiter Park- und Freianlagen bei der Tegel Projekt, zu großflächigen urbanen Überflutungen führen. Gerade deshalb aber hätten Vorzeigeprojekte, wie das Schumacher Quartier, das als neues, weitgehend abflussloses bebautes Gebiet geplant ist, einen echten Modell- und Vorzeigecharakter.
Konkret sollen im Tegeler Projekt anfallende größere Wassermengen in Verdunstungsbeete eingeleitet und hauptsächlich über die dort angesiedelten Pflanzen gemäß dem Schwammstadtprinzip verdunstet werden. Nur ein kleinerer Teil soll versickern. Regenwasser, vor allem Starkregenwasser, soll möglichst nicht mehr einfach in die Kanalisation ungenutzt abfließen, sondern vor Ort verdunsten und somit für Kühlung sorgen.
Nach welchen Kriterien wurden die Pflanzen für die Verdunstungsbeete ausgewählt? Zum einen achteten die Forschenden auf Beständigkeit der Pflanzen in langen und sehr trockenen Sommern, aber auch auf Beständigkeit in langen, regenreichen und sehr feuchten Wintern.
Die Beete wurden so angelegt, dass der Boden zunächst aus einer fünf bis zehn Zentimeter dünnen Mulchschicht, einem darunterliegenden Oberboden und einer unterhalb von 30 Zentimeter liegenden Speichersubstrat-Schicht besteht. Die unteren Schichten sollen das Wasser zunächst quasi wie einen Schwamm aufsaugen und kontrolliert an die oberen Schichten mit den Pflanzen zur Verdunstung abgeben. Am Fuß der Speichersubstratschicht wurde eine Drainagevorrichtung, bestehend aus einem Vollsickerrohr DN150 angebracht. Dieses sorgt dafür, dass keine Staunässe in den oberen Erdschichten entsteht, die letztlich die Wurzeln faulen und die Pflanzen absterben lassen würde.
Verdunstungsleistung und Trockentoleranz
Für die Anlage der Versuchsbeete wurden zwei Substrate genutzt. Zum einen das Speichersubstrat tegra HYDRALIT LU, das strukturstabil ist und über ein hohes Wasserhaltevermögen verfügt, zum anderen das Staudensubstrat tegra HYDRALIT SI. Letzteres entspricht den Anforderungen des BWB-Regelblattes 601 für Anlagen der Versickerung. Den Substraten wurde auch Pflanzenkohle beigemischt, die einen positiven Einfluss auf die Wasserhaltekapazität des Bodens hat, Schwermetalle und langfristig vor allem Kohlenstoff im Boden binden soll (C-Sequestrierung).
Bei der Auswahl der Pflanzen haben die Projektverantwortlichen darauf geachtet, dass sie sowohl über eine hohe Verdunstungsleistung als auch eine hohe Trockenheitsresilienz verfügen. Zwei Pflanzenmischungen mit jeweils 15 Arten wurden schließlich in die Beete ausgebracht. Beim Vegetationstyp A (Vorbild Hochstaudenflure) kamen Wilder Engelwurz, Schlangenknöterich, Japan-Segge, Rasen-Schmiele, Gefleckter Wasserdost, Echtes Mädesüß, Braunrote Taglilie, Gewöhnlicher Gilbweiderich, Hohes Pfeifengras, Gewöhnlicher Beinwell, Schaumblüte, Dreimasterblume und die Geophyten Blaue Prärielilie, Sommer-Knotenblume und Spanisches Hasenglöckchen zum Einsatz.
Für den Vegetationstyp B (Vorbild Pfeifengraswiesen) wurden gewählt der Färber-Ginster als Gehölz und die Stauden Kriechender Günsel, Gewöhnliche Akelei, Bergenie, Balkan-Wolfsmilch, Kleines Mädesüß, Zottiges Silberglöckchen, Korallen-Iris, Moor-Pfeifengras, Großes Salomonsiegel, Goldrute und Zottiger Ziest. Hinzu kommen noch die Geophyten Scheestolz, Tazetten-Narzissen und Nickender Milchstern.
Pflege der Verdunstungsbeete unerlässlich
Unbedingt müssen die Beete gepflegt und regelmäßig von Abfall und Laub gesäubert werden. Vor allem die Stauden benötigen ein Mindestmaß an Pflege, beispielsweise einen Rückschnitt im Winter, bei dem das Schnittgut abgeräumt werden muss. Zusätzlich müssen die Beete gejätet werden.
Erste Ergebnisse des Projekts sollen in ein paar Monaten folgen. Laut den Projektverantwortlichen können sie Hinweise auf die Weiterentwicklung der ursprünglichen Pflanzliste und die Optimierung der Artenauswahl geben. Ebenso könnten dann laut Aussage von Leonhard Hess, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet "Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung", Rückschlüsse auf Häufigkeit und Intensität der Beetpflege gezogen werden. Auch die Zusammenstellung der Substrate, darunter auch die Verwendung von Pflanzenkohle als Zuschlagsstoff, soll dann noch einmal hinterfragt werden.
Martin Steffan
NL-Stellenmarkt









