Konflikt zwischen Gestaltung und grüner Zukunft

Die Grauplaner:innen

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Grashalm auf frisch saniertem Gendarmenmarkt entdeckt: Berliner Stadtverwaltung rückt mit Flammenwerfern an", so war es in der Satirezeitschrift "Der Postillon" zu lesen. In der Tat ist es so, dass zur Sanierung des Platzes zwischen dem Deutschen und dem Französischen Dom in Berlin-Mitte 23 Bäume entfernt und nur drei neu gepflanzt wurden. Der Platz, der schon viele Gesichter hatte, war schon mal viel grüner. Nach einer Dokumentation des Berliner Stadtentwicklungsverwaltung vor allem in der Zeit zwischen 1872 bis 1936.

Für die aktuelle Planung hat der Denkmalschutz durchgesetzt, dass die Gestaltung aus der Zeit der DDR zu konservieren ist. Eine Gestaltung, die nach einem Bericht des Landesdenkmalamtes von 2020 ursprünglich aus dem Jahr 1936 stammt. Anlässlich der Olympiade wurden damals Vegetationsflächen für einen Aufmarsch- und Parkplatz entfernt. Eine Gestaltung, die vielleicht nicht mehr ganz dem heutigen Ansprüchen entspricht.

Ein Problem ist aber die Begründung der Verwaltung: Die Bäume seien für Veranstaltungen hinderlich. Wir wissen: Bäume sind immer hinderlich. Sie machen Dreck, stören den Straßen- und den Leitungsbau, stehen Parkplätzen im Weg und nehmen Anwohnern die Sonne in der Wohnung. Bäume sind aber genau die Infrastruktur, die unsere Städte brauchen, um nicht zu überhitzen.

Ein anderer Fall spielt sich gerade in Osnabrück ab. Vor dem Schloss, mitten in der Stadt, war ein Stadtplatz auf einer Tiefgarage zu sanieren. Im Bestand gab es eine kleingliedrige Gestaltung mit Klinker und viel Grün. Durchgesetzt hat sich nach einem umfangreichen Planungswettbewerb die Idee eines Planungsbüros, wo mit geschickter Grafik eine sehr grüne Gestaltung erwartet werden durfte. Jetzt, wo die Fläche fast fertig ist, sehen die Bürger vor allem eine riesige Asphaltfäche.

Herzlichen Glückwunsch: es gibt eine neue Hitzeinsel in der Stadt. Auch hier ist die Begründung der Stadtverwaltung das eigentliche Problem. Die Fläche sei durch die darunterliegende Tiefgarage nicht zur Versickerung geeignet. Das ist technisch unzutreffend, denn das Grundstück verfügt über genügend Flächen, die nicht Tiefgarage sind. Außerdem lässt sich grüne Infrastruktur, die zur Verminderung von Hitze in der Stadt beiträgt, hervorragend auch auf Tiefgaragen installieren.

Traurig finde ich, dass wir als Berufsstand in den Fragen rund um das Stadtklima vor über 100 Jahren schon mal besser waren. Offenbar haben wir es nur vergessen. Nun sind die freien Landschaftsarchitekten oft gar nicht so frei, sondern müssen das umsetzen, was die Auftraggeber wollen. Es sind häufig die Entscheider in den öffentlichen Verwaltungen, die solche Planungen zu verantworten haben. Am Ende passen die Ergebnisse nicht zu dem, was vom Berufsstand propagiert wird.

Die Bilder vom jetzt leer geräumten Gendarmenmarkt erschrecken und sicher mag auch die Gestaltung von vor 1936 nicht den heutigen ästhetischen Ansprüchen entsprechen, aber die Flächen waren offen und üppig begrünt.

Liegt es nur an den Auftraggebern? Oder am besseren Honorar und einer schlechten Ausbildung? Ich jedenfalls wünsche mir anstelle der Grauplaner den alten Grünplaner zurück, meinetwegen auch die Grünplaner:innen.

Ihr Martin Thieme-Hack

NL-Stellenmarkt

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Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-Hack
Autor

Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L

Hochschule Osnabrück University of Applied Sciences

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