212. Folge

Die Invasion

von:
Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Invasion.
Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert

Ich bin mir völlig im Klaren, dass dieser Beitrag die Gemüter erhitzen wird. Trotzdem möchte ich dieses Thema aufgreifen und versuchen meinen Standpunkt hierzu darzulegen, um andere anzuregen darüber nachzudenken. Wir leben in einer sehr bewegten Zeit mit politischen Umbrüchen und wirtschaftlichen Debakeln, mit beginnender Digitalisierung, KI, Globalisierung und Klimawandel.

Die Medien sind voll von Meldungen über Katastrophen, Kriege und andere Bedrohungen. Schlechte Nachrichten bringen Geld. Besonders viel Geld bringen Meldungen über eine unmittelbare Bedrohung der Menschen in ihrem engsten Umfeld. Unter den Schlagzeilen findet man in etwa solche Überschriften:

  • "Invasive Arten eine globale Bedrohung" (Deutschlandfunk, 04.09. 2023)
  • "Invasive Arten verursachen Schäden in Milliardenhöhe" (Die Zeit, 29.07.2022)
  • "Experte warnt vor "Bedrohung" durch Riesen-Hornisse" (Merkur, 04.06.2025)
  • "Jakobskreuzkraut: Gefahr für Pferde" (mein-schöner-Garten.de, 16.01. 2024)

. . . und diese Liste ließe sich beliebig verlängern!

Versuchen wir einmal, den Nebel über diesem Thema ein wenig zu lichten ohne dabei die Gefahren, die invasive Arten mit sich bringen, zu ignorieren.

Zuerst möchte ich zum Verständnis auf einige Begrifflichkeiten eingehen.

NL-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Gärtner oder Vorarbeiter für Grünpflege (m/w/d), Düsseldorf-Garath,...  ansehen
Referenten Landschaftsgärtnerische Fachgebiete in..., Bad Honnef  ansehen
Betreuungskraft in der Garten- Landschaftspflege..., Bathildisheim  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert

Nomen est omen

Im Zusammenhang mit der gesamten Thematik findet man in Pressenmitteilungen, Amtsblättern und anderen medialen Mitteln unterschiedliche Bezeichnungen. Dazu utenstehend eine Übersicht. Was können wir aus dieser Tabelle schon ablesen? Richtig – eine Einwanderung.

Ob durch den Menschen oder ohne sein Zutun ist in der Regel nicht das Problem. Zum Problem wird das Geschehen erst, wenn die Neobiota die vorhandene biologische Vielfalt negativ beeinträchtigen. Invasiv heißt also schädlich für einheimische Lebewesen und für die Umwelt.

Welche Rolle spielt der Mensch in diesem Prozess?

Wie leider oft eine unrühmliche! Das unterstreicht das folgende Zitat von Anne Hanschke, WWF-Expertin für Artenschutz:

"Die Verantwortung liegt bei uns, denn haben sich invasive Arten erst einmal etabliert, kann man sie nur noch mit großem Aufwand und nur in kleinen, isolierten Systemen wie Inseln erfolgreich zurückdrängen."

Nun wird der reine Begriff "Invasion", der in der heutigen Zeit ein viel benutztes und strapaziertes Wort ist, keineswegs eindeutig verwendet. Rein wissenschaftlich betrachtet ist er wertfrei, neutral und drückt nur den Sachverhalt aus, dass eine Art in ein bis dahin von dieser Art nicht besiedeltes Gebiet einwandert.

Nun haben die europäischen Ökosysteme im Laufe der Eiszeiten erstens eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber neu eingewanderten Tier- und Pflanzenarten entwickelt und zweitens existieren hier zahlreiche ökologische Nischen, die noch Raum für neue Arten zulassen. Das beinhaltet ökologische Nischen, die im evolutionären Prozess entstanden sind oder durch den Menschen geschaffen wurden.

Das bedeutet zum einen, dass diese Nischen ohne negative Folgen von neuen Arten besetzt werden können. Zum anderen werden Neuansiedlungen nur dann zu erwarten sein, wenn ökologische Nischen nicht besetzt sind.

Leider ist es so, dass das vom Menschen verursachte Phänomen des "Klimawandels" die Dynamik unkalkulierbar verstärkt. Man kann davon ausgehen, dass sich die Verbreitungsgebiete zahlreicher Arten zusätzlich durch menschliche Einflussnahme bedingte "Einschleppung" verlagern werden.

Wie funktioniert das Prinzip der Einwanderung?

In der Anfangsphase, in der sich eine neue Art anzusiedeln beginnt, kann man beobachten, dass diese Art wenig in Erscheinung tritt. Das geht so lange gut, bis in der durch diese Art besetzten ökologischen Nische eine kritische Populationsdichte erreicht wird. Kurz: es ist kein Platz mehr da. In Folge kann es zu einem schnellen, explosionsartigen Aufbau großer Populationen kommen.

Diese Populationsexplosion beruht in der Regel auf einem Überangebot von Ressourcen. Diese Ressourcen wurden in dieser Nische bisher nicht genutzt. Nach Abbau dieser Quellen sinkt die Population des Neuankömmlings auf ein nachhaltig tragfähiges Niveau oder sie breitet sich aus und verdrängt heimische Arten.

Erst jetzt findet die wirkliche Einmischung statt. Ab diesem Moment wird es kritisch und es kommt zum "Kräftemessen" der Arten. The winner takes it all. Im ersteren Fall (dem Angenehmen) bleibt die Art präsent, ist aber eventuell nur noch selten. Manchmal verschwindet sie auch wieder. Wenn nicht, bekommt die Natur ein Problem.

Man kann sehen, dass der Mensch bis hierhin keine Rolle gespielt hat (wenn er nicht die Ursache des Übels gewesen ist.) Einwanderung ist eine natürliche Reaktion der Natur auf Lücken (ökologische Nischen) im System.

Zurück zur Rolle des Menschen

Die von uns heute so verdammten invasiven Arten sind zum überwiegenden Teil durch den Menschen eingeschleppt worden. Im 17.,18. und 19. Jahrhundert waren sogenannte Pflanzenjäger in aller Welt unterwegs, um für Fürstenhäuser, Parks, Botanische Gärten und sogar für die Landwirtschaft neue Pflanzen zu suchen. Dabei waren sie in Asien, Australien und Nordamerika besonders erfolgreich.

So kamen zum Beispiel im Spätmittelalter die Tulpe und die Rosskastanie aus dem Orient nach Europa. Interessant ist, dass die Rosskastanie schon einmal hier war, jedoch verschwand sie aus Europa wieder aufgrund des schlechten Klimas nach den Eiszeiten.

Im 18.Jahrhundert war es vor allem England, das diese Sammelleidenschaft forcierte und alles nach Europa schleppte, was sich nicht wehren konnte. Besonders im Pflanzenbereich war Kew Garden als Forschungsgarten des Königreichs führender Auftraggeber. Unten stehend einmal eine kleine Auswahl von professionellen Sammlern.

Viele, der in der Tabelle ausgeführten Pflanzen sind heute beliebte und weitverbreitete Bewohner unserer Parks und Gärten. Sie sind mitunter ein zukünftiger Wirtschaftsfaktor, wie zum Beispiel die Küstentanne, die in manchen Gegenden Europas sogar als ersetzendes Wirtschaftsholz für die durch den Borkenkäfer gebeutelte Fichte herhalten muss.

Eigentlich ist doch alles gut …

. . . könnte man eigentlich denken. Ist es aber nicht!

Bis zu diesem Punkt unterscheidet sich der Mensch als Pflanzensammler und Pflanzenumsiedler nicht von einer Ente, die in ihrem Federkleid Laich von Fischen und Lurchen oder Pflanzen, wie Wasserlinsen, von einem Ort zum anderen transportiert. Bis zu diesem Punkt ist der Mensch (und hier werden einige Mitbürger aufschreien) noch Teil des "natürlichen Kreislaufes".

Erst, wenn das von ihm transportierte Lebewesen sich zur Wehr setzt und seinen neuen Lebensraum verteidigt, beginnt das eigentliche Dilemma. Der Mensch greift erneut in das Räderwerk der Natur ein, um seinen vermeintlichen Fehler wieder gut zu machen. Das würde einer Ente nicht im Traum einfallen! Unzählige Naturschutzverbände, Amtsstuben und selbsternannte Wächter der Natur kämpfen gegen die "Invasion".

Der größere Teil der Genannten ist mit unglaublich viel Sachverstand dabei die sprichwörtlichen "Windmühlen" zu bekämpfen, aber viele der Invasionsbekämpfer verursachen noch mehr Schaden. Aktionismus gepaart mit Bildungsresistenz sind in dieser prekären Lage nicht das ideale Mittel der Wahl. Sicher steht hinter allen Aktionen der löbliche Gedanke, Arten zu schützen und zu erhalten beziehungsweise vor dem Aussterben zu bewahren. Aber, ist der Gedanke richtig? Hier mal einige Beispiele, die mich auf solche Gedanken gebracht haben:

Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert
Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert

Beispiel 1

In Mitteleuropa wird von Pelzjägern der europäische Nerz wegen seines Felles nahe an den Abgrund des Aussterbens gebracht. Die Natur steuert gegen und der Mink (ein kleiner aus Amerika eingeführter, in Wassernähe lebender Marder – Flüchtling aus Pelztierfarmen) versucht vom Osten herkommend die ökologische Nische, die der Mensch gerade freigeschossen hat, zu schließen.

Schon beginnt der Mensch als Artenschützer der Natur auf die Sprünge zu helfen und bekämpft den Mink, um dem Nerz das Überleben zu ermöglichen. Sollte hier vielleicht ein wirtschaftlicher Gedanke dahinterstehen? Das Fell des Nerzes ist nämlich wertvoller als das des Minks!

Beispiel 2

In Mitteleuropa wurde durch Pflanzensammler die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) aus Nordamerika eingeführt. Diese legte einen fulminanten Start an den Tag und verbreitete sich relativ schnell in den Kiefernwäldern und Wäldern mit ähnlichen Bodenverhältnissen. Sie trat in Konkurrenz mit der bei uns heimischen frühblühenden Traubenkirsche (Prunus padus). Sofort wurden amtliche Maßnahmen der Vernichtung getroffen und Heerscharen von selbsternannten und amtlich bestätigten Kämpfern zogen los, um die Pflanze zu vernichten. Zum Schaden der einheimischen Arten, die aus Unkenntnis gleich mit herausgerissen wurde.

Bei genauerem Hinsehen hätte man bemerken können, dass P. serotina eher trockene Standorte ohne Staunässe bevorzugt und P. padus eher nasse Standorte, die sich beide nur in den Randzonen überschneiden. Vielleicht haben wir es auch hier mit einem wirtschaftlichen Interesse zu tun?

P. serotina gilt in Amerika als Nutzholz, was überhaupt der Einführungsgrund nach Mitteleuropa war. Man hatte quasi die Dollarzeichen schon in den Augen. Die Pflanzen machten den Ökonomen einen Strich durch die Rechnung, denn in unseren Breiten wuchs sie nicht als Baum, sondern eher strauchartig. Nun wurde sie zur Gefahr für junge Buchen, Eichen und andere Wirtschaftshölzer.

Beispiel 3

1750 wurde aus China der Götterbaum als Futterpflanze eingeführt. Viele werden sich jetzt fragen: Wer frisst denn sowas? Der Götterbaumspinner. Er ist eine Seidenspinnerart, von der man sich durch ihr Endprodukt, der Seide, einen ordentlichen Gewinn erhoffte. Leider funktionierte das ganze Unterfangen nicht so, wie man sich das gedacht hatte.

Endergebnis war: der Spinner verschwand und der Baum blieb! Nach dem "großen Krieg" war er in Berlin zum Beispiel sehr willkommen, da er überall wuchs und dem zerstörten Stadtbild guttat. Durch seine Genügsamkeit und seine unglaubliche Resistenz gegen Dürre, Salz, Abgase, Herbizide und sonstige Umweltgifte fasste er schnell Fuß in unseren Stadtbildern. Auf Magerböden ist er auf dem Vormarsch und wird dort zum Problem.

Beispiel 4

Zurzeit werden überall alteingeführte Heckenpflanzen auf die Zettel der Invasionsgegner geschrieben, darunter auch die Thuja. Sicher nicht die Lieblingspflanze des Gärtners, weil nicht sehr dekorativ, für Insekten wertlos und übelriechend, aber als Hecke durchaus brauchbar. Nun soll sie raus aus den Gärten.

Zitat: "Die Thuja-Pflanze, auch bekannt als abendländischer Lebensbaum, steht in vielen Regionen Deutschlands im Fokus der Diskussion und wird zunehmend verboten. Dies liegt an ihren invasiven Eigenschaften, die erhebliche ökologische und gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Besonders im Kleingartenbereich des Dahme-Spreewaldes wird ab 2025 ein Verbot verhängt, um der Schädigung der Natur entgegenzuwirken.

Die Thuja-Gesetzgebung reagiert auf die Bedenken über den Einfluss dieser Pflanze auf die heimische Flora und Fauna. Es ist zu beobachten, dass die Thuja den Boden versauert und Krankheiten fördert, was die Notwendigkeit eines Verbots unterstreicht." (Magazin-metamorphosen.de)

Nun hat der Borkenkäfer in Mitteleuropa ganze Arbeit geleistet und etwa 20 Prozent des Waldes geschädigt. Man sucht nach Alternativen, denn die Holzwirtschaft will ihr Geschäft mit dem Billigholz "Fichte" nicht verlieren. Nun soll der geschätzte Leser bitte raten, welche Pflanze auch auf der Liste der Holzwirtschaft steht und schon in Kleinbeständen angepflanzt wird? Richtig, die Thuja! Sollte Geld eine Rolle spielen oder ist die Thuja nur in Kleingartenanlagen eine Gefahr?

Diese Reihe ließe sich problemlos fortsetzen. Da wäre zum Beispiel der Japanische Staudenknöterich, ein übles Gewächs, was seine Ausbreitungsfreudigkeit betrifft. Er wurde eingeführt als Viehfutter und verbreitet durch die Imker als Bienenweide. Oder denken wir an die als Ziergehölz eingeführte Kanadische Goldrute. Sie ist heute ein flächiger Verdränger der einheimischen Art.

Alle diese Beispiele haben eines gemeinsam: das wirtschaftliche Interesse. Passt eine Art (dabei ist es übrigens egal, ob invasiv oder nicht) in das System, kann man daraus Profit schlagen und ist automatisch willkommen. Aber wehe sie gefährdet den Geldfluss. Dann ist es schnell um sie geschehen. Die Festlegung über Wohl und Wehe in diesem Prozess trifft der Mensch, weil er in dem Glauben ist, nicht zum biologischen Kreislauf zu gehören und dabei über den Dingen zu stehen denkt.

Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert
Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert

Wir brauchen ein neues Verständnis zu Natur und Umwelt!

Unsere Welt wandelt sich schnell, das ist nicht erst in den letzten Monaten so gekommen. Dieser Prozess hat nur sekundär mit Homo sapiens zu tun und besteht seit dem Bestehen der Erde und nennt sich Evolution.

Evolutionv (lat. evolvere = entwickeln) bezieht sich im weitesten Sinne auf Formen langfristiger Entwicklungen komplexer Systeme, die zu größerer Vielfalt und neuen, vorher nicht existenten Phänomenen führen. Evolution heißt aber auch Verlust von Arten. Der Grund ist für die Natur nicht relevant, sie reagiert auf den Grund. Einer meiner Lieblingssätze aus "Jurassic Park" ist: "Die Natur findet einen Weg!"

Betrachten wir nüchtern die evolutionäre Entwicklung unserer Welt, speziell Europas, stellen wir fest, dass durch ungünstige geografische Bedingungen die eiszeitlichen Verluste in der Pflanzenwelt Europas besonders hoch waren, wenn man sie mit denen in Amerika und Asien vergleicht.

Im Gegensatz dazu waren die Verluste im Tierreich eher durch die Jagd und die Zerstörung von Biotopen bedingt, also menschgemacht. In diesem Prozess der Evolution verschwanden solche Arten wie Rosskastanie, Götterbaum, Flügelnuss, Thuja et cetera aus Europa. Richtig: Die waren schon mal da und wurden durch klimatische Veränderungen eliminiert, hinterließen ökologische Nischen, die wiederum von anderen Arten besetzt wurden.

Was spricht also dagegen, wenn diese Arten wegen des Klimawandels heute wieder hier heimisch werden? Der Grund ist doch egal. Die Artenwanderung in der derzeitigen, wenn auch zeitlich durch den Menschen forcierten, Warmzeit ist noch nicht abgeschlossen. Wir werden uns über Generationen auf eine Umstellung der Flora und Fauna einstellen müssen.

Das heißt unter anderem zu akzeptieren, dass Arten verschwinden (vielleicht um später erneut aufzutauchen) und das neue Arten hinzukommen. Das heißt aber auch, dass wir uns auf neue Gefahren, die von diesen Arten ausgehen, einstellen müssen, ohne dabei den Fehler zu begehen, die Arten schon wieder zu vernichten.

Artenschutz muss in erster Linie Biotopschutz sein

Eine industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Biogasanlagen, Großviehställen und überdüngten Böden schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich Pflanzen durchsetzen, die früher nur ein Randbiotop besiedelt haben und nun durch für sie bessere Lebensbedingungen angestammte Arten verdrängen. Denken wir nur an die Riesenstauden (z. B. Riesenbärenklau oder Topinambur), die in ihren Ursprungsgebieten nicht annähernd so groß werden wie an manchen Standorten in ihrem neuen Siedlungsgebiet.

Dieser Riesenwuchs wird unter anderem durch verstärkten Nitratgehalt im Boden begünstigt. Aber glaubt hier jemand, dass die ursprüngliche Flora des Ackerraines zurückkommt, wenn man den Riesenbärenklau vernichtet. Nein, denn der Boden ist das Problem.

Wir sehen nur Gefahren

Man bekommt den Eindruck, dass der Mensch immer nur die Gefahr sieht und den Nutzen ausblendet. Ich greife an dieser Stelle wieder auf den Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) zurück. Diese Pflanze darf auf keinen Fall verharmlost werden.

Der Saft der "Herkulesstaude" wirkt in Kombination mit Sonnenlicht oder auch stärkerem Lampenlicht phototoxisch. Das heißt: Der Saft in Verbindung mit Licht kann bei Menschen und anderen Säugetieren zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die schwer heilen und wie Verbrennungen erscheinen. Das muss beim Umgang mit der Pflanze beachtet werden. Ich trete auch nicht einem Hund absichtlich auf den Schwanz, weil ich weiß, dass das andere Ende Zähne hat.

Sehen wir den Vorteil dieser Pflanze? Ihre sehr großen Dolden sind ein Eldorado für Insekten geworden, denen andere angestammte Nahrungspflanzen fehlen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass nicht nur von "invasiven Arten" Gefahren ausgehen. Auch einheimische Pflanzen (und Tiere) sind gefährlich und dem Menschen "nicht wohlgesonnen". Ich sage nur: Jakobskreuzkraut (Jacobaea vulgaris). Aber auch hier ist der Mensch schon wieder dabei eine ökologische Nische zu schaffen, weil er diese einheimische Pflanze bekämpft. Im großen Maßstab werden die Pflanzen vernichtet. Hier entstehen Aktionen, die selbst von Naturschutzverbänden kritisch gesehen werden.

Zitat: "Bei der "Jakobskreuzkraut-Challenge 2025" sammeln Teilnehmerinnen und Teilnehmer Punkte für das Ausreißen der Pflanzen, das Melden befallener Flächen und Aktionen mit der Kommune, wie das Landvolk mitteilt. Die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) hat die Aktion gestartet. Sie läuft noch bis zum 31. August, anschließend wird der aktivste Bezirksverband ausgezeichnet. Auch andere Bundesländer machen bereits mit, darunter Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein." (NDR, 31.07.25)

Warum eigentlich? Nutzviehhaltung und Reitsport sind zwei nicht zu verachtende Wirtschaftsfaktoren. Sollte auch hier wieder Geld eine gewisse Rolle spielen?

Viele der Invasiven treten in der Öffentlichkeit nicht ins Rampenlicht, weil sie ihre neubesetzten Nischen noch nicht verlassen haben und es sicher auch nicht werden. Im Lichtkegel auf der Bühne erscheinen immer nur die Starken, die sich in den Vordergrund drängen und dem Menschen in irgendeiner Art und Weise (meist ökonomisch) nicht in den Kram passen. Dabei ist es völlig unabhängig, ob sie ein Bestandteil eines Evolutionsprozesses sind. Bei uns zählt allein der Mensch. Diese Einstellung sollte überdacht werden.

Invasive Arten Klimawandel
Grafik: Uwe Bienert

Fazit

Ich hoffe hiermit einige Leser zum Nachdenken angeregt zu haben. Es soll auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass mir die derzeitige Entwicklung der Natur egal wäre. Ich sehe genauso wie die meisten Kollegen die derzeitige Lage sehr kritisch, würde mir aber ein intensiveres Nachdenken über die Folgen des Tuns wünschen. Weniger Aktionismus, mehr Fach- und Sachkenntnis, ein paar weniger Emotionen und mehr Mut für Visionen. Über eine sachliche Diskussion würde ich mich freuen.

Uwe Bienert

Nächsten Monat lesen Sie:
„Bewegung ist alles – Teil 1“.

 Uwe Bienert
Autor

Landschaftsgärtner-Meister und Ausbilder

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle GaLaBau Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen