Umsetzung des neuen Städtebauförderprogramms

Die "Zukunft Stadtgrün" bricht bisher nur vereinzelt an

Rund zwölf Mio. Euro fließen nach Bayern. Die Wagnerstadt Bayreuth wird mit "Zukunft Stadtgrün"-Geldern den Stadtteil St.Georgen aufwerten. Foto: Powerbiker1 (Thomas Krees), CC BY-SA 3.0

Das neu aufgelegte Bund-Länder-Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün" läuft bundesweit nur schleppend an. Zwar haben bereits zahlreiche Städte und Gemeinden Mittel aus dem 50-Mio.-Euro-Topf des Bundes bewilligt bekommen. Mit Blick auf die gesamte Republik zeigt sich allerdings ein uneinheitliches Bild: Während in manchen Ländern einstellige Millionensummen in eine Vielzahl verschiedener Standorte fließen, knacken andere mit lediglich vereinzelten Bauvorhaben kaum die Millionen-Marke.

Dabei gilt es zu beachten, dass "Zukunft Stadtgrün" nur eine Ein-Drittel-Beteiligung des Bundes an den Baukosten vorsieht, während die übrigen zwei Drittel von Ländern und Gemeinden aufgebracht werden müssen. Außerdem wichtig: Gefördert werden ausschließlich städtebauliche Gesamtmaßnahmen und nicht, wie der Name des Programms vermuten lässt, singuläre grüne Infrastrukturprojekte. Das bedeutet, dass das Geld nicht zwingend in Parks und Gärten fließt, sondern beispielsweise auch in die Sanierung von Brücken, Plätzen und Wegen.

Im Süden und Westen tut sich was

23,65 Mio. Euro wird Nordrhein-Westfalen für Stadtgrün-relevante Maßnahmen aufwenden. Spitzenreiter der 18 geförderten Städte und Gemeinden ist das nördlich von Essen gelegene Gladbeck. Für 5,87 Mio. Euro soll der Sportplatz an der Rossheidestraße modernisiert werden. Das Ziel ist es, dort ein grünes "Open-Air-Wohnzimmer" für die Bürger zu schaffen, den "Sportpark Mottbruch". Neben einem Spielplatz und einer Wasserfläche soll die Grünanlage mit Trendsportflächen und Laufbahnen aufwarten. Der Nachhaltigkeitsgedanke soll dank der Nutzung von Geo-Thermie, Biomasse und zentralem Wassermanagement oberste Priorität genießen. Realisiert werden soll das Gesamtprojekt bis 2022.

Ein gutes Drittel der rund 9,4 Mio. Euro für Niedersachsen gehen nach Meppen. Dort soll der Historische Stadtwall umfassend saniert werden. Foto: Andi69, CC BY-SA 2.0

Verhältnismäßig hohe Summen stehen auch Baden-Württemberg und Bayern zur Verfügung: Während 16,5 Mio. Euro ins Ländle fließen, kann der Freistaat rund zwölf Mio. Euro aus dem Bund-Länder-Programm abrufen. 17 konkrete Maßnahmen sind in Baden-Württemberg bewilligt worden, die kostspieligsten Bauprojekte finden sich in Überlingen (rd. 2 Mio. Euro), Waiblingen (rd. 1,6 Mio. Euro) sowie Hirschberg an der Bergstraße (rd. 1,4 Mio. Euro).

In Bayern wird der Ausbau des Stadtgrüns an 48 Standorten vorangetrieben. Augsburg wendet rund 500 000 Euro aus dem Förderprogramm auf, um im Flößerpark Uferbereiche des Lech zu erschließen, die bisher unzugänglich waren. Dazu wird dichter Gehölzbestand gezielt ausgelichtet und das steile Ufer abgeflacht, damit dort Buchten entstehen können, eine inklusive Wasserspielplatz. An anderer Stelle soll eine große Treppe mit Sitzstufen zum Wasser hinunterführen. Die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg wird 222 000 Euro in die Begrünung ihrer Innenstadt investieren, die Wagnerstadt Bayreuth wird mit 120 000 Euro das urbane Grün in St. Georgen stärken. München soll 1,26 Mio. Euro für den Mittleren Ring Südost erhalten. Bei Redaktionsschluss lag jedoch erst eine Teilbewilligung für die geplanten Grünflächengestaltungen am Scharfreiterplatz und Hohenschwangauplatz vor.

Gemischte Signale aus Norddeutschland

In Niedersachsen fließen rund 9,4 Mio. Euro in den Ausbau grüner Infrastruktur. Der Großteil der zehn Maßnahmen knackt die 500 000-Euro-Marke. Spitzenreiter ist Meppen, dessen Historischer Stadtwall für 4,4 Mio. Euro saniert wird. 2,73 Mio. Euro der Gesamtsumme werden von "Zukunft Stadtgrün" gedeckt. Die Planer sehen unter anderem eine Wegumgestaltung auf der Wallanlage vor. Diskutiert werden auch der mögliche Rückbau einer Sackgasse in dem Areal sowie die Neugestaltung der Fußgängerbrücke.

2,2 Mio. Euro Fördergelder gehen nach Osnabrück. Mit dieser Summe sollen der Schlossgarten und der Ledenhof in der Friedensstadt saniert werden. Vorgesehen sind unter anderem eine umfangreiche Versiegelung des Schlossinnenhofs, eine großflächige Pflasterung an Stelle der bisherigen Blumenbeete sowie ein großer statt sechs kleiner Springbrunnen. In Bad Gandersheim, zwischen Hannover und Göttingen gelegen, ist eine Aufwertung des Kurbereichs für rund 1,2 Mio. Euro geplant.

In Kiel soll der Ortsteil Wik für bis 2021 mehr grüne Erholungsflächen erhalten. Investitionsvolumen: 3,5 Mio. Euro. Foto: Peter Smola, pixelio.de

In den Städten Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns lässt die grüne Zukunft dagegen noch auf sich warten. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Kiel und Neubrandenburg. In der Schleswig-Holsteinischen Landeshauptstadt fließen Gelder in gleich zwei Landmarken: den 20 000-Einwohner-Ortsteil Wik (rd. 3,5 Mio. Euro) sowie die Kiellinie und den Düsternbrooker Fördehang (600 000 Euro). Der Kieler Stadtrat bescheinigt dem Ortsteil Wik "eine Unterversorgung der Wohnbereiche durch Erholungsflächen". Daher sollen vorhandene großflächige Grünzüge umstrukturiert und sicher an das Rad- und Fußwegnetz angebunden werden. Wik soll auch einen Kleingartenpark sowie einen neuen Kindergarten erhalten. Das Projekt ist mit einer Laufzeit bis 2021 angelegt, konkrete Baumaßnahmen werden wohl nicht vor 2020 beginnen. Auch über den Ortsteil hinaus will die Hafenstadt grüner werden: Perspektivisch soll ein Stadtgartenweg für ganz Kiel realisiert werden.

In Mecklenburg-Vorpommern ist das Fördervolumen geringer: 1,37 Mio. Euro gehen für die städtebauliche Gesamtmaßnahme "Oststadt-Grün" nach Neubrandenburg. Die 65 000-Einwohner-Stadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wird das Geld für die Erschließungsmaßnahmen "Nord-Süd-Fußgängerachse" sowie die "Sport- und Freizeitanlage Kopernikusstraße" aufwenden. Auch im Osten der Republik ist das Weißbuch Stadtgrün noch weit von einer flächendeckenden Umsetzung entfernt. In Sachsen-Anhalt wurde das Programm "Zukunft Stadtgrün" im Jahr 2017 gar nicht erst aufgelegt. Besser sieht es in Thüringen aus. Dort haben sechs Gemeinden Finanzhilfen in Höhe von rund 2,8 Mio. Euro erhalten. In Geisa nahe der hessischen Grenze soll einerseits der denkmalgeschützte Gangolfipark auf dem höchsten Bereich des Bergsporns aufgewertet werden. Außerdem ist geplant, den Grundschulhof oberhalb der Stadtmauer neu zu gestalten. Dafür fließen rund 700 000 Euro nach Geisa. Ganze 2,35 Mio. wird die Aufwertung des Plattenbauviertels "Auf den Liethen" in Heilbad Heiligenstadt kosten. Unter Beteiligung der Anwohner sollen dort neue Grün- und Freiflächen geschaffen werden.

Frankfurt/Oder erhält 994 000 Euro zur denkmalgerechten Sanierung des Lennéparks. Damit ist die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze Fördermittel-Spitzenreiter in Brandenburg. Foto: Sebastian Wallroth, Wikimedia Commons, Public Domain

Deutlich mehr Geld als im Freistaat wird in der Bundeshauptstadt fließen. Berlin darf sich über 7,5 Mio. Euro zum Ausbau seiner grünen Infrastruktur freuen. 2,5 Mio. werden vom Bund beigesteuert, die übrigen 5 Mio. investiert das Land Berlin. In Sachsen sollen sechs Städte mit 4,924 Mio. Euro gefördert werden. Da das Bewilligungsprozedere durch die Sächsische Aufbaubank noch andauert, wollte das sächsische Innenministerium bis Redaktionsschluss keine Details preisgeben.

Auskunftsfreudiger war die zuständige Behörde in Brandenburg: Dort haben sechs Kommunen Bewilligungen im Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün 2017" erhalten. Am meisten Geld fließt nach Frankfurt/Oder. Die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze wird für 994 000 Euro den Lennépark, den zweitältesten Bürgerpark Deutschlands, denkmalgerecht sanieren. Der Nordbereich des rund neun Hektar großen Parks, der eine Verbindungsachse zwischen Innenstadt und einem Wohnviertel darstellt, wird Schwerpunkt der Fördermaßnahme sein. Neu gestaltet werden die Hangbereiche und Gehwege der Anlage, außerdem ist die Sanierung der sogenannten Grotte geplant.

Im Spremberger Georgenpark stehen für 540 000 Euro ähnliche Maßnahmen auf der Agenda. Neben der Sicherung und Sanierung der Hänge werden dort die barrierefreie Erschließung der Freilichtbühne und die Neugestaltung des Schwanenteichs in Angriff genommen. In Beeskow bricht die "Zukunft Stadtgrün" zunächst auf dem Alten Friedhof an. Für 500 000 Euro sollen dort Sichtachsen wiederhergestellt und die historische Anlage aufgewertet werden.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2018 .

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