Der Kommentar

Dr.-Ing. (FH)

von:
Mit der Abschaffung von Dipl.-Ing. (FH) und Dipl.-Ing. (TU) und der Einführung von Bachelor und Master wurden die Abschlüsse der HAW-Hochschulen für angewandte Wissenschaften, wie Fachhochschulen heute gerne genannt werden, denen der Universitäten gleichgestellt.

Die Abschaffung der guten alten deutschen Bezeichnung "Diplomingenieur" schmerzt viele noch immer, selbst nach 20 Jahren.

Für die HAW ist das eine deutliche Aufwertung. Mit dem Master haben auch deren Absolventen Zugang zur Promotion, Zugang zum Höheren Dienst und die gleichen Buchstaben, M.Eng. oder M.Sc. auf der Visitenkarte wie die Absolventen der Universität. Der Abschluss ist tatsächlich gleichgestellt.

Gleichgestellt ist aber nicht gleich. Im Vergleich von Fachhochschulen und Universitäten kann man Begriffspaare bilden, die den Unterschied transparent machen: Studium eines Berufsfeldes – Studium einer Disziplin; praxisorientierte Lehre – theoriezentrierte Lehre; angewandte Forschung – Grundlagenforschung. Dabei sind Universitäten nicht besser oder schlechter, sondern haben einfach einen anderen Lehr- und Forschungsauftrag. Man kann sagen: Der FH-Ingenieur kann die Formeln praxisgerecht anwenden, der TU-Ingenieur kann sie herleiten. Beides ist wichtig.

Nach der Gleichstellung der Abschlüsse folgt der Wunsch, auch bei Promotion und Habilitation gleichzuziehen. Bisher haben die Professoren an Fachhochschulen einen Betreuer von einer Universität gebraucht, um im Rahmen von kooperativen Promotionen Menschen diesen Weg zu ermöglichen. Die meisten Bundesländer haben in ganz unterschiedlichen Ausprägungen, Verfahren und Rahmenbedingungen auch den HAW ein partielles Promotionsrecht zugesprochen. In Niedersachen läuft dieses Wettbewerbsverfahren zur Aufnahme in ein Promotionszentrum gerade.

Wettbewerb schadet den verbeamteten Hochschullehrern sicher nicht. Die Frage ist, was verändert das in den praxisorientierten Fachhochschulen. Die Kriterien für diesen Wettbewerb sind die der Universitäten, denn die HAW müssen noch beweisen, dass sie in Forschungsfragen genauso gut sind. Es geht um Anzahl von Promotionen, Anzahl von Veröffentlichungen in Peer-Review-Scientific-Journals der Eingruppierung Q1 bis Q4, Anzahl von Reviews, Anzahl von Vorträgen auf wissenschaftlichen, internationalen Tagungen, Gastprofessuren, wissenschaftliche Auszeichnungen und Preise.

Die Gefahr für den Landschaftsbau ist, dass über kurz oder lang die solide, praxisorientierte Ausbildung von Ingenieuren an Fachhochschulen verloren geht. Bei der Neubesetzung von Professuren werden in Zukunft die wissenschaftlichen Leistungen von Bewerbern immer höher bewertet werden als ein breit angelegter praktischer Hintergrund. Für die HAW ist es in Zukunft wichtiger, eine möglichst große Zahl von Promotionen vorweisen zu können, wissenschaftliche Tagungen abzuhalten und Professoren zu haben, die in wissenschaftlichen Journalen möglichst häufig zitiert werden. Neue Landschaft erfüllt diesen Anspruch nicht. Die Baubetriebstage, Sportplatztage und viele andere werden für die Praktiker nicht mehr interessant sein, weil im Elfenbeinturm diskutiert wird. Ein guter Zeitpunkt für den Berufstand sich einzumischen.

Ihr Martin Thieme-Hack

NL-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Fachkraft Artenschutz von Stadtbäumen (m/w/d), Stuttgart  ansehen
Bauaufseher/-in Stadtbäume (m/w/d), Stuttgart  ansehen
Fachgebietsleitung Friedhof (m/w/d), Wolfsburg  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-Hack
Autor

Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L

Hochschule Osnabrück University of Applied Sciences

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle GaLaBau Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen