Ein Beitrag zu regionaltypischer Biodiversität

4800 m² große Dachbegrünung veredelt norwegische Möbelfabrik

Die Architekten der Bjarke Ingels Group haben für den norwegischen Möbelhersteller Vestre die umweltfreundlichste und transparenteste Möbelfabrik der Welt entworfen. Sie dient sowohl als Ausflugsziel als auch als Erlebnis- und Lernort für alle Besucher.
Vestre Artenvielfalt Dachbegrünung
Versteckt in einem norwegischen Kiefernwald hinterlässt die Passivhaus-Fabrik von Magnor den kleinsten nur denkbaren Fußabdruck. Foto: Einar Aslaksen

Versteckt in einem Kiefernwald hinterlässt die Passivhaus-Fabrik im norwegischen Magnor den kleinsten nur denkbaren Fußabdruck. Dazu trägt auch die 4800 m² große Zinco-Dachbegrünung in regionaltypischer Biodiversität bei, welche das Garten- und Landschaftsbauunternehmen MATTAK AS geplant und ausgeführt hat. In die bis zu 20° geneigten Grünflächen sind 888 Solarmodule eingebettet und produzieren rund 250.000 kWh erneuerbare Energie pro Jahr. The Plus ist ein echtes Plus für Mensch und Umwelt und sendet sein positives Signal.

In direktem Kontakt mit dem Wald

Vestre und BIG vereinte der Wunsch nach einem Gebäude, das ökonomisch, nachhaltig und sozial zugleich ist. An diesem Punkt war die Idee geboren, die Fabrik direkt in einen gepflanzten Kiefernwald zu betten und sowohl das Gebäude also auch die 300 ha Waldfläche als Erlebnisort für alle zugänglich zu machen. Besucher können bei Führungen die Möbelherstellung kennenlernen, sich über Energieerzeugung, Energierückgewinnung, Wasseraufbereitung oder die Lebenszyklen der Materialien informieren. Zugleich sollen die Menschen die Ressource Wald erleben und haben die Möglichkeit zu picknicken und zu campen. Das Besondere an der gesamten Gebäudegeometrie von The Plus ist, dass man ringsum durch die riesigen Glasfassaden wie durch große Schaufenster direkt in die Produktion blicken kann. Und Zugänge zur offensten und transparentesten Fabrik der Welt gibt es viele.

The Plus erreicht in der BREEAM-Umweltbewertung die allerhöchste Stufe "Herausragend", was nur 1 Prozent aller neuen Industrieprojekte weltweit gelingt. Dazu tragen viele Aspekte bei: die hervorragende Wärmedämmung und Fenster mit minimalem Energieverlust, Wärmetauscher und eine Reihe von geothermischen Brunnen, ein fortschrittliches Energieversorgungssystem mit Nutzung der Abwärme aus der Produktion und die Kombination von Solarenergie und Dachbegrünung. Insgesamt ist der Energiebedarf des Gebäudes um 90 Prozent geringer als der einer vergleichbaren konventionellen Fabrik.

Einzigartig ist bei Vestre auch, dass über viele Jahre gebrauchte und abgenutzte Möbel erneut in die Fabrik gebracht werden können zur Restaurierung und Wiederverwendung. Dazu verfügt The Plus über eine eigene Kreislaufproduktionslinie. Diese zirkuläre Möbelproduktion senkt den Energieverbrauch drastisch und auch der Wasserverbrauch ist bei The Plus minimal, da über 90 Prozent des in der Produktion verwendeten Wassers recycelt werden.

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Vestre Artenvielfalt Dachbegrünung
Dazu trägt auch die 4800 m² große Zinco-Dachbegrünung in regionaltypischer Biodiversität bei. 888 Solarmodule sind in sie eingebettet und produzieren rund 250.000 kWh erneuerbare Energie pro Jahr. Foto: Mattak AS

Artenvielfalt auf dem Fabrikdach

Das erfahrene Garten- und Landschaftsbauunternehmen MATTAK AS war maßgeblich beim Design und der Projektplanung des Daches verantwortlich und übernahm die komplette Ausführung der Dachbegrünung. Die Rahmenkonstruktion des zwischen 0° und 20° geneigten Daches besteht aus Brettschichtholzträgern mit freien Spannweiten von 24 m. Für die Dämmung wurden Holzfasern eingesetzt. Auf einer bereits wurzelfest ausgebildeten Abdichtung startete der Zinco-Systemaufbau beginnend mit der Speicherschutzmatte SSM 45 und den Drän- und Wasserspeicherelementen Floradrain FD 40. Diese 40 mm hohen Elemente aus tiefgezogenem Recycling-Polyolefin speichern Wasser in ihren Mulden und leiten Überschusswasser dank unterseitigem Kanalsystem sicher ab.

Das ist die richtige Basis für die gewünschte Bepflanzung der Flächen mit höherem Artenreichtum und bietet dank vollflächiger Verlegung auch die erforderliche Lagesicherheit bis in die stärker geneigten Dachbereiche.

Es folgte das Systemfilter SF als Abdeckung sowie rund 12 bis 40 cm Substrat, das in Turbobags via Kran aufs Dach gebracht wurde. MATTAK AS hatte dazu eigens eine Substratmischung hergestellt unter Verwendung des vormals abgetragenen Waldbodens, um die verschiedenen heimischen Arten anzusiedeln. Neben dieser Ausbringung der Pflanzen in Form von Samen im Waldboden, setzte man sage und schreibe auch 20.000 Pflänzchen, welche in der Umgebung als Stecklinge gesammelt und extra kultiviert worden waren. Durch die Nutzung dieses biologischen Materials wächst auf dem Fabrikdach genau die Artenvielfalt, die für die Region typisch ist. Das ist die hochwertigste Form der Vegetationsansiedlung, zumal gebietseigene Flora auch die passende Nahrungsgrundlage für die heimische Insektenwelt darstellt. Um die Vegetation zu etablieren, bewässerte MATTAK AS das Biodiversitätsdach in der Anwachsphase und kümmert sich auch über die erste Saison hinaus um die Pflege.

Vestre Artenvielfalt Dachbegrünung
The Plus ist ein inspirierendes und lehrreiches Industrieprojekt mit echter Symbolkraft über Branchen- und Ländergrenzen hinweg. Foto: Mattak AS

Entwicklung für die Zukunft

Mit der Eröffnung von The Plus im Sommer 2022 ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. In dem 300 ha großen Waldgebiet entstehen Spiel- und Picknickplätze, ein lyrischer Pfad und ein Aussichtsturm sowie Klettermöglichkeiten auf megagroßen Vestre-Möbeln. Eine neue Brücke über das Flüsschen Vrangselva wird den Park mit der Ortschaft Magnor verbinden. Mit dem Gemeinderat arbeitet Vestre auch an der schrittweisen Entwicklung einer größeren Biodiversität im Wald, der durch Bewirtschaftung und Rodung bislang nicht wild wachsen konnte.

Mit dem gesamten Konzept demonstriert Vestre, wie es möglich ist, Industrie, Klima und Natur zu vereinen. The Plus ist ein inspirierendes und lehrreiches Industrieprojekt mit echter Symbolkraft über Branchen- und Ländergrenzen hinweg – ein positives Zeichen für die Zukunft ganz nach dem Motto von Vestre "Jeder kann die Welt retten. Zumindest ein bisschen".

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