Ein wichtiger Schritt zum Schulterschluss

Erste Nationale Alleentagung fordert bundesweiten Alleenschutz

Auf der ersten nationalen Alleentagung im März kamen in der Berliner Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund zahlreiche Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden zusammen.
Alleen Biodiversität
Gelungener Auftakt für den bundesweiten Alleenschutz. Foto: Thomas Uhlemann/Stiftung Die Grüne Stadt

Unter der Schirmherrschaft von Niedersachsens Minister für Umwelt, Klimaschutz und Energie Christian Meyer, wurde länderübergreifend über den Erhalt, Schutz und Entwicklung der rund 20.000 Kilometer Alleen in Deutschland diskutiert.

Die Tagung setzte einen wichtigen Startschuss für den Brückenbau zwischen einzelnen Interessengemeinschaften. Schon die Eröffnung durch Reinhold Dellmann, Vorstandsmitglied des Fördervereins Baukultur Brandenburg rückte in den Fokus, dass dem Rückgang der Alleenlandschaft und dem zeitgemäßen Alleenschutz nur bundesweit und im Schulterschluss begegnet werden kann. Gründe dafür seien unter anderem der Mangel an Wissensgrundlagen und die Vernetzung zwischen Ämtern und Kommunen merkte Alexander Bonde, Generalsekretär Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in seinem Grußwort an.

Nicht ausgeschöpfte Potenziale bei Nachpflanzungen

Die Veranstaltung gliederte sich in Fachvorträge, Diskussionsrunden und Praxisberichte. Professor Jürgen Peters von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNE) zeichnete auf der Grundlage des DBU-Forschungsprojekts "Alleen in Deutschland (2019–2022)" ein Bild, wie es um den Alleenbestand bestellt ist. Die Vorbildfunktion von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich deutlich. Die dortigen Neupflanzungskonzepte zum Alleenschutz seien wegweisend, um die politisch, infrastrukturell und topografisch bedingten Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle im Alleenbestand auszugleichen. Die richtige Grundlage könnte ein Leitfaden für die bundesweit einheitliche Kartierung von Alleenbäumen schaffen, um Fehlerquellen bei der Geodatenerhebung zu minimieren und Datenlücken auf kommunaler Ebene zu schließen.

Das große Potenzial an Nachpflanzungen sei aus Verkehrssicherheitsmaßnahmen schwierig, so Peters. Mit dem Ausbau von Radwegen könne es jedoch ausgeschöpft werden. Deshalb sei neben der staatlichen vor allem die kommunale Straßenregelung ein wichtiger Ort für Diskussionen, ergänzte Tagungsschirmherr Meyer. Auch richtige Anreize wie Beratungs- und Förderungsangebote für die Untere Naturschutzbehörde sowie für Kommunen müssen geschaffen werden, um Anleitungen für die Praxis zu stellen. Vor Ort gilt es, Multiplikatoren zu aktivieren und Lösungen für rechtliche Grauzonen zu finden, wo sich Maßnahmen zur Verkehrssicherheit mit dem Erhalt von Alleen überschneiden. Des Weiteren helfe die Vereinigung von landwirtschaftlichen und Umweltinteressen dem Alleenschutz. Nicht zu unterschätzen sei die Anpassung von Förderrichtlinien für Landwirte, betonte Thomas Amtage, der Diana Ganzert vom Kompetenzzentrum Garten- und Landschaftsbau Quedlinburg vertrat.

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Alleen Biodiversität
BGL-Vizepräsident Matthias Lösch. Foto: Thomas Uhlemann/Stiftung Die Grüne Stadt

Das Thema Allee muss breiter gedacht werden

Die Allee ist eine wichtige Landschaftsstruktur, die zum Erhalt von Biodiversität beiträgt und Lebensräume vernetzt. Vernetzung ist das Stichwort: Dass das Thema Alleen nicht nur auf politischer Ebene gedacht werden kann, zeigten die Vorträge unter anderem von Dr. Philipp Schönfeld, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim und Christoph Dircksen, Vorsitzender des Bundes deutscher Baumschulen Nordrhein-Westfalen. Nicht nur die richtige Wahl robuster, klimaresilienter Baumarten spielen beim Erhalt, Ausbau und Schutz von Alleenbiotopen eine wichtige Rolle, sondern auch deren Verfügbarkeit.

Noch nie war der Bedarf an Bäumen so hoch wie seit 2018, ergänzte Dircksen und spielte damit auf den Rückgang der Nachfrage ab den 1990er-Jahre an, den kleine bis mittelgroße Baumschulen wirtschaftlich nicht überlebt hätten. Bei Anfragen der Straßenbauverwaltung müsste der nötige Bedarf an Bäumen schon Jahre im Vorfeld mit den Baumschulen kommuniziert werden. Dafür bräuchte es jedoch ein cleveres Vorausdenken im Alleenmanagement und Kontinuität im geschulten Personal auf allen ausführenden Ebenen.

Wissenstransfer, Kommunikation und Finanzierung

Welche Weichenstellungen für den Alleenerhalt notwendig sind, stellte Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) Matthias Lösch in den Raum. Er wünscht sich Konsequenz bei der Neuanlageplanung, die über Bundesprogramme und EU-Förderprogramme gestützt sind und Länder sowie Kommunen entlastet. Bei der Vergabe sei die Sicherung fachlicher Standards einzuhalten von der alle Wettbewerbsteilnehmer profitieren. Zudem müssten die Kosten der Unterhaltungspflege an Bäumen ein selbstverständlicher Teil der Straßenunterhaltung sein. Neben der gezielten Arbeitsmigration werden duale Studiengänge ein immer wichtig werdender Bildungsbaustein. Das macht die konsequente staatliche Förderung der Aus-, Fort- und Weiterbildung notwendig.

Dr. Sven Reiter vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern forderte konzeptionelle Herangehensweisen bei der Alleenaufwertung für alle Bundesländer und verwies dabei auf den 2020 aufgelegten Bundeshaushaltstitel "Alleenschutz und Entwicklung an Bundesstraßen" (52122-722). Auch die 100 Milliarden des neu beschlossenen Klima- und Transformationsfonds machen für die Alleensicherung Hoffnung. Sie könnten im Kleinteiligen die Ehrenämter und Vereine entlasten, aber auch Großprojekte wie die Alleenstraße voranbringen. Staatssekretär Georg Beyer vom brandenburgischen Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz forderte Planungsbeschleunigung und Bürokratieabbau auf kommunaler Ebene: "Unsere Alleen stehen symbolisch für die schwierigen Debatten um die EU-Wiederherstellungsverordnung." Die erste Nationale Alleentagung war also erst der Anfang die Teile zu benennen und zusammenzusetzen, die nachhaltigen Alleenschutz realisierbar machen.

ph

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