Exkursion der Hochschule Osnabrück nach Istanbul
Zukunftsfähige Stadtentwicklung am Bosporus

Mit fast 16 Millionen Einwohnern ist Istanbul die größte Stadt der Türkei. Das alte Konstantinopel ist durch viele Gebäude aus der byzantinischen Zeit wie die Hagia Sophia präsent. Bei einem Rundgang durch die Altstadt fallen jedoch häufig Plakate von Bauvorhaben ins Auge: Weiße Fassaden, begrünte Dächer sowie modernes Design stehen im Kontrast zu den historischen Bauten. Dabei handelt es sich um diverse Projekte, die über die ganze Stadt verteilt sind.
Moderne Großprojekte in Rekordzeit realisiert
Das Zorlu Center weist eine für Istanbul seltene Mischnutzung aus Wohnen, Einkaufen, Kultur und Tourismus auf. Besonders interessant ist der Bau auf einer fünfstöckigen Tiefgarage, der somit besondere statische Eigenschaften aufweist. Bemerkenswert ist auch die 72.000 m² große Dachbegrünung – intensiv und extensiv. Diese hat nicht nur einen großen ökologischen Mehrwert in einer dichtbebauten Metropole, sondern wird auch als Park für die Bewohnerinnen und Bewohner genutzt. Aufgrund der statischen Eigenschaften wurden besondere Ansprüche an die Wahl der Pflanzen und des Substrates gestellt und kreative Lösungen für das Pflanzen größerer Bäume in Pflanzbehältern gefunden.
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Bau auf unterirdischen Strukturen
Der neue Kreuzfahrthafen Galataport wurde in nur vier Jahren Bauzeit mit einer Fläche von 400.000 m² verwirklicht. Während der Bauphase wurde zeitweise mit 450 Bauarbeitern gleichzeitig gearbeitet. Beeindruckend ist auch hier der Bau auf unterirdischen Strukturen, denn das Terminal für Kreuzfahrtpassagiere befindet sich unter dem Hafen. Bei der schnellen Realisierung solcher Bauprojekte könnten geringere Standards und weniger Arbeitsschutzkontrollen eine Rolle spielen: Es bestehen zwar Regelungen, jedoch werden sie oft nicht durch die nötigen Instanzen kontrolliert oder durchgesetzt. Auch der Verdienst in der türkischen Baubranche liegt selten über einem Mindestlohn.
Eine zeitnahe Realisierung moderner Bauvorhaben wird auch erreicht, indem neben öffentlichen Mitteln häufig Privatinvestoren involviert sind. So das Rixos-Projekt: Dort wird auf 2,5 km Küstenlinie ein gigantischer Hotel- und Ressortkomplex verwirklicht. In nur vier Jahren sollen in einem komplett neuen Stadtteil Hotels, Resorts, Museen und zwei Yachthäfen fertiggestellt werden. Entsprechend fallen häufig Halbprivatisierungen von öffentlichen Anlagen auf: Sie sind frei zugänglich, aber beim Betreten muss man eine Sicherheitskontrolle durchlaufen, so am Galataport oder im Zorlu Center, aber auch in einigen Parks.

Luxus und Leerstand: Eine Stadt der Gegensätze
Istanbul ist eine internationale Millionenmetropole mit Strahlkraft und westlichem Einfluss. Innovative Projekte werden innerhalb kürzester Bauzeit verwirklicht, doch nicht alles ist so fortschrittlich: Dass drei unserer Führungen durch landschaftsarchitektonische Projekte von fachkompetenten, am Bauprozess beteiligte Frauen durchgeführt wurden, ist zwar positiv aufgefallen, doch sieht man abseits der Touristenpfade nur wenige Frauen in der Berufstätigkeit. In der Türkei ist nur knapp jede dritte Frau erwerbstätig, oftmals stellen sie ihre Arbeitskraft unbezahlt in den Dienst der Familie. Jede Stadt hat mit sozialen Unterschieden innerhalb der Gesellschaft zu kämpfen, aber in Istanbul findet man die Differenzen auf minimalem Raum. Fährt man eine Straße entlang, stehen gläserne Fronten neben abrissreifen Betonklötzen. Elitäre Wohn- und Hotelanlagen, luxuriöse Shoppingmeilen und exklusive Freizeiteinrichtungen dominieren zusammen mit traditionellen, abplatzenden Fassaden und Leerstand das Stadtbild. Marieke ten Thoren/ph









