Grüne Freiräume sind Gold wert

Forscher berechnen ökonomischen Nutzen von Parks und Gärten

Kienbergpark Berlin. Foto: Neue Landschaft

Je nach Größe, Lage und Ausgestaltung erbringen Parks und Gärten einen gesellschaftlichen Nutzen zwischen einigen hunderttausend und mehreren Millionen Euro pro Jahr. Zu dieser Bewertung kommt das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das gemeinsam mit elf Partnern aus Forschung und Praxis Parks und Gärten in Berlin und Stuttgart untersucht hat.

Kein Freizeitangebot wird so genutzt wie Parks

"Zwar kostet eine gute Parkpflege Geld, doch die grünen Oasen geben der Gesellschaft ein Vielfaches davon zurück", erklärt Projektleiter Prof. Jesko Hirschfeld vom IÖW. "Sie erbringen unverzichtbare Leistungen, etwa beim Schutz vor Hitze und Starkregen, und bieten Räume für Naturerfahrung sowie sozialen Austausch. In diesen Mehrwert sollten Städte investieren und ihre Grünflächenämter deutlich besser ausstatten. Wer hier weiterhin den Rotstift ansetzt, handelt gegen den erklärten Willen der Stadtbevölkerung und schadet ihrer Gesundheit und Lebenszufriedenheit - das hat unsere Studie klar ergeben."

Bei einer repräsentativen Umfrage des Forschungsprojekts in Berlin und Stuttgart im Herbst 2020 gaben 95 Prozent der Befragten an, dass sie in den letzten zwölf Monaten mindestens einen öffentlichen Park besucht haben. Die Hälfte der Befragten nutzt Parks sogar wöchentlich oder öfter. Malte Welling vom IÖW sagt: "Kaum ein Freizeitangebot in Städten dürfte von so einer breiten Mehrheit genutzt werden wie die öffentlichen Parks, die als Erholungsraum und sozialer Treffpunkt allen kostenlos und oft wohnungsnah zugänglich sind."

Kaum ein Freizeitangebot in Städten wird von so einer breiten Mehrheit genutzt wie öffentliche Parks, hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung festgestellt. Grafik: IÖW, Berlin 2022, CC BY-ND

Parks sparen Geld für Ausbau der Kanalisation

Nicht nur als Freizeit- und Lernort schaffen Parks gesellschaftlichen Wert, sondern auch als ökologisches Rückgrat der Städte: Bei einem Starkregenereignis kann der knapp 50 ha große Volkspark Hasenheide in Berlin beispielsweise ungefähr 4500 m³ Niederschlag aufnehmen. Dadurch spart die Stadt pro Jahr 170 000 Euro, die sonst in den Ausbau der Kanalisation fließen müssten. Außerdem binden die Pflanzen dort jährlich 190 t CO2 und vermeiden dadurch Klimaschäden im Wert von über 30 000 Euro pro Jahr. "Zusammen mit dem sozialen und kulturellen Nutzen für die Bevölkerung in den umliegenden Stadtquartieren erbringt ein Park wie die Hasenheide jedes Jahr einen Nutzen im Wert von über drei Millionen Euro", erklärt Prof. Hirschfeld und mahnt zugleich: "Wenn für Neubauten in der Stadt Grünflächen und Gärten verschwinden, sind die Kosten für die Stadtgesellschaft hoch. Dieser Konflikt lässt sich vermeiden, wenn Innenverdichtung nur auf bereits versiegelten Flächen oder als Aufstockung bestehender Gebäude umgesetzt wird - am besten gleich inklusive intensiver Dach- und Fassadenbegrünung."

Das große Interesse an Parks führt besonders in wachsenden Städten zu einem steigenden Nutzungsdruck und vielseitigen Ansprüchen. Wie können Parks dem gerecht werden und eine gute Balance zwischen verschiedenen Nutzungsformen herstellen? Diese Frage untersuchte die Grün Berlin GmbH - ein landeseigenes Unternehmen, das verschiedene Berliner Parks und weitere grüne Infrastrukturen entwickelt, baut und betreibt: "Wir haben gemeinsam mit Parknutzer*innen verschiedene Mitmachaktionen entwickelt. Diese Realexperimente erproben Ansätze, Parks mit mehr Rücksicht und Aufmerksamkeit füreinander und für die Natur zu nutzen", erklärt Vivien Franck von Grün Berlin.

Forscher für angemessene Grünpflege-Budgets

Im Park am Gleisdreieck experimentierten die Teilnehmenden etwa mit Tanztreffs an Sommerabenden - um Geselligkeit auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen, dabei jedoch die Lautstärke und das Müllaufkommen möglichst gering zu halten. "Im Kienbergpark stand vor allem das Spannungsfeld zwischen Nutzung und Naturbelassenheit im Fokus", ergänzt Franck. "Aufräumaktionen verknüpften wir mit Führungen durch das Ökosystem. Und in einem Citizen-Science-Projekt haben Menschen auf einer Blühwiese 70 Wildblumenarten und 68 Insektenarten gezählt."

Neben dem Nutzungsdruck stellt auch der Klimawandel Parks zunehmend vor Herausforderungen: Trockenstress, Sturmschäden und veränderte Vegetationsperioden erfordern eine verstärkte Pflege und mehr Neupflanzungen. Damit Parks ihr volles Potenzial entfalten können, fordern die Forschenden gesamtstädtische Konzepte, klare Verantwortlichkeiten in der Verwaltung und angemessene Budgets für die Grünflächenpflege. IÖW

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2022 .

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