Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Forscher fordern mehr Revitalisierungen von Fließgewässern

"Flüsse und Auen bieten uns Trinkwasserressourcen, natürlichen Wasserrückhalt und damit Hochwasserschutz, Schadstoffrückhalt und -umwandlung, Erholungs- und Freizeiträume sowie Fischereiressourcen. Um Flüsse in Deutschland resilienter zu machen, bedarf es aber verstärkter Anstrengungen bei ihrer Revitalisierung. Denn je naturnäher ein Fluss ist, desto größer ist seine Biodiversität und desto umfangreicher sind seine Ökosystemleistungen", erläuterte Prof. Dr. Sonja Jähnig, Forscherin und Abteilungsleiterin am IGB.
Doch seit zwei Jahrzehnten herrsche "ein großes praktisches Umsetzungsdefizit bei Verbesserungsmaßnahmen", kritisierte Dr. Jörn Gessner, IGB-Forschungsgruppenleiter. In 60 Prozent der Wasserkörper sei mit der Umsetzung der in den Bewirtschaftungsplänen vorgesehenen hydromorphologischen Maßnahmen bis 2020 noch nicht einmal begonnen worden. "Die Ursachen dafür sind lange und gut bekannt", so Gessner: "Es fehlt vor allem an Geld, Personal und Flächen. Zudem gibt es Interessenkonflikte mit anderen Politikfeldern wie zum Beispiel Landwirtschaft, Verkehr und Energie." Das Wasserrecht reiche allein nicht aus, um diese Probleme zu lösen.
Nach vielen Jahren der ausführlichen Diagnose sollte daher nun die Lösung konkreter praktischer Probleme und Zielkonflikte im Vordergrund stehen, empfehlen die Forscher. Grundvoraussetzung für schnellere und effizientere Fließgewässerrevitalisierungen sei eine offizielle Priorisierung mit klaren Zielvorgaben und ausreichenden Ressourcen. Das von Bundesregierung beschlossene Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das auch Maßnahmen zu Gewässerrevitalisierungen enthält, ist aus Sicht der Forscher ein Schritt in die richtige Richtung und sollte konsequent, ambitioniert und finanziell gut ausgestattet fortgeführt werden. cm/IGB
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