Jahresgespräch mit dem BGL-Präsidenten

Forster: Das Weißbuch Stadtgrün braucht noch einige Aspekte

Die Entwicklung und Instandhaltung Grüns sollte künftig "als öffentliche Pflichtaufgabe" gekennzeichnet werden, fordert BGL-Präsident August Forster. Foto: NürnbergMesse

Der Entwurf des Weißbuchs "Grün in der Stadt" und das neue Städtebauförderprogramm "Zukunft Stadtgrün" sind nach Auffassung des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) richtige Schritte zur Verbesserung der grünen Infrastruktur. Doch gebe es noch einige Aspekte, die in dem Papier berücksichtigt werden sollten.

Das sagte BGL-Präsident August Forster im Jahresgespräch mit der Neuen Landschaft. Zur Fachkräftesicherung kündigte er ein Bündel von Maßnahmen an. Sowohl der Weißbuch-Entwurf als auch das neue Stadtgrün-Programm seien "gute Zeichen für die GaLaBau-Branche", sagte Forster. Damit erfahre das urbane Grün jene Wertschätzung, die ihm für die Zukunftsfähigkeit der Städte gebührt. Der BGL habe "seit langem für ein eigenes Grünprogramm gekämpft, das nicht unter anderen Schwerpunkten zu suchen ist". Besonders freue ihn, dass sich im Weißbuch-Entwurf viele Handlungsempfehlungen und -Felder wiederfänden, die in der vom BGL initiierten "Charta Zukunft Stadt und Grün" 2014 formuliert worden seien, so Forster: "Dies ist ein toller Erfolg für unsere nachdrückliche Arbeit zum Thema Stadtgrün." Er hoffe, dass viele Menschen die Chance nutzten, den Entwurf zu kommentieren. Es sei sehr wichtig, "einen breiten Konsens zu erzielen und eine nachhaltige Unterstützung in der Gesellschaft zu haben".

Grün muss "öffentliche Pflichtaufgabe" sein

Forster plädierte dafür, dem Weißbuch noch weitere Aspekte hinzuzufügen. Vor allem müsse die Entwicklung und Instandhaltung des städtischen und kommunalen Grüns künftig "als öffentliche Pflichtaufgabe" gekennzeichnet und finanziell ausreichend ausgestattet werden. Erst wenn sie verwaltungsrechtlich Teil der sogenannten Daseinsvorsorge geworden sei, könnte die grüne Infrastruktur gleichbedeutend neben den anderen Infrastrukturen unserer Gesellschaft stehen.

Eine klimagerechte Stadtentwicklung muss stärker auf Gehölze und Bäume bauen, sagt Forster. "Grün hat gegenüber technischen Lösungen oft noch das Nachsehen." Foto: BdB

Das Handlungsfeld 1 sollte um einen Absatz zu Gartenschauen erweitert werden. Sie gehörten in das Konzept einer grünen Stadt und seien "ein wesentliches Element der zukunftsweisenden Stadtentwicklung". Daher sollten sie auch vom Bund gefördert werden. In die Handlungsfelder 2 und 3 gehöre unbedingt auch der Aspekt einer klimaangepassten Vegetation. Eine klimagerechte Stadtentwicklung müsse stärker auf die Wohlfahrtswirkungen von Gehölzen und Bäumen bauen. "Grün hat gegenüber technischen Lösungen oft noch das Nachsehen", kritisierte Forster. Der BGL-Präsident forderte zugleich die Innenraumbegrünung im Handlungsfeld 5 zu verankern. Im Handlungsfeld 8 müsse die Forschung rund um den Nutzen öffentlichen Grüns stärker ins Visier genommen werden. Die wissenschaftliche Arbeit zum Grün sollte ausgebaut und interdisziplinär verstärkt werden. Für Forster werden dringend Antworten auf folgende Fragen gebraucht: "Wie sieht eine klimawandelgerechte Bepflanzung und Instandhaltung aus, wie eine innovative Regenwasserrückhaltung, wie absorbieren welche Pflanzen Feinstaub, welche Vegetation kommt mit Starkregenereignissen und Hitzeperioden zurecht, wie können grüne, blaue und graue Infrastruktur zusammen spielen?"

Gebraucht wird nach Forsters Auffassung im Weißbuch auch ein klares Wort zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und chemisch-synthetischen Düngern. Einen Verzicht darauf lehne der BGL ab. "Um die Verkehrssicherheit und Vitalität der Vegetation sicherzustellen, sind die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes aber auch eine bedarfsgerechte Düngung erforderlich", so der BGL-Präsident.

Fachkräftesicherung wird weiter verstärkt

Ausdrücklich lobte Forster die Zusammenarbeit der grünen Verbände bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Position zum Weißbuch. Es sei gelungen, alle zu motivieren, an einem Strang zu ziehen. Im Vordergrund der Arbeit hätten nicht Partikularinteressen Einzelner gestanden, sondern das gemeinsame Ziel, mehr Gün in die Städte zu bringen. Forster kündigte zugleich an, die Bemühungen des Bundesverbandes um eine Sicherung von Fachkräften für den GaLaBau in diesem Jahr weiter zu verstärken.

Den Nachwuchs im Visier: Eine neue Werbekampagne soll an die veränderte Welt der Jugendlichen anknüpfen, sagt Forster. Foto: Moritz Lösch/Neue Landschaft

Gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) sei geplant, das AuGaLa-Pilotprojekt "Fit in die Ausbildung" starten. Dabei handele es sich "um ein gelenktes betriebliches Langzeitpraktikum von zehn bis zwölf Monaten". Es habe das Ziel, leistungsschwache Jugendliche auf eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau vorzubereiten. "Natürlich widmen wir uns auch der Digitalisierung der Ausbildungs- und Lernmedien", sagte Forster. Das Online-Berichtsheft sei nur ein Anfang gewesen. "Wir planen auch eine E-learning Plattform für Auszubildende."

Neue Nachwuchs-Werbekampagne am Start

In den Startlöchern steht eine neue Nachwuchs-Werbekampagne. Fünf neue Hauptmotive sollen Jugendliche auf den Beruf des Landschaftsgärtners aufmerksam machen, so Forster. In Text und Bild wird sie an die veränderte Welt der Jugendlichen anknüpfen. Der BGL-Präsident ist optimistisch, dass es gelingt auch Flüchtlinge für den GaLaBau zu gewinnen. "Wir reden hier über ein Potential von bundesweit 300 000 Arbeitskräften bis Ende 2016 und von 600 000 bis Ende 2017."Sprachprobleme könnten nicht nur durch Sprachkurse, sondern auch durch "learning by doing" überbrückt werden. Auch die älteren Mitarbeiter nimmt der BGL ins Visier. "Zurzeit arbeiten wir an Modellen, wie eine längere Beschäftigung von Arbeitnehmern über 50 Jahren in adäquaten Tätigkeitsfeldern gewährleistet werden kann", sagte Forster. Mit der IG BAU sei eine berufsständische Qualifizierungsstruktur im Bereich der Weiterbildung in Arbeit. Dabei soll es auch um die Weiterbildung älterer Mitarbeiter gehen, damit Berufserfahrung und umfangreiches Fachwissen nicht verloren gehen. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 01/2017 .

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