Neue Initiative des Bundesfamilienministeriums

Fortschrittsindex: Familienfreundlichkeit der Betriebe wird messbar

Eltern sind für den Arbeitsmarkt ein unverzichtbares Potenzial. Foto: erysipel, Pixelio.de

"Familienfreundlichkeit soll zum Markenzeichen der deutschen Wirtschaft werden", fordert die Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey. Foto: SPD Berlin, Joachim Gern

Wie kann eine familienfreundliche Unternehmenskultur im betrieblichen Alltag aussehen und gelebt werden? Das war eine der zentralen Fragen beim jährlichen Unternehmenstag des Netzwerkes "Erfolgsfaktor Familie" im November in Berlin. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer diskutierten dazu mit rund 300 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Als erstes Instrument zur verbindlichen Messung von Familienfreundlichkeit wurde der "Fortschrittsindex Vereinbarkeit" vorgestellt.

Familienfreundlichkeit: Ein Muss für alle Unternehmen

Die Zahl der Unternehmen, die ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützten, habe in den vergangenen Jahren zugenommen, erklärte Giffey. "Familienorientierung in der Wirtschaft ist längst nicht mehr nur eine nette Geste, sondern Standortfaktor und Notwendigkeit, um Fachkräfte zu gewinnen, zu halten und dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein", so die Ministerin weiter. Auch wenn immer mehr Unternehmen auf eine familienorientierte Unternehmenskultur setzen, klafft oft eine Lücke zwischen der Selbstwahrnehmung der Arbeitgeber und der Wahrnehmung der Beschäftigten. Das spiegelt eine aktuelle, repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums wider: Knapp 80 Prozent der Befragten schätzen eine familienfreundliche Unternehmenskultur für die Arbeitgeberattraktivität als wichtig oder sehr wichtig ein. 56 Prozent der Beschäftigten mit Kindern im Haushalt achten bereits heute auf eine familienfreundliche Unternehmenskultur bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Aber nur ein Drittel (knapp 36 %) der Befragten ist bereits zufrieden mit der Familienfreundlichkeit des eigenen Arbeitgebers. Dabei wird es dringend notwendig neue Wege zu gehen. Die Präsenzkultur sei schon lange überholt, erklärte Schweizer. Der Arbeitsalltag müsse individuell gestaltbar werden. Zudem rate er allen Unternehmen dringend sich darauf einzustellen, dass es nicht nur schwierig werde neue Arbeitskräfte zu finden, sondern es sei Grundvoraussetzung die bestehenden Mitarbeiter zu behalten. Vertrauen und Gestaltungsspielraum seien prägend in der Arbeitswelt der Zukunft, so Schweizer weiter. "Früher haben wir uns um Aufträge gesorgt, heute sorgen wir uns darum, ob wir überhaupt genug Leute für unsere Aufträge haben." Aber mit kreativen Ideen und direktem Dialog mit den Belegschaften können sich gerade kleine und mittelständische Arbeitgeber attraktiv aufstellen, erklärte der DIHK-Präsident.

Siegel schafft Transparenz und Überprüfungsmöglichkeit

Auch die grüne Branche beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken aber auch um viele Familienunternehmen sicher in die nächste Generation zu überführen. Der Wandel in den Familien hat längst auch die Arbeitswelt verändert. Arbeitnehmer benötigen Zeit um Angehörige zu pflegen, um Kinder zu betreuen oder auch um ganz individuellen Bedürfnissen, beispielsweise Weiterbildung, Umschulung, Regeneration nach Krankheit oder Vereinsarbeit, nachzugehen. Hier sind Vertrauen und der Mut zur Vielfalt und gute Kommunikation gefordert. Mit der Broschüre "Flexibel Arbeitszeiten - Vereinbarkeit Familie und Beruf im GaLaBau" gibt der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) Impulse und Anleitungen zur Einführung einer familienfreundlichen und flexiblen Unternehmenskultur und zeigt Beispielunternehmen, die bereits Erfolge vorzuweisen haben. Denn es ist wissenschaftlich belegt, dass familienfreundliche Unternehmen effektiver und produktiver sind. Daher fordert die Bundesfamilienministerin: "Familienfreundlichkeit soll zum Markenzeichen der deutschen Wirtschaft werden". Um das zu erreichen, geht das Bundesministerium mit dem "Fortschrittsindex Vereinbarkeit" gezielt nun noch einen Schritt weiter und fordert zur Transparenz auf. Der Index soll Unternehmen dabei unterstützten, eine familienorientierte Unternehmenskultur mit Leitlinien und Kennzahlen weiterzuentwickeln und durch ein Siegel sichtbar zu machen. Der Fortschrittsindex wird jedem Unternehmen offenstehen, die Daten zur Messung der Familienfreundlichkeit werden mit wenig Aufwand erhoben. In die Messung fließen beispielsweise Faktoren wie Väter in Elternzeit, die Rückkehr von Müttern in den Job, mobiles und flexibles Arbeiten oder Führung in Teilzeit. Arbeitgeber können ihren Kurs Jahr für Jahr prüfen, steuern und vergleichen. Ein Siegel zum Fortschrittsindex Vereinbarkeit wird dann auf die familienorientierte Unternehmenskultur hinweisen und steigert so die Arbeitgeberattraktivität nach außen.

ILa

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2018 .

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