Forschungsergebnisse der Branitzer Baumuniversität

Fremdländische Gehölze sind besser für künftiges Klima gerüstet

Das Leben der Charakterbäume im Park soll mit pflegenden Maßnahmen wie der Tiefenbelüftung und Tiefendüngung verlängert werden. Foto: SFPM, Christiane Schleifenbaum

Heimische oder fremdländische Baumarten: worin liegt die Zukunft der Gartendenkmäler? An der Branitzer Baumuniversität wird dazu seit mehreren Jahren geforscht. Der stellvertretende Parkleiter des historischen Fürst-Pückler-Parks in Branitz, Christoph Haase, präsentierte im September die ersten Forschungsergebnisse. Er erläuterte wie klimaangepasste Gehölze verwendet und vermehrt werden können. Rund 20 Mitglieder der Pückler-Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil und diskutierten anschließend zu den Forschungsergebnissen.

Zwei Zukunftsstrategien zur Klimaresilienz

"Ziel unserer Forschung ist es zum einen, genetisch identische Nachkommen besonderer Bäume und Sorten aus den Beständen im Park zu sichern und aufzuziehen", sagte Haase. Dabei ginge es vor allem um die Nachzucht bedeutender Altbäume wie der Blutbuche Fagus sylvatica 'Atropunicea' vor dem Schloss Branitz, die über Jahrhunderte gelernt haben, mit den Gegebenheiten umzugehen. Um die Gehölze zu vermehren, werden altbewährte Methoden wie die Veredelung, die Vermehrung durch Wurzelausläufer und die Aufzucht im Labor angewendet. Zudem setze man im Park auf die Naturverjüngung, so der stellvertretende Parkleiter. Dafür werden einerseits die Samen des Altbaumes aufgesammelt, um daraus Sämlinge in der Baumuniversität zu ziehen. Andererseits fördere die Parkleitung eine Aussamung vor Ort, sodass die Sämlinge am Standort des Altbaums heranwachsen können.

"Der Klimawandel zwingt uns in der Forschung noch einen Schritt weiterzugehen", betonte Haase. In einem zweiten Forschungsansatz würden fremdländische Arten und Sorten erforscht, die bessere Voraussetzungen für das künftige Klima besäßen als die Hauptbestände aus Stieleichen und Rotbuchen. "Für die Steileiche Quercus robur gibt es einige Alternativen, die das Bild des Gartendenkmals konservieren können", eräuterte Haase. Die Zerr-Eiche Quercus cerris und besonders Quercus x libanerris seien trockenheitsresistenter und von der einheimischen Eiche kaum zu unterscheiden. "Bei der Buche gibt es im Grunde nur eine einzige Alternative - die Orient-Buche Fagus orientalis", so Haase. Klimagehölzen aus dem asiatischen Raum würde man ein hohes Zukunftspotenzial zutrauen. "Wir brauchen ausgebildete Baumschulgärtner, die Erfahrungen mit alternativen Gehölzen haben", appellierte er. Doch es würden keine Baumschulgärtner mit dem Wissen nachkommen.

An der Branitzer Baumuniversität wird seit mehreren Jahren an klimaresilienten Bäumen geforscht. Inzwischen geht es besonders um gebietsfremde Arten und Sorten. Foto: SFPM

Charakterbäume nicht mehr zu retten

"Wir müssen Zeit gewinnen - mit pflegenden Maßnahmen wie der Tiefenbelüftung und Tiefendüngung können wir das Ableben unserer Charakterbäume verlängern", erklärte Haase. Herkömmliche Baumschulen hätten nicht das Sortiment, um einen Großbaum des Parks eins zu eins zu ersetzen. Dafür werden die Altbäume in Dürreperioden zusätzlich bewässert. Dies ginge aber nur, solange die Spree weiter Wasser führe und der Grundwasserspiegel nicht noch weiter absinke. "In diesem Jahr hatte ich erstmals gesehen, dass sogar Ulmen und Robinien Probleme mit der Trockenheit hatten", erklärte Haase. Darüber sei er selbst erstaunt, da die beiden Gehölze trockenheitsresistenter seien als Rotbuche und Eiche.

"Die Klimaschäden an den Altbäumen nehmen zunehmend dramatische Ausmaße an", betonte Haase. Seit 2018 würden die Niederschläge in allen vier Jahreszeiten deutlich abnehmen. "Charakterbäume sind nicht nur von historischer Bedeutung, sie verleihen dem Park eine einzigartige Ästhetik", so Haase weiter. Die Altbäume im Branitzer Park litten vor allem unter Trockenstress, der den Austrieb stoppe. Hinzu würden holzzerstörende Pilze und Insekten zu immer mehr Kronenastbrüchen führen, sodass das Bild des Gartendenkmals beeinträchtigt werde und die Verkehrssicherheit schwieriger herzustellen sei, beleuchtete er. "Für die Pflege der Bäume benötigen wir immer mehr Personal und Technik, wodurch die Kosten zur Unterhaltung des Gartendenkmals immens in die Höhe schießen", so Haase.

Gebietsfremde Gehölze mit Sondergenehmigung

"Fremdländische Arten würden den Charakter der Gartendenkmäler zerstören - dieses Argument habe ich auch schon gehört", erklärte Haase. Konservative Stimmen in der Gartendenkmalpflege würden meinen, man müsse sich eingestehen, dass die Gartendenkmäler nicht weiter zu pflegen seien, bevor man gebietsfremde Gehölze in die Parkanlagen hole. Ein erstes Projekt entsteht diesen Herbst 2022 im Norden des Parks. Dabei wird der ausgedünnte Baumbestand der Pückler-Allee mit Sämlingen aus robusteren Arten aufgestockt, um das Biotop zu erhalten. Die Baumuniversität holte dafür eine Sondergenehmigung des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein.

Die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau gegründete Branitzer Baumuniversität wurde 2011 wiederbelebt, um ein Zentrum für die Vermehrung historisch bedeutender Pflanzen in den Gartendenkmälern zu schaffen. Zudem wollte man in der Branitzer Baumuniversität untersuchen, wie die Vegetation der historischen Gärten und Parkanlagen auf veränderte Witterungsbedingungen und gestiegene Schädlingsbefälle reagiere. Neben den typischen Parkgehölzen werden in Branitz auch Blühsträucher und die historischen Weinreben des Parks auf den Versuchsflächen der Baumuniversität nachgezogen. Im Rahmen des Sonderprogramms "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel" fördert der Bund die Branitzer Baumuniversität mit fünf Millionen Euro.

Danilo Ballhorn

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2022 .

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