Bundeskunsthalle Bonn eröffnet Schau zum Rivalen Peter Joseph Lennés

Fürst-Pückler-Ausstellung baut Gartenreich auf das Museumsdach

Die Darstellung eines Pücklerschen Pleasure Ground ist Teil der Ausstellung mit 250 Exponaten aus rund 30 namhaften Museen und Stiftungen. Foto: Stiftung "Fürst-Pückler-Park Bad Muskau"

Ein genialer Gartenkünstler wird wiederentdeckt: Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871), eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine nach englischem Vorbild angelegten Landschaftsparks in Bad Muskau/Leknica (Unesco Weltkulturerbe), Babelsberg und Branitz zählen zu den Höhepunkten europäischer Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert. Diesen drei bedeutendsten Gartenanlagen des Fürsten und den damit verbundenen innovativen Ideen widmet die Bundeskunsthalle Bonn vom 14. Mai bis 18. September 2016 die Ausstellung "Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler".

250 Exponate aus 30 namhaften Museen

Pückler begriff den Garten, wie er es selbst formulierte, als eine "begehbare Bildergalerie", in der alle paar Schritte eine zum Kunstwerk idealisierte Natur immer wieder Überraschendes bot. Nach dieser Überzeugung gestaltete er ganze Landschaftsräume in höchster Perfektion neu - mit ausgeklügelten Wasser- und Wegesystemen, mit Blickachsen und Aussichtspunkten. Er leitete Flüsse um, ließ Bäume mit eigens entwickelten Maschinen versetzen, schüttete Hügel auf oder setzte lebende Personen als Dekoration in seine Gärten. Ideell und praktisch wurde er unterstützt von seiner Ehefrau Lucie. Beide teilten die Leidenschaft für die Gartenkunst, die sie teilweise bis an den Rand des finanziellen Ruins trieb. Ausgedehnte Reisen, unter anderem nach England und in den Orient, dienten ihm nicht nur als Inspiration für seine eigene Lebensinszenierung, sondern machten ihn auch zum Mittler zwischen den Kulturen. Der gartenbegeisterte Pückler brachte Ideen und Pflanzen mit und prägte durch seine Reiseerzählungen auch das deutsche Orientbild.

Die korrespondierende Ausstellung versammelt rund 250 Exponate aus rund 30 namhaften Museen und Stiftungen, darunter die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, die Stiftung "Fürst-Pückler-Park Bad Muskau" und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu sehen sind bedeutenden Zeugnisse der Pücklerschen Gartenkunst, etwa Originalpläne seiner Gärten, historische Fotografien und Veduten sowie Exponate aus dem bewegten Leben des Fürsten. Die Erstausgabe von Pücklers Werk "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" ist ebenfalls ausgestellt. Das Buch dokumentiert eindrucksvoll die Kreativität und den Einfallsreichtum des Gartenkünstlers, wenn er unter anderem in einfachen Zeichnungen einen idealen See, einen perfekten Flussverlauf oder eine Wegeführung entwirft und daneben das Negativbeispiel aufzeigt. Zudem thematisiert die Schau die Auseinandersetzung Pücklers mit seinem Rivalen, dem Gartenkünstler Peter Joseph Lenné.

Pückler leitete Flüsse um, ließ Bäume mit Maschinen versetzen, schüttete Hügel auf, setzte lebende Personen als Deko ein. Foto: Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Nachbildung des Muskauer Rosary auf dem Dach

Als Höhepunkt im doppelten Sinn und als Hommage an den Fürsten wird ein begehbares Gartenreich auf dem Dach der Bundeskunsthalle angelegt: In der eigens nach den Pücklerschen Gestaltungsprinzipien inszenierten Gartenlandschaft erwartet die Besucher ein besonderes Gartenerlebnis - sie können inmitten von kunstvoll angelegten Baumgruppen, darunter Blutbuchen, Eichen, Espen und Robinien flanieren und sich in der ersten Blühperiode an einem Blumenmeer aus 42 000 Frühblühern, wie verschiedene Tulpensorten und Narzissen erfreuen. Für das temporäre Gartenreich wird ebenfalls ein Wasserbassin nach den Vorbildern des Fürsten geformt und typische wie originelle Elemente aus den Parks integriert. Eine Nachbildung des Muskauer Rosary im "Pleasureground", einem gartenkünstlerisch besonders fein gestalteten Gartenabschnitt im Übergang zwischen Haus und Park, wird ebenso zu finden sein wie eine Rosenlaube mit der Büste der weltberühmten Sopranistin Henriette Sontag oder die von glasierten Ziegeln umrandeten "Törtchenbeete", die die Pücklerschen Gärten schmücken.

Die Pückler-Ausstellung an der Friedrich-Ebert-Allee in Bonn ist weithin erkennbar an einer historischen Baumpflanzmaschine direkt vor dem Eingang. Sie hat täglich außer montags ab 10 Uhr geöffnet. Dienstag bis Mittwoch wird sie um 21 Uhr geschlossen, Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen bereits um 19 Uhr. Der Eintritt für die Ausstellung und den Dachgarten beträgt 15 Euro inklusive eines Audioguides. Der ermäßigte Preis für Kinder beträgt 10 Euro. Ohne die Besichtigung des Dachgartens kostet die Ausstellung 12 Euro für Erwachsene und 8 Euro für Kinder. cm/Bundeskunsthalle

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 05/2016 .

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