Die Leiterin der Königlichen Gartenakademie betritt Neuland

Gabriella Pape plant ihr erstes öffentliches Parkprojekt

Die Pläne Gabriella Papes für den Hochmeisterplatz in Berlin-Halensee lehnen sich an den Gartenarchitekten Erwin Barth an. Grafik: Gabriella Pape, KGA

Die Garten-Designerin Gabriella Pape ist mit spektakulären Privatgärten bekannt geworden. 2007 gewann sie die Silver Gilt Medal der Chelsea Flower Show. In ihrer Königlichen Gartenakademie lassen GaLaBau-Unternehmen ihre Mitarbeiter in Pflanzenverwendung schulen. Nun hat sie ihren ersten öffentliche Grünfläche entworfen. Er soll am Hochmeisterplatz in Berlin-Halensee entstehen.

Der Platz ist in die Jahre gekommen. Am Ende des Sommers lassen die Gehölze mangels Bewässerung ihre Blätter hängen, dazwischen liegt Unrat. Das Namensschild des Platzes wurde von Sprayern bearbeitet und ist seit langem nicht mehr lesbar. Der Pflanzstreifen zwischen Hauptweg und großer Liegewiese beherbergt unvollständige Heckenreste und lose Solitärsträucher. Den Nordteil des Platzes prägen dunkle, zugewucherte Ecken. Die Anwohner zeigen wenig Wertschätzung, benutzen den Hochmeisterplatz als Hundeauslauf.

Mit dem öffentlichen Projekt betritt Pape Neuland. Doch die Aufgabe rührt an ihr soziales Gewissen. Foto: Königliche Gartenakademie

Lose Solitärsträucher und Hundeauslauf

1930 war die Grünfläche auf dem Platz eröffnet worden. Entworfen hatte sie Erwin Barth, damals Direktor des Instituts für Gartengestaltung an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, und früherer Gartendirektor Groß-Berlins. Die Schaffung grüner Stadträume für die Arbeiterschaft war sein großes Anliegen. Sein Markenzeichen: leuchtende, gemischte Schmuckbeete und Kletterrosen an Pergolen. "Wenn irgendwo eine reiche Ausstattung der Plätze mit verschwenderischer Blumenfülle, mit Brunnen und dergleichen angebracht ist, so ist es da, wo Leute wohnen", schrieb er bereits 1913. In Berlin sind viele seiner Plätze wiederhergestellt worden, nur der Hochmeisterplatz noch nicht, vielleicht weil die historischen Pläne nicht mehr existieren.

Schmuckanlage im Sinne Erwin Barths

Das will Gabriella Pape nun ändern. Den Auftrag des Projektentwicklers Bauwert AG, der unmittelbar am Hochmeisterplatz ein nobles Apartmenthaus auf sieben Geschossen errichtet, nahm sie gerne an. Mit dem öffentlichen Projekt betritt die Garten-Designerin Neuland. Bisher hatte sie sich auf Privatgärten konzentriert. Doch die Aufgabe rührt an Papes soziales Gewissen. In ihrer Heimatstadt Hamburg sind Parkanlagen auch aus "Gärten des kleinen Mannes" bekannt.

Zur Verfügung stehen ihr jetzt rund 500 000 Euro. Mit dem Geld soll im nördlichen Bereich eine Schmuckanlage im Sinne Erwin Barths mit Pergola, Halbrundbank, Rosen, Beetstauden und hochwertigen, attraktiven Sträuchern gebaut werden. Geplant sind neue Wege, die die bisher dunklen Ecken gut einsehbar machen.

Hinzu kommen eine Bewässerungsanlage und eine 2,20 m hohe Brunnenskulptur der in Berlin geborenen Surrealistin Meret Oppenheim.

Ein Bauentwickler trägt die Kosten

Nach den Plänen Papes sollen ausstrahlend auf den mittleren Parkbereich, rund um die große Liegewiese, reichblühende und strukturstarke Stauden- und Gräserpflanzungen entstehen. Je nach Sonneneinstrahlung sollen das ganz unterschiedliche Pflanzungen sein. Die historischen Pflanzungen Barths werden dabei modern interpretiert und nach dem Prinzip der Standortgerechtigkeit, ihrem Konkurrenzverhalten und ihrer Dynamik geplant. Die Attraktivität über die gesamte Pflanzperiode soll möglichst hoch, der Pflegeaufwand dagegen möglichst gering gehalten werden.

Der Platz ist in die Jahre gekommen. Die Liegewiese ist ein Hundeauslauf, das Namensschild ist verschmiert, die Ecken sind zugewuchert und dunkel. Foto: Neue Landschaft

... das Namensschild ist verschmiert, die Ecken sind zugewuchert und dunkel. Foto: Neue Landschaft

Auf dieser Fläche soll eine Schmuckanlage im Sinne Erwin Barths entstehen. Die Pflege sollen die Eigentümergemeinschaft des Apartmenthaus-Neubaus zahlen. Foto: Neue Landschaft

Der Bauentwickler Bauwert AG ist bereit, die Kosten der Umgestaltung des Hofmeisterplatzes und eine dreijährige Pflegezeit während der Anwuchsphase in Höhe von etwa 500 000 Euro zu tragen. Anschließend soll vertraglich festgelegt werden, dass die zukünftige Eigentümergemeinschaft die Kosten der Pflege dauerhaft trägt. Entsprechende Regelungen sollen in das Grundbuch eingetragen werden. Geeignete Fachfirmen sollen die Pflegearbeiten in der notwendigen Häufigkeit übernehmen und gemäß den Pflegehinweisen und der Kontrolle eines Fachplanungsbüros ausführen. Die allgemeinen bisherigen Grundkosten und die Verkehrssicherungspflicht sollen in der Verantwortung des Grünflächenamtes verbleiben. Für den Fall, dass ein Rückbau notwendig würde, hat sich die Bauwert bereit erklärt, auch dafür die Kosten zu übernehmen.

Streit um geplante Baumfällungen

Die Planungen Papes haben im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht nur Freunde gefunden. Berlin wäre nicht Berlin, wenn es um das Projekt nicht auch Streit geben würde. Der Leiter des Grünflächenamtes, Walter Schläger, bezeichnete das Vorhaben gegenüber der "Berliner Morgenpost" zwar als "freundliches Geschenk". Der Hochmeisterplatz sei tatsächlich weit entfernt von einer hochwertigen Grünanlage. Doch dürften nicht, wie von Pape in vier Fällen geplant, Bäume gefällt werden. "Der Baumbestand ist erst einmal heilig", sagte Schläger der "Morgenpost", "und muss gewertschätzt werden."

Ähnlich äußerten sich Mitglieder verschiedener Parteien im Umweltausschuss des Bezirksparlaments. Die Grünen-Verordnete Sibylle Centgraf will alle Bäume erhalten. und auch den CDU-Verordneten Hans-Joachim Fenske würde ein Fällen von vier Bäumen stören. "Ich denke, das wird nur gemacht, damit die Leute, die die teuren Wohnungen gekauft haben, einen schönen Blick auf den Park bekommen", sagte er der "Morgenpost".

Gabriella Pape ist von diesen Reaktionen einigermaßen frustriert. Sie wollte nur drei Bäume fällen, die auf geplanten Wegen stehen. Einen weiteren Baum am Hauptweg des Hochmeisterplatzes, eine Birke, habe sie lediglich zur Fällung empfohlen, weil er wegen starker Schädigung ohnehin bald nicht mehr verkehrssicher sei. Nun will sie die endgültige Entscheidung des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf abwarten. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2019 .

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