Nach neun Jahren Erprobung steht es fest

Gabriella Papes 1 Euro pro Quadratmeter Design-Konzept stärkt die grüne Branche

Der Kern der Vorbereitung ist das "Story Board", ein DIN A1 großer Bogen voller Bilder von Gärten, Pflanzen und Einbauten, die dem Kunden gefallen. Foto: Neue Landschaft

Als Gabriella Pape 2008 damit begann, Gartendesign für einen Euro pro Quadratmeter anzubieten, haben viele gelacht. Das könne doch nicht gut gehen, hieß es damals. Inzwischen haben sich etwa 2500 Kunden einen Garten nach ihren Regeln planen lassen, allein rund 300 in diesem Jahr. Das 1 Euro pro Quadratmeter Design-Projekt hat sich zu einem regelrechten Profit Center an der Königlichen Gartenakademie in Berlin ausgewachsen. Und im GaLaBau wird es bereits adaptiert.

Unser Konzept ist grandios aufgegangen", sagt Pape, die 2007 mit ihrer Partnerin Isabelle Van Groeningen auf der Chelsea Flower Show die Silver Gilt Medal gewonnen hatte. Ihre Kunden seien ganz begeistert wie aus einem in die Jahre gekommenen Grundstück ein toller Garten werde. "Es kommen vor allem 30- bis 45-Jährige, darunter viele Familien, die gerade ein Einfamilienhaus bezogen haben." Um alle Gestaltungswünsche erfüllen zu können, beschäftigt Pape inzwischen drei Landschaftsarchitekten, die im Design-Studio der Gartenakademie nach ihren Vorstellungen Entwürfe zeichnen.

Zielgruppe: 30- bis 45-Jährige

"Bis heute ist es noch nicht vorgekommen, dass die Gestaltung einem Kunden missfallen hätte", freut sich die aus Hamburg gebürtige Garten-Designerin. Das liegt an ihrer umfangreichen Vorbereitung der Aufträge. Zunächst gibt es ein Vorgespräch am Telefon, in dem dem Kunden erklärt wird, was alles gebraucht wird. Dazu gehört ein Grundriss nach eigenem Aufmaß, der zeigt, was bereits im Garten vorhanden ist, wie Gebäude, Bäume, Gänge, Wege und Beete. Verlangt werden auch ausgedruckte Panoramabilder mit Blick aus dem Haus in den Garten und vom Gartentor zum Haus. Der Kern der Vorbereitung aber ist das "Story Board", ein DIN A1 großer Bogen oder ein Aktenordner voller Bilder von Gärten, Pflanzen und Einbauten, die dem Kunden gefallen und die sie gerne daheim sehen möchten.

"Unser Konzept ist grandios aufgegangen", sagt Pape, die 2007 mit ihrer Partnerin Isabelle Van Groeningen auf der Chelsea Flower Show die Silver Gilt Medal gewonnen hatte. Foto: Königliche Gartenakademie

Teure Vor-Ort-Besuche eingespart

Bei der Abgabe der Planungsunterlagen kommt es zum ersten Treffen mit dem Kunden und dem Garten-Designer am großen Tisch in der Garten Akademie. In 30 bis 45 Minuten stellt der seinen Garten vor, so wie er ihn benutzt, wie er ihn empfindet, was ihn stört und vielleicht sagt er schon, was er gerne ändern würde. Anschließend wird ein Fragebogen ausgefüllt, in dem gefragt wird, ob er gerne gärtnert oder lieber weniger, wer dort wohnt und ob ein Hund vorhanden ist. Abgefragt wird auch eine Liste von Dingen, die er unbedingt haben will wie Carport, Spielgeräte, Schuppen oder Garage. Dabei wertet der Designer nicht, sondern hört vor allem zu, hinterfragt nur zum Verständnis. Danach ist eine Anzahlung von 50 Prozent der Auftragssumme fällig, eben ein Euro pro Quadratmeter des gesamten Grundstücks, mindestens jedoch 650 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Eingespart wird der sonst übliche Vor-Ort-Besuch. Nach Auffassung Papes ist er fast immer überflüssig, es sei denn, es handelt sich um ein sehr hügeliges oder sehr großes Grundstück ab 2000 Quadratmetern. "Dann kann man auch einmal hinfahren", sagt sie. Eingespart wird auch das Aufmaß mit immerhin 500 bis 1000 Euro Kosten. Das übernehmen die Kunden nach einem Leitfaden in Eigenarbeit und, so die Garten-Designerin, sie machen es gerne, vor allem, wenn es sich um junge Leute handelt.

Bei einem persönlichen Termin bekommt der Kunde einen farbigen Masterplan und eine Farbskizze. Es gibt Ratschläge für Sträucher, Bäume und Hecken. Foto: Neue Landschaft

Fast immer Anschluss-Aufträge

Üblicherweise ist der Gartenentwurf zwei Wochen später fertig. Während eines weiteren dreivierteilstündigen Termins bekommt der Kunde einen farbigen Masterplan und eine Farbskizze. Es gibt Ratschläge für Sträucher, Bäume und Hecken. In eine Schwarz-weiß-Kopie werden präzise die Gesprächsergebnisse eingetragen: zum Beispiel "Eibe, 1,5m" oder "Rotbuche, ggf. 1,20m". Dabei geht es systematisch vom Eingang bis zum Komposthaufen. Pflanzpläne sind nicht obligatorisch, sondern müssen extra bezahlt werden. Am besten, sagt Pape, wird das Gespräch stehend, am großen Tisch geführt. Das hilft bei der Konzentration und sorgt für Effizienz beim Ablauf. 99 Prozent der Kunden sind danach begeistert und fahren sehr zuversichtlich zurück zu Haus und Garten. Die Pläne setzen sie dann auf ihre eigene Weise um.

Fast immer werden im Anschluss noch Pflanzpläne oder Pergola-Details beauftragt und nach Aufwand abgerechnet. Das könne dann durchaus hochpreisiger werden als der Masterplan selbst, erläutert die Garten-Designerin. Doch das Vertrauen sei hergestellt und die Kunden fühlten sich in guten Händen. Vor allem zu jungen Kunden könnten sich dann Geschäftsbeziehungen anbahnen, die mehrere Jahrzehnte halten. So habe sich das 1 Euro pro Quadratmeter Design-Projekt zu einem starken Instrument der Kundengewinnung und -Bindung entwickelt. Es habe den Gartenbesitzern die Schwellenangst genommen und einen Markt geöffnet, den es vorher so gar nicht gab. Auf ihm bewegten sich längst nicht nur preisbewusste Kunden, sondern auch sehr hochkarätige.

Auf einem Regal in der Königlichen Gartenakademie lagern Muster für Wegebeläge: Splitt in Plastikdosen, Natursteine und Ziegel. Foto: Neue Landschaft

GaLaBau adaptiert das Konzept

Mittlerweile haben bundesweit verschiedene GaLaBau-Betriebe das 1 Euro pro Quadratmeter Design-Konzept für ihr Unternehmen adaptiert. In Baden-Württemberg wird es genauso angewandt wie in Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Nicht wenige der Betriebe hatten in den Jahren 2010 bis 2012 Mitarbeiter in Papes Seminare an der Königlichen Gartenakademie in Berlin entsandt.

Der Garten-Designerin ist sogar ein junger Landschaftsarchitekt bekannt, der das Konzept übernommen hat und in Norddeutschland mit Werbezetteln an Windschutzscheiben für seine Idee wirbt. Pape ist das nur recht, denn "Design soll zugänglicher werden und jeder Hausbesitzer soll es sich leisten können".
cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2017 .

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