VGL Baden-Württemberg

GaLaBau-Webinare für gutes Pandemie-Management

Heinz Schneider von der WCG Consulting sprach über die Liquidität eines Unternehmens. Für ihn ist sie wichtiger als der Ertrag. Fotos: Petra Reidel

Drei Webinar Ende April machten die Mitgliedsbetriebe des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus (VGL) Baden-Württemberg fit für das, was durch die Coronakrise auf die Branche zukommt. Die wichtigen Themen Liquidität, Finanzierungsmaßnahmen und Akquise waren Inhalte dieses schnellen Wissensangebots des VGL. Die referierenden Unternehmensberater hatten die Inhalte jeweils fachlich auf die derzeitige Situation zu einstündigen Webinaren abgestimmt. Unternehmer aus dem VGL ergänzten mit wertvollen Praxistipps. Für Interessierte gibt es die Videomitschnitte auf dem VGL-YouTube-Kanal.
Die Vorträge finden sich im PDF-Format zum Download auf der Webseite unter: www.galabau-bw.de/webinare_2020.aspx

Liquidität steht vor Ertrag

Das Thema Liquidität war Mittelpunkt des ersten Webinars mit Berater Heinz Schneider von der WCG Consulting GmbH in Reutlingen und VGL-Vorstand Philipp Erhardt. „Ertrag ist wichtig, Liquidität ist wichtiger, und zwar immer“, erklärte Schneider eindrücklich, auch wenn die Verlockung noch so groß sei. Seinen Verbindlichkeiten jederzeit fristgerecht und uneingeschränkt nachkommen zu können, ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Ist dieser Zustand nicht mehr gegeben, kann es sehr schnell zur Insolvenz kommen. Wer seine Verbindlichkeiten immer zu spät begleicht, erhält bei Lieferanten schlechtere oder gar keine Boni und bei Banken ein miserables Rating. Ziel des Unternehmers sollte deshalb eine Liquiditätsvorschau sein. Sie zeigt, wann welche Verbindlichkeiten anstehen und lässt eine Unterdeckung frühzeitig erkennen, was wichtige Handlungsspielräume schafft.

„Aufgrund dieser Vorschau lässt sich dann ein Finanz- und Investitionsplan erarbeiten“, so Schneider. Zur internen Liquiditätsverbesserung gehören beispielsweise ein aktives Forderungsmanagement, das bereits in der Angebotsphase beginnt, tägliche Abrechnungen von Klein- und Pflegeaufträgen und persönliche Anrufe bei säumigen Kunden. „Schlussrechnungen sollten mit Zeit und Ruhe gestellt werden. Die Grundlage hierfür sind gute Tagesberichte und vor allem eine zeitnahe Schlussrechnung, denn so lässt sich vieles rekapitulieren, da sich der Chef den Bauablauf bei der Prüfung von Leistungen und Lieferscheinen noch detailliert vor Augen führen kann“, ergänzt Erhardt. Auch eine frühe Abschlagszahlung bei noch nicht bekannten Gewerbekunden empfiehlt der Unternehmer, denn diese zeigt sehr schnell die Zahlungsmodalitäten des Auftraggebers.

Akute und vorsorgliche Finanzierungsmaßnahmen

Alexander Tockuss, Unternehmensberater der RWT in Reutlingen, zeigte zusammen mit Alexander Sebestény von der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, wie die Unternehmer aktuell die richtigen Finanzierungsweichen stellen sollten, um ausreichend Liquiditätsspielräume zu schaffen. Dabei wurden die in Frage kommenden Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau und Soforthilfen von Bund und Länder genauso behandelt, wie die Aufgaben und Angebote der Bürgschaftsbank. „Beantragen Sie Tilgungsaussetzungen, erhöhen Sie Ihre Kontokorrentlinie (KK), finanzieren Sie Investitionen, die über die KK-Linie laufen, betriebsgerecht nach, und sorgen Sie für aussagekräftige Unternehmenszahlen sowie die Vorbereitung der Selbstauskunft“, empfiehlt Tockuss als Basismaßnahmen. Auch die Abklärung des eigenen Ratings ist sehr sinnvoll. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie von dem Unternehmensberater im Videomitschnitt.

Die Hausbank ist Ansprechpartner für alle KfW-Kredite und die KfW verzichtet zurzeit sogar auf eine eigene Risikoprüfung. Sie übernimmt die Daten der Hausbank. Der KfW-Unternehmerkredit und der ERP-Gründerkredit helfen bei notwendigen Investitionen und Betriebsmitteln. Die Risikoübernahme durch die KfW beträgt dabei bis zu 90 Prozent. Der KfW-Schnellkredit ist sogar zu 100 Prozent abgesichert durch die Garantie des Bundes. Über das KfW-Portal www.ermoeglicher.de lässt sich ein Online-Kreditantrag stellen. Das Kredit- und Sicherungsportfolio der Bürgschaftsbank ist grundsätzlich sehr interessant für Unternehmen. Auch hier ist die Hausbank erster Ansprechpartner. Den Businessplan erarbeitet man am besten zusammen mit einem Berater. Die Bürgschaftsbank prüft das Vorhaben, eventuell sogar vor Ort, bezieht Verbände und Kammern mit ein und entscheidet über den Bürgschaftsausschuss mit den Rückbürgen Bund und Land über das Vorhaben. Die Bürgschaftsurkunde geht dann an die Hausbank. Im Vergleich zu den Darlehensförderungen von Bund und Land ist die Bürgschaftsbank etwas flexibler. Sie bedient alle kleinen und mittelständischen Unternehmen, es gibt keine Einschränkungen bei der Mitarbeiterzahl und auch die Umsatzentwicklung im Jahr 2019 wird hier flexibler gesehen. Somit lohnte es sich auf jeden Fall, diese Angebote zu prüfen.



Vertriebswege und Marketinginstrumente

Dem Thema Auftragsakquise widmeten sich Unternehmensberater Ansgar Lienert, WCG Consulting GmbH in Reutlingen sowie Garten- und Landschaftsbau-Unternehmer Jochen Thomann aus Bitz. Die Krise als Chance zu sehen, in welcher der Garten für die Menschen eine ganz besondere Bedeutung bekommt, war die große Überschrift dieses Webinars. „Wenn die Kunden jetzt ihre Gärten gerichtet haben, kann es allerdings sein, dass die Zeit der starken Auftragsnachfrage vorüber ist, da das Geld ja bereits ausgegeben wurde. Deshalb brauchen wir neue Kunden, die uns langfristig den Auftragsbestand für 2020 sichern und hierfür sollten wir auch unsere Mitarbeiter mit guten Kundenkontakten einbinden“, appelliert Lienert an die Unternehmer. Der Berater rät zu einer laufenden Aktualisierung der Kundendaten durch einen eigens dafür zuständigen Mitarbeiter. Der VGL hat extra für diese Krisenzeit schöne Akquisemotive mit passenden Sprüchen von einer Werbeagentur entwickeln lassen, die im Mitgliederbereich zum Download stehen.

Als Postkarte, verbunden mit einem persönlichen Gruß, verschickt oder aber als Social Media-Post, Anhang oder Abbinder bei E-Mails verwendet, eine wunderbare Möglichkeit, auf sich und seine Leistungen aufmerksam zu machen. „Die Zielkundenansprache ist am erfolgreichsten, wenn wir sie am konkreten Bedarf orientieren. Was brauchen Ihre Kunden zurzeit am Dringendsten? Vermutlich einen gepflegten blütenreichen Außenraum“, vermutet Lienert. „Zeigen Sie Lösungswege auf, die sich auch mit einem kleinen Budget realisieren lassen, bieten Sie bezahlbare Pflegeleistungen vom Fachmann an, leihen Sie einen Experten aus, seien Sie kreativ und bringen Sie sich so ins Gespräch für ein zukünftiges Mehr an Garten“, empfiehlt der Berater.

„Die Welt verändert sich, aber Ihr Garten bleibt“, dieses Motto haben wir im Team gemeinsam kreiert und verwenden es seit der Krise auf der Homepage, auf Facebook und auch auf Instagram“, verrät Thomann eine seiner Strategien. Als Vorzeigeprojekte in Sachen Objektmarketing entstehen zudem im Moment zwei besondere Gärten: Ein Naturgarten als Rückzugsort für die ganze Familie in traumhafter Lage sowie ein Wellnessgarten mit Pool, Außensauna, Fitnessraum, Kreativraum und ganz viel Grün. „Wir setzen vor allem auf unsere Bestandskunden und erzielen derzeit eine sehr hohe Trefferquote, sogar oftmals ohne Angebot. In Erinnerung bringen wir uns immer wieder durch das Magazin Gartenvisionen mit neuen Themen und Ideen“, ergänzt der Praktiker. Weitere attraktive und flexible Akquise-Ideen finden Sie im Mitschnitt.

Alle drei Berater waren sich in diesen Webinaren in einem Punkt einig: Sie glauben, dass die Krise nicht spurlos an der Branche vorbeizieht, sondern sich vermutlich als „Spätfolge“ mit einer eher rückläufigen Auftragssituation zeigen wird. Somit lohnt es sich bei jedem der drei Themen, eine Stunde Zeit in die YouTube-Videos zu investieren, um bestens gerüstet in die kommenden Monate zu starten. Petra Reidel

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