GaLaBau-Wissen

Rasen, Teil 6

205. Folge: Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Rasen.
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Grafik: Uwe Bienert

Rasen als Monokultur hat für die Natur keinen Wert. Er ist ein künstliches Produkt von Gärtnern. Er bietet keine Nahrung und keinen Lebensraum für andere Lebewesen – er ist nur ein Gestaltungselement. Und für dieses, salopp gesagt, eigentlich wertlose Gestaltungselement ist der Mensch bereit so ziemlich alles zu tun, was notwendig ist, um es zu pflegen oder sogar zu verteidigen.

Verteidigen? Gegen wen? Ganz einfach: Gegen Krankheiten und gegen Schädlinge.

Im Folgenden möchte ich eine Übersicht darüber geben, wer es eigentlich ist, der uns das Leben als "Rasengärtner" so schwer macht.

Was jeden verblüffen wird, ist die Tatsache, dass Pilzerkrankungen für Rasenflächen das größte Problem sind, gefolgt von Viren und Bakterien. Hinterlistiger Weise ist ihr Entstehen kaum rechtzeitig zu erkennen und oftmals das Ergebnis einer falschen Rasenpflege. Bevor wir uns an dieser Stelle ins Detail verlieren, ist ein Überblick nötig.

Was kann einen Rasen schädigen?

Was versteht man eigentlich unter einem Schaden? Rasenschäden sind alle Defekte, die Lebewesen, chemische Prozesse und Klimaeinflüsse verursachen und die das Leben dieser Pflanzung negativ beeinflussen. Dazu gehören unter anderem Pilze, Viren, Bakterien, Moose, Wildkräuter, Algen, Maulwürfe, Wühlmäuse, Insekten oder Nematoden. Ausgenommen sind hier mechanische Beschädigungen.

Rasenschäden durch Pilzbefall

  • Typ 1 verursacht teilweise schwere Schäden an den Gräsern. Hierbei stirbt der Rasen zwischen zwei fast parallel verlaufenden, dunkelgrünen Ringen ab.
  • Typ 2 zeigt seine Präsenz durch einen dunkelgrünen Ring, in dem die Gräser auch stärker wachsen. Bei feuchter Witterung bilden sich im Ring häufig Fruchtkörper.
  • Typ 3 verursacht besonders im Sommer und Herbst über die gesamte Rasenfläche ungleichmäßig verteilte Fruchtkörper, ohne dass die typischen Ringe entstehen. Durch Abmähen oder bei Trockenheit verschwinden die Fruchtkörper wieder.

Pilze leben überwiegend im Boden oder im Rasenfilz und warten dort auf ideale Entwicklungsbedingungen. Zu diesen gehören Feuchtigkeit, Lichtmangel und unterversorgte Rasenflächen. Die Pilze befallen die geschwächten Gräser und zerstören auf ihrer Nahrungssuche den Rasen. Im Glücksfall sind es nur kleine Stellen, die nach einem Witterungswechsel wieder auswachsen. Wenn sich der Befall jedoch ausbreitet, sind intensive Pflegemaßnahmen und teils sogar eine Nachsaat erforderlich.

Eines der optisch auffälligsten Merkmale für Pilzbefall im Rasen sind die sogenannten "Hexenringe". Hexenringe können sich in Rasenflächen in vielfältigen Formen zeigen. Ursache hierfür sind die verschiedenen Erreger (z. B. Marasmius oreades), die die Symptome von Hexenringen hervorrufen. Allen gemeinsam ist, dass das Pilzmyzel sich im Boden ringförmig ausbreitet und dadurch die typischen Ringstrukturen hinterlässt. Besonders befallen werden ältere Rasenflächen, die an der Oberfläche verfilzt sind. In und von diesem Filz leben die Hexenringpilze und warten dort auf günstige Bedingungen zur Ausbreitung.

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Es gibt auf Rasenflächen drei verschiedene Erscheinungsbilder von Hexenringen:

Bei allen Hexenringtypen findet man im Boden ein weißes Pilzmyzel, das einen typischen Pilzgeruch ausströmt und stark wasserabweisend ist. Häufig ist dieses Myzel auch für das Vertrocknen des Rasens verantwortlich.

Einen Schutz vor Hexenringen gibt es nicht. Jedoch lässt sich durch eine gute Rasenpflege das Entstehen oder die Ausbreitung der Schäden stark reduzieren.

Besonderes Augenmerk ist auf die Filzbekämpfung zu legen, da der Filz das ideale Nährmedium für die Hexenringerreger darstellt. Vertikutieren, Aerifizieren und Besanden sind also angesagt. Der Einsatz von Fungiziden ist auf ein Minimum zu beschränken, da durch sie auch Pilze im Boden beseitigt werden, die von Natur aus gegen die Hexenringe vorgehen (Antagonisten).

Beim Auftreten von Trockenstellen oder Absterbeerscheinungen hilft fast immer das zusätzliche Bewässern der befallenen Stellen. Hierzu werden die Flächen intensiv aerifiziert und anschließend durchdringend befeuchtet.

Werden Rasenflächen nicht ausreichend gepflegt, ist nahezu zwangsläufig mit Pilzbefall zu rechnen. Das Risiko lässt sich reduzieren, indem erstklassiges Saatgut verwendet wird. Inzwischen gibt es zahlreiche Sorten, die Resistenzen gegenüber Pilzkrankheiten aufweisen.

Moos ansetzen verboten

Moos im Rasen sieht nicht nur unschön aus, sondern schränkt auch die Nutzung von Spiel- und Hausrasen ein, indem es bei Feuchtigkeit rutschig wird und die Standfestigkeit beeinträchtigt. Je nach Licht- und Bodenverhältnissen können sich verschiedene Moosarten im Rasen bilden. Mit über 90 Prozent ist jedoch das Sparrige Kranzmoos (Rhytidiadelphus squarrosus) der am häufigsten auftretende Störenfried.

Als Ursache für die Moosbildung kommt Verschiedenes in Betracht. So kann zu tiefes Mähen, Nährstoffmangel, eine intensive Beschattung, sehr saurer Boden, starke Bodennässe oder zu hohe Bodenverdichtung eine mögliche Ursache sein.

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Ohne Moos viel los!

Klar ist: Das Moos muss weg. Um das zu erreichen, müssen die Ursachen beseitigt werden. Nach einem Aerifizierungsgang wird besandet und bei entstandenen Lücken nachgesäht.

Alternativ kann auf die chemische Bekämpfung zurückgegriffen werden. Kontaktherbizide eignen sich zur Moosvernichtung besonders gut. Wie ihr Name verrät, wirken sie fast ausschließlich dort, wo sie ausgebracht werden, bestenfalls also auf der gesamten Oberfläche des Mooses.

Hirse, Klee und andere "Gangster"

Viele ein-, zwei- und mehrjährige Pflanzen sind im Rasen nicht erwünscht, weil sie als Nahrungskonkurrenz auftreten und das Gesamtbild negativ beeinflussen. Unter den Einjährigen steht die Hirse ganz oben auf der Liste der "Feindpflanzen". Sie bereitet Rasenflächen nach Hitzeperioden große Probleme.

Die verschiedenen Arten der Hirse kommen besonders gern in lückenhaften und neu angelegten Rasenflächen ab einer Bodentemperatur von 20 bis 22 °C auf. Ein frisch bearbeiteter Boden ohne Beschattung ist ein idealer Nährboden für Hirse, die durch massenhaftes Auftreten die ausgesäten Gräser nicht nur behindern, sondern auch verdrängen kann.

Alle Hirsearten sind einjährige Gräser. Das bedeutet, dass sie im Herbst von allein absterben. Ausschlaggebend für das Absterben sind in erster Linie die abnehmende Tageslänge und die fallende Temperatur. Leider löst sich damit aber das Hirseproblem im Rasen nicht von selbst. Denn alle Hirsearten bilden zur Vermehrung und zum Überdauern zahlreiche Samen aus, die auch nach dem Absterben der Pflanzen über Jahrzehnte im Boden keimfähig bleiben.

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In Deutschland gibt es momentan kein Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Hirse im Rasen, das offiziell zugelassen ist. Hirse kann deshalb nur mechanisch begegnet werden – und das am besten noch vor der Blüte, um das Samenpotential im Boden nicht weiter zu vergrößern. Der Rasen muss zunächst stark gedüngt werden. Die im Rasen eher liegend wachsende Hirse richtet sich danach auf und kann anschließend mit einem tiefen Schnitt abgemäht werden.

Eine weitere Bekämpfungsmethode ist flaches Vertikutieren. Hierbei werden die Hirsestängel angehoben und können danach mit dem niedrig eingestellten Mäher besser erfasst werden. Eine dritte Methode der Hirsebekämpfung kann sein, die Rasennarbe durch Nachsaat und regelmäßige Düngergaben immer schön dichtwüchsig zu halten.

Ein zweiter wichtiger Übeltäter im Rasen ist der als Glücksbringer bekannte Klee (Trifolium).

Am weitesten verbreitet ist der Weißklee (Trifolium repens), der an seinen weißen bis leicht rosafarbenen Blüten zu erkennen ist. Er gedeiht besonders auf unterversorgten, kalkhaltigen Böden durch Samen und Ausläufer. Rasen, der zu wenig Nährstoffe bekommt, ist also besonders gefährdet. Oft mangelt es vor allem an Stickstoff – ein Defizit, das der Klee gut verkraften kann, da er eine Symbiose mit Bakterien eingeht, die Stickstoff binden.

Zur Vorbeugung von Klee sollte der Rasen daher regelmäßig gedüngt werden. Gegen den Stickstoffmangel hat sich Hornmehl bewährt. Es besitzt einen hohen Stickstoffgehalt, aber kein Phosphat, das dem Klee zugutekommen würde. Speziell im Sommer ist es wichtig, den Rasen regelmäßig zu wässern, damit er sich gegen den vordringenden Klee zur Wehr setzen kann, schließlich verträgt er starke Sonneneinstrahlung und Wassermangel besser als die Gräser. Zudem ist davon abzuraten, den Rasen sehr kurz zu mähen. So wachsen beispielsweise Hornklee-Arten (Lotus) umso besser, je kürzer das Gras geschnitten ist, da sie dann besonders viel Licht bekommen.

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Für die Beseitigung von Weißklee hat sich Vertikutieren bewährt, aber auch Selektivherbizide haben eine gute Wirkung.

Hornklee (Lotus) und Wiesenklee (Trifolium pratense) sind nicht so leicht zu beseitigen wie Weißklee. Diese beiden Kleesorten lassen sich am effektivsten durch das Entfernen der befallenen Rasenstellen beseitigen. Bei kleineren Stellen genügt das Ausstechen des Rasenstücks. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, die Wurzeln zu entfernen. Auch eine Bekämpfung durch Herbizide ist möglich.

Neben diesen Haupttätern sind unzählige Wildkräuter im Rasen anzutreffen. Diese Dauerunkräuter sind aber leicht zu beseitigen. Zu den wichtigsten heimischen Rasenunkräutern zählen Gänseblümchen (Bellis perennis), Wegerich-Arten (Plantago), Löwenzahn (Taraxakum officinale), Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Hornkraut-Arten (Cerastium), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Frauenmantel-Arten (Alchemilla), Günsel-Arten (Ajuga) und Schafgarbe-Arten (Achillea)

Die klassische Methode der Unkrautbekämpfung ist das Ausstechen. In vielen Fällen ist diese Vorgehensweise unsinnig, denn die Kräuter wandern nach kurzer Zeit erneut ans Tageslicht. Hilfreicher erscheint da die Behandlung mit selektiv wirkende Mittel, die von den zweikeimblättrigen Unkräutern aufgenommen werden, nicht aber von den einkeimblättrigen Gräsern, die außerdem von einer schützenden Wachsschicht umgeben sind.

In den Wachstumsmonaten von April bis Juni, aber auch noch im August und September ist drei bis vier Tage nach dem Mähen der richtige Zeitpunkt, um das Herbizid anzuwenden. Die Unkräuter haben dann eine ausreichend große Blattmasse für eine gute Aufnahme des Wirkstoffes. Die letzte Behandlung sollte spätestens in der ersten Septemberhälfte erfolgen.

Gibts noch mehr?

Klar doch! Da wären zum Beispiel Schäden durch Trockenheit, Algen, Insekten, Urin von Haustieren, Maulwürfe oder Wühlmäuse. Doch alle zusammen sind nicht halb so schlimm, wie die oben genannten Gegner. Welche Mittel es zu ihrer Bekämpfung gibt, stehen deshalb auf einer anderen Seite.

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