FBB legt zwölf Thesen zum Stellenwert von Bauwerksbegrünungen vor

"Gebäudegrün sollte bei Neubauten gesetzlicher Standard werden"

Laut der FBB bieten Bauwerksbegrünungen für relativ kleine Investitionssummen eine Kombination aus ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteilen. Foto: FBB

Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB) und ihr internationaler Dachverband, das World Green Infrastructure Network (WGIN), fordern, dass Neubauten zukünftig standardmäßig begrünt werden müssen. Ein entsprechendes Gesetz, das Bauherren dazu verpflichtet, müsse perspektivisch von der Politik auf den Weg gebracht werden. Dieses Fazit zogen die beiden Verbände in einem zwölf Thesen umfassenden Positionspapier, das sie zum Abschluss des Weltkongress Gebäudegrün (WGIC) 2017 vorgelegt haben.

Vorteile für Klima, Lebewesen und den Geldbeutel

Die beiden Organisatoren des WGIC 2017 heben die positiven Effekte von Gebäudebegrünungen in unterschiedlichen Lebensbereichen hervor.

Im Thesenpapier wird einerseits auf die klimabezogene Vorteile hingewiesen (Verbesserung des Stadtklimas, dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, Gewässerschutz). Auf der anderen Seite stellen FBB und WGIN heraus, dass Mensch und Tier gleichermaßen vom Gebäudegrün profitieren: Sowohl die biologische Vielfalt als auch die Lebensqualität in den Quartieren würden sich dadurch steigern. Außerdem, so die beiden Fachverbände, erzielen begrünte Fassaden und Dächer durch Verdunstungskälte einen Dämmungseffekt. Die Folge sei, dass im Winter weniger geheizt und im Sommer weniger gekühlt werden müsse. Daraus ergebe sich ein unmittelbarer ökonomischer Nutzen.

FBB-Präsident Dr. Gunter Mann... Foto: FBB

...und sein Pendant beim WGIN, Manfred Köhler, haben die zwölf Thesen zum Stellenwert des Gebäudegrüns erarbeitet. Foto: FBB

Strategie für Nachhaltigkeit und gegen Effekte des Klimawandels

Bauwerksbegrünungen haben laut FBB und WGIN auch einen mittel- und langfristigen strategischen Nutzen. Sie würden nicht nur einen Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie in Städten leisten, sondern auch ein Mittel gegen die Auswirkung des Klimawandels darstellen - einschließlich einer Strategie zur Bindung von Feinstäuben. Gleichwohl räumen die beiden Verbände ein, dass noch weitere Forschungen anstünden, um einige Effekte von begrünten Gründächern und -fassaden quantifizieren zu können. Die aktuelle Forschungsförderung gehe allerdings bereits in diese Richtung.

Weiterhin widmen sich die beiden Fachverbände dem Thema Bauen: So würden Bauwerksbegrünungen für nahezu alle Bauaufgaben passgenaue Lösungen bieten - und das in jeder von Pflanzen bevölkerten Klimazone. Wenn es zum Neubau mit Dach- oder Fassadengrün kommt, so FBB und WGIN weiter, müsse die Gebäudebegrünung als ein Element der energetischen Bewertung berücksichtigt werden. Das gelte auch für Sanierungen. Generell seien Bauwerksbegrünungen dort zu verorten, wo Menschen sich über lange Zeiträume aufhalten - etwa im Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz. Daraus ergeben sich Potenziale für bislang noch nicht begrünte Dachflächen an diesen beiden Gravitationspunkten des menschlichen Alltags.

Ökologische Lernorte mit Symbolcharakter

Bei Grünbauprojekten kommt laut FBB und WGIN Schulen und andere öffentlichen Bauten eine besondere Bedeutung zu. Da sie als "ökologische Lernorte" gelten, sollten gerade dort Modellvorhaben stattfinden, um ihren Multiplikationscharakter für die Verbreitung des Dach- und Fassadengrüns zu nutzen. Wichtig ist es den beiden Verbänden, dass Planung, Bau, Betrieb und Wartung der Systeme über qualifizierte Fachfirmen gesichert werden. Dazu, so FBB und WGIN weiter, gelte es, Strategien für den Betrieb und die Pflege der Gebäudebegrünung zu erarbeiten. Ihren Beitrag dazu wollen die Fachverbände weiterhin dadurch leisten, dass sie das Thema in die Öffentlichkeit tragen und Informationsmaterialien zur Qualifizierung und zum Fachaustausch bereitstellen. Gebäudebegrünungen böten für relativ kleine Investitionssummen eine Kombination aus ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteilen. Zwar seien die bisherigen Begrünungswerte in einigen Städten mit einem Quadratmeter Dachbegrünung pro Einwohner durchaus vorzeigbar, doch seien sie noch deutlich steigerungsfähig. Der unter anderem beim Weltkongress Gebäudegrün 2017 begonnene Wissenstransfer werde deshalb konsequent fortgesetzt.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2017 .

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