Der Kommentar
Geschäftsführer gesucht
von: Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-HackDie wohl erste fremdfinanzierte Übernahme durch privates Beteiligungskapital wird der J.P. Morgan Bank bei der Carnegie Steel Company im Jahr 1901 zugeschrieben. Seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist das Geschäft in den USA immer weiter gewachsen und dominiert inzwischen viele Branchen. In Deutschland haben sich private Investoren immer schwergetan. Ich selbst hatte Anfang 1990 Kontakt zu einem Finanzinvestor, der nach Landschaftsbauunternehmen in Deutschland gesucht hat. Er hat jedoch relativ schnell aufgegeben. Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering leistete 2004 auch sein Beitrag, als er Londoner Finanzinvestoren als "Heuschrecken" bezeichnete.
Dabei sind viele Unternehmer dankbar, dass es jemanden gibt, der bereit ist, ganz ordentlich für den Betrieb zu bezahlen, zum Beispiel wenn es keinen Nachfolger gibt. Schon vor über 30 Jahren hat die Firma Firl + Schretter Sportstättenbau aus diesem Grund an einen Finanzinvestor verkauft. Nach einigen Wechseln wurde die heute unter dem Namen Sport Group geführte Marke Polytan von der Equistone verwaltet und hatte damit den gleichen Vermögensverwalter wie die HERAS-Zaunbau, einem Hersteller von Dach- und Seitenwandsystemen für Gewächshäuser, Oase (bis 2017), Polo Motorrad und Sportswear (bis 2023) oder Jack Wolfskin (bis 2011). Seit Juli 2024 gehört die mehrheitliche Beteiligung an der Sport Group der KPS Capital Partners.
Neben den als eigene Gesellschaft geführten Landschaftsbau-Abteilungen von im Dax notierten Wohnungsbauunternehmen, von der RAG oder von FM-Dienstleistern haben sich vor einigen Jahren auch Private Equity-Verwalter im Landschaftsbau engagiert. Bekannte Namen sind Aurelius mit Greenovis, ID Verde und die GarLa-Gruppe der Ufenau Capital Partners AG. Mit letzterer durfte ich Ende Januar über die Zukunft des Landschaftsbaus diskutieren. Da war schon eine ganz andere Herangehensweise als sonst üblich im Landschaftsbau erkennbar. Da werden Entwicklungs- und Expansionsstrategien entwickelt, die Steigerung der Mitarbeiter-Attraktivität wird in Stabsstellen angegangen und für die Personalentwicklung werden konzerneigene Akademien auf den Weg gebracht. Manches wird zentral, anderes wird lokal bearbeitet und gelöst.
Durch die vielen großen Unternehmen bieten sich auf einmal ganz neue Perspektiven für junge Menschen im Landschaftsbau, insbesondere für Ingenieure. Während bisher häufig mit der Einstellung als Bauleiter schon bei der Einstellung die höchste Stufe der Karriereleiter im Unternehmen erreicht war, gibt es in den großen Unternehmen einen nach oben offenen Weg: als Oberbauleiter, Niederlassungsleiter oder eben als Geschäftsführer eines Standortes oder gleich für die ganze Gruppe, als CEO, Chief Executive Officer, oder COO, Chief Operating Officer. Das klingt doch gut. Habe ich Ihr Interesse geweckt?
Ihr Martin Thieme-Hack
NL-Stellenmarkt










