Aufsehenerregendes Stadtmöbel im Landkreis Böblingen

Geschwungene Metallbank veredelt die Ortsmitte von Flacht

Das Kernstück der Plätze im Ortskern des Baden-Württembergischen Fracht ist eine mehrfach geschwungene Bank, die ein echter Blickfang ist. Fotos: Gartenmetall

Historische Fachwerkgebäude wie das Alte Rathaus und das Heimatmuseum prägen den Ortskern von Flacht, einem Teilort der Gemeinde Weissach im Landkreis Böblingen. Sie sind der ganze Stolz des 7800 Seelen-Dorfs, in dem die Firma Porsche ihr Entwicklungszentrum betreibt. Nicht so glücklich waren die Bewohner hingegen mit der Ortsdurchfahrt, einer Kreisstraße, die an diesen denkmalgeschützten Gebäuden vorbeiführt: Sie zeigte sich seit geraumer Zeit in sehr schlechtem baulichem Zustand. Das hohe Verkehrsaufkommen, schmale Gehwege, fehlende Barrierefreiheit und unattraktive Aufenthaltsbereiche machten die Ortsmitte zudem zu einem dringenden Sanierungsfall. Für Bürgermeister Daniel Töpfer war klar: Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Bereits im Jahr 2015 beauftragte die Gemeinde das Ingenieurbüro Schädel aus Weil der Stadt mit der Umgestaltung und Sanierung der Ortsdurchfahrt, denn nicht nur die Straßen, Kanäle und Leitungen mussten saniert werden, sondern auch drei Plätze im Ortskern sollten ein neues Gesicht erhalten und der Bevölkerung mehr Aufenthaltsqualität bieten, getreu dem Motto: "Unser Dorf soll schöner werden."

Für zunächst einen - später noch zwei weitere - Plätze hatte sich Dr. Wolfram Schädel, Kopf des gleichnamigen Büros, auf Vorgabe der Gemeinde hin eine technisch sehr aufwändige Gestaltung überlegt, die den Bestand an alten Fachwerkhäusern und Brunnen mit modernen Elementen kombinieren sollte. Dr. Schädel: "Das Kernstück sollte eine zweifach geschwungene Bank mit mehrfach geformter Sitzauflage sein. So wollten wir Platz für Begegnungen schaffen, was uns auch gelungen ist." Da das Gelände an allen Plätzen leicht abfällt bzw. ansteigt, mussten die unterschiedlichen Höhen außerdem mit Erdstützwänden, Treppen und Pflanztrögen abgefangen und terrassiert werden.

Hier kam die Firma Gartenmetall, spezialisiert auf Stadtmöbel aus Metall, ins Spiel. Der Kontakt zwischen dem Ingenieur und der Nürtinger Metallbaufirma war über ein Fachseminar für Architekten und Planer zustande gekommen, das Gartenmetall immer im Frühjahr anbietet. Dr. Schädel dazu: "Ich war mir sicher, dass Gartenmetall dieses Projekt stemmen kann und auch eine Lösung für die hochkomplexen Details findet." Gartenmetall-Geschäftsführer Dr. Claus Thumm war davon zu Beginn nicht ganz überzeugt: "Wir hatten das Projekt zunächst abgelehnt, da besonders die Formgebung der Bank absolut komplex und auch die optische Gestaltung eine echte Herausforderung war - und das, obwohl wir auf Sonderanfertigungen spezialisiert sind. Herr Schädel hat sich aber nicht davon abbringen lassen, dass wir für dieses spezielle Bauvorhaben genau der richtige Partner sind." Zum Glück, denn das heutige Ergebnis wird von den Anwohnern begeistert angenommen.

Für das Kernstück der Plätze, eine mehrfach geschwungene Bank, war die ursprüngliche Idee, die Metallbänke mit Holzbeplankung zu versehen. Allerdings lässt sich das Naturmaterial nur sehr schwer formen und ist auch nur bedingt witterungsbeständig. Gartenmetall schlug stattdessen eine Auflage aus Resysta vor, einem Naturfaser-Compound aus Reishülsen. Dieses Material gleicht in Optik und Haptik natürlichem Tropenholz, ist aber im Gegensatz dazu leicht formbar, extrem wasser- und wetterfest und - wichtig für den öffentlichen Raum - vandalismussicher. Bürgermeister Töpfer bestätigt: "Wir haben uns schnell davon überzeugen lassen, dass wir mit Resysta am besten fahren, da sich das Material sogar gestalterisch einfärben lässt. Diese Möglichkeit haben wir, wie ich meine, sehr gelungen für die Bänke genutzt."

Als Bankauflage entschieden sich die Verantwortlichen für eine Auflage aus Resysta. Dabei handelt es sich um ein Naturfaser-Compound aus Reishülsen.

Zunächst erstellte Gartenmetall ein Vormuster der Bank. Nach einer Besichtigung vor Ort gab die Gemeinde dafür grünes Licht. Anschließend starteten die aufwändigen Detail- und Konstruktionsplanungen, die mit dem ein oder anderen Rückschlag einhergingen. Die Unterkonstruktion der Bank wie auch alle weiteren Objekte wie Pflanztröge, Treppen und Erdstützwände, wurde aus witterungsbeständigem Cortenstahl gefertigt. Dieses robuste Material mit seiner charakteristisch rostroten Patina harmoniert besonders gut mit den alten Gemäuern. Die meisten Metallobjekte sind aus mehreren Einzelteilen aufgebaut, die auf der Baustelle verschweißt und baustoffgerecht eingebaut wurden. Die runde Formgebung, die für alle Elemente beibehalten wurde, sorgt für eine hohe Stabilität. Mit der Rückenlehne der geschwungenen Bänke können sogar die höhergelegenen Beete abgefangen werden.

Auf die Unterkonstruktion der Bank wurde eine geschlossene Edelstahlauflage geschraubt, damit sich Laub und Schmutz leicht ausblasen lassen. Anschließend wurden schmale Resysta-Leisten in unterschiedlicher Tönung montiert. Dr. Thumm: "Mit den unterschiedlich eingefärbten Planken konnten wir den Bänken eine ganz besondere Note geben. Die Wirkung ist sogar noch besser geworden als erhofft." Die Koordination der Bauarbeiten für den Tief- und Gartenbau wickelte das Ingenieurbüro Schädel im Auftrag der Gemeinde ab. Während der Bauzeit war allerdings immer ein Vertreter der Firma Gartenmetall vor Ort, da die Bänke mit ihren schrägen und gerundeten Rückenlehnen häufig erst vor Ort komplett verschweißt werden konnten.

In acht Bauabschnitten von Mai 2017 bis Ende August 2019 wurde das Großprojekt mit einem Bauvolumen von insgesamt 5,7 Mio. Euro schließlich abgewickelt. Im Mai vergangenen Jahres übergaben Landrat Roland Bernhard und Bürgermeister Töpfer die neue Ortsmitte mit einem großen Bürgerfest der Flachter Bevölkerung. Töpfer zeigte sich hochzufrieden: "Die Neugestaltung der Ortsmitte ist trotz schwieriger Gegebenheiten mehr als gelungen. Das gleichwertige Miteinander zwischen historischen Fassaden und modernen Gestaltungselementen empfinde nicht nur ich als große Bereicherung für Flacht."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2020 .

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