Die Restaurierung von Gartendenkmalen im Rahmen der Landesgartenschau Burg 2018

Goethepark, Ehrenfriedhöfe und Flickschupark Burg

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Blick von Bahnhofsvorplatz über den Goethepark, Wettbewerbsbeitrag relais Landschafts-architekten. Abb.: relais Landschaftsarchitekten

Bei der Wahl des Konzeptes für die Landesgartenschau hat sich das sachsen-anhaltinische Burg entschieden, seine historischen Stadtparks zum Thema der aktuellen Stadtentwicklung zu machen. Dabei stellen der spezifische Attraktivitätsanspruch der Veranstaltung und die Steigerung der Nutzungsintensität für eine Saison außergewöhnliche Anforderungen an die Gartendenkmale. Doch bietet dieses Vorgehen auch große Chancen: Vier Fallbeispiele.

Die 1981 verfasste "Charta von Florenz" stellt das Aussehen historischer Gärten in Artikel 2 als Resultat eines "ständigen Kräftespiel[s]" dar. Gegenüber stünden sich dabei der "jahreszeitliche Wechsel, [die] natürliche Entwicklung und [der] naturgegebene Verfall einerseits" und andererseits das "künstlerische sowie handwerkliche Wollen [...], die darauf abzielen, einen bestimmten Zustand zu erhalten." Gemessen an der Wirklichkeit vieler Gartendenkmale erscheint diese Darstellung als ein Wunschdenken, das sowohl die mutwillige Zerstörung von Ausstattungselementen wie die Folgen von Vernachlässigung oder unsachgemäßer Pflege ausblendet. Nicht zu unterschätzen ist auch die Wirkung des unterschiedlich starken Interesses an der Bewahrung von Skulpturen, Beeten, Bänken oder Spielanlagen, die zu einer selektiven Erhaltung von Garten- und Parkanlagen führt. Damit erscheint das Kräftemessen zwischen Verfall und Erhaltung in der Realität längst nicht so ausgeglichen, wie es die "Charta von Florenz" hoffen lässt.

Als Ergebnis wird der Bestand vieler historischer Gärten im Laufe der Zeit immer mehr ausgedünnt. Beetflächen werden aufgegeben, die Struktur von Gehölzpflanzungen geht verloren, zerstörte Bänke werden nicht erneuert, Brunnen nicht instandgesetzt.

Entwurfsplan Goethepark mit dem nördlich angrenzenden Spielwäldchen (ehem. Bauhofareal) und den Ehrenfriedhöfen. Abb.: relais Landschaftsarchitekten

Der Wasserstein auf dem Bahnhofsvorplatz im Bau. Foto: relais Landschaftsarchitekten

Für die Denkmalvermittlung führt das zu dem Dilemma, dass oft gerade das Charakteristische von Freianlagen schrittweise verloren geht und das dem Denkmalbegriff gesetzlich zugrunde gelegte öffentliche Interesse an einer Erhaltung des Gartendenkmals bestenfalls als wissenschaftliches Interesse spürbar ist.

Die 2018 in Burg stattfindende Landesgartenschau wird wesentlich durch Bereiche geprägt, die einerseits prägend für das Stadtbild und andererseits als Gartendenkmale ausgewiesen sind. In der Wahl des Gartenschaugeländes drückt sich der Wunsch der Stadt aus, in die Erhaltung dieser historischen Freiräume - des Goetheparks und des Flickschuparks - zu investieren und ihnen zugleich eine neue Bedeutung für das städtische Leben zu geben. Die Areale weisen jedoch einen unterschiedlich gut erhaltenen und differenziert ausgeprägten denkmalrelevanten Bestand auf, der von der Planung spezifische Herangehensweisen erfordert, um die Gesamtflächen zu zusammenhängenden, den Ansprüchen an die künftige Nutzung und Pflege entsprechenden Freiräumen zu entwickeln. Im Folgenden soll der planerische Umgang mit dieser Fragestellung anhand von vier Beispielen dargestellt werden.

Der Bahnhofsvorplatz und der Westteil des Goetheparks

Der Goethepark wurde von 1913 bis 1922 nach Plänen des Gartenarchitekten Hans Schmidt auf der Westseite der Burger Innenstadt angelegt. Er verbindet diese mit dem Bahnhof. In seiner Entstehungszeit wurde der Park daher als "würdiges Entree" zur Stadt konzipiert, doch führte die Lage 1971/72 auch zur Zerstörung seines Westteils durch den Bau eines Busbahnhofs. Nach dessen Verlegung wurden der Bahnhofsvorplatz und das frühere Parkareal 1997 neu gestaltet. Dabei entstand eine historisierende Anlage, die Elemente der Gestaltung aus den 1920er-Jahren wiederherstellte, ohne der ursprünglichen Ausstattung in Lage, Materialität oder handwerklicher Qualität zu entsprechen.

Da dieser Bereich zugleich deutliche freiraumplanerische Defizite aufwies und ihm als Ergebnis der gartendenkmalpflegerischen Rahmenkonzeption kein Schutzstatus zukam, stellte sich mit der Landesgartenschau die Frage einer Neugestaltung. Sie wurde zu einem entscheidenden Aspekt der Gesamtplanung. Dabei bot sich die Möglichkeit, die Anlagegeschichte des Goetheparks mit seinem historischen Bestand und partiellen Überformungen stärker kenntlich zu machen. Im Sinne von Artikel 12 der "Charta von Venedig" ging es um eine gestalterische Lösung, die sich harmonisch in das Ganze des Parks einfügt, sich jedoch von den ursprünglichen Teilen unterscheidet, damit der Denkmalwert der Anlage nicht verfälscht wird.

Die als Neuinterpretation der historischen Pflanzungsmotive im Goethepark geschaffenen Staudenbeete und Strauchpflanzungen. Foto: relais Landschaftsarchitekten

Abwicklung des Pavillons im Goethepark, Ausführungsplanung (Ausschnitt). Abb.: relais Landschaftsarchitekten

Gestaltungsformen der "Fundstellen" in den Ehrenfriedhöfen, Ausführungsplanung. Abb.: relais Landschaftsarchitekten

Der planerische Umgang mit dieser Frage im Rahmen der Landesgartenschau zeigt sich exemplarisch an der Neugestaltung des Wasserelements auf dem Bahnhofsvorplatz. In der ursprünglichen Gestaltung des Goetheparks bestand in dessen Nähe ein kreisrundes Wasserbecken, das die Bausubstanz eines hier zuvor befindlichen Gasometers einbezog. Diese Form wurde auch im Zuge der historisierenden Neugestaltung 1997 wieder aufgegriffen. Dieser Rückgriff war vor allem eine emotionale Geste der Wiedergewinnung der zerstörten Parkpartie, doch bot er kaum Anreize für die heutige Parknutzung. Mit der Gestaltung der Landesgartenschau wurde das gleichfalls pflegeintensive Wasserbecken daher entfernt und stattdessen ein flacher Wasserstein auf dem Bahnhofsvorplatz geschaffen. Aus dem Wasserstein steigen Fontänen auf und bilden im Mikrorelief der unterschiedlich bearbeiteten Oberfläche kleine Wasserflächen, die nach verschiedenen Richtungen ablaufen. Der Bahnhofsvorplatz erhält damit ein bewegtes Element, das zur Bewegung anregt, der Geräuschkulisse des Verkehrs etwas entgegensetzt, kleinklimatisch wirksam wird und die offene Platzfläche auch in den Wintermonaten aufwertet.

Der östliche Goethepark

Der Ostteil des Goetheparks ist durch Relikte einer gartenkünstlerischen Gestaltung geprägt, die auf die Zeit um 1903 zurückgeht und damit vor der Gesamtanlage entstand. Im Zuge der Planung für die Landesgartenschau wurde hier das historische Wegesystem wieder präzisiert und teilweise ergänzt. Die ehemals differenzierten und zwischenzeitlich zu einem dichten Gehölzsaum aufgewachsenen Baum- und Strauchpflanzungen am Parkrand wurden aufgelichtet, so dass die Anlage wieder stärker auf die Bauten des Umfeldes Bezug nimmt.

Ursprünglich prägten zahlreiche Rabatten die Gestaltung des Parks. Um diesen Blühaspekt und die gärtnerische Qualität der Beetflächen aufzugreifen, wurden Staudenbeete und Strauchpflanzungen angelegt, die sich durch die Randbereiche des Parks ziehen.

Während der Goethepark heute vor allem durch seinen Gehölzbestand und seine fast schon ornamentale Wegestruktur charakterisiert ist, waren in der Entstehungszeit auch verschiedene Denkmäler prägend für die Gestaltung. Dazu gehörte ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I., das ehemals den Bezugspunkt des östlichen Parkteils bildete. Der Gartenarchitekt Hans Schmidt bezog in seiner Planung alle angrenzenden Wegeachsen strahlenförmig auf dessen Standort. Die konzeptionell entscheidende Rolle dieses baulichen Elements wird daran deutlich, dass Schmidt bei der Erweiterung des Denkmalsareals zum späteren Goethepark eine räumliche Abgrenzung in Form einer Rotdornallee vorsah. Er ging davon aus, dass das Standbild in seiner Wirkung "nur den jetzt ihm in seiner unmittelbaren Umgebung zugemessenen Raum beherrschen kann" (Stadt- und Kreisarchiv Burg, Akte 625, Flickschupark). 1941 wurde das Denkmal abgebaut und eingeschmolzen. Als einziger Rest der ehemaligen Gestaltung blieb die Graniteinfassung zu den angrenzenden Wegeflächen erhalten.

Der am früheren Denkmalstandort geschaffene Pavillon im Goethepark. Foto: Hanns Joosten

Die gusseisernen Bodenplatten der "Fundstellen", Werkstattfoto. Foto: relais Landschaftsarchitekten

Im Rahmen der Planung für die Landesgartenschau stellte sich die Frage nach dem gestalterischen Umgang mit der Parksituation, die durch den bestehenden räumlichen Bezug deutlich als Lücke wahrnehmbar war. Eine Rekonstruktion des früheren Zustands wurde dabei aufgrund der Zerstörung der ursprünglichen Denkmalsubstanz nach vorausgegangener Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege nicht angestrebt. Als Ziel wurde dabei vielmehr eine Neuinterpretation der baulichen Besetzung des Ortes unter den Vorzeichen der aktuellen und künftigen Parknutzung bestimmt.

Zur baulichen Neuformulierung des früheren Denkmalstandorts wurde ein offener Pavillon geschaffen, um die für die Anlagestruktur wesentliche Stelle wieder mit einem prägnanten vertikalen Akzent und Funktionsträger zu besetzen. Der Bau besitzt eine kreisförmige Grundfläche und passt sich in die sanierte historische Graniteinfassung ein. Seine skulptural wirkende Konstruktion besteht aus geschwungenen Edelstahlrohren, die in verschiedenen Radien gebogen und miteinander verschweißt sind. Sein Typus steht und vermittelt zwischen Freiraum und Architektur, zwischen Naturform und Kunstform.

Die Ehrenfriedhöfe

Der nördlich des Goetheparks auf dem Gelände des ehemaligen Westfriedhofs gelegene sowjetische und westlich daran anschließende deutsche Ehrenfriedhof stellen in ihrer unmittelbaren räumlichen Zuordnung einen außergewöhnlichen und geschichtlich eindrucksvollen Denkmalbestand dar. Die Anlagen wurden in Vorbereitung der Landesgartenschau denkmalgerecht saniert. Entscheidend für den Umgang mit dem Bestand war dabei die unverstellte Erhaltung der historischen räumlichen Situation. Das umfasst auch in der Öffentlichkeit diskutierte Ausstattungselemente wie den in das sowjetische Ehrenmal integrierten T-34-Panzer. Ziel war es, den "Streitwert" dieses Erinnerungsortes anzuerkennen und die auf diese Weise aufgeworfenen Fragen als produktiv für die künftige Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen anzusehen. Zusätzlich wurde die von der Bevölkerung angeregte Idee eines gemeinsamen Gedenkortes für beide Friedhofsanlagen aufgegriffen. Da dieser Gedenkort keinem der Bereiche unmittelbar zugeordnet sein sollte, bot sich dafür die beiden Friedhofsanlagen erschließende Allee an, die strukturell noch auf die Gestaltung des ehemaligen Westfriedhofs vom Beginn des 20.Jahrhunderts zu datieren ist. Die Allee und ihr direktes Umfeld wurden zu einem linearen Gedenkraum umgewertet. Im Verlauf der Allee wurden seitlich des Wegs dazu bodennahe Metallplatten verlegt, die im Sinne von "Fundstellen" die Bedeutung dieses Ortes kommentieren, ohne seine Gestaltung räumlich infrage zu stellen. Die Platten dienen als Informationssystem, das zur Kontextualisierung der Ehrenhaine, zu den Lebenswegen der dort Bestatteten und zu stadtgeschichtlichen Ereignissen, vermittelt.

Entwurfsplan Flickschupark. Foto: relais Landschaftsarchitekten

Der Spielhügel im Flickschupark im Bau. Foto: Hanns Joosten

Die Spielanlagen im Flickschupark

Der im Osten der Burger Innenstadt als Gegenpol zum Goethepark gelegene Flickschupark wurde ebenfalls ab 1913 nach Entwürfen von Hans Schmidt angelegt. 1958/59 wurde das Parkareal auf Grundlage einer Planung des Entwurfsbüros für Hochbau Magdeburg nach Osten um einen Bereich mit offenen Wiesenräumen und vielfältigen Spielangeboten (Planschbecken, Rollschuhbahn u. a.) erweitert. Bereits zwischen 1975 und 1979 wurde der östliche Parkbereich durch den Bau der Fernverkehrsstraße 1 deutlich verkleinert und, wie die Gesamtanlage, in der Raumwirkung beeinträchtigt. Die zuvor bestehenden Blickbezüge aus der Anlage auf den östlich angrenzenden Landschaftsraum entlang des Flusses Ihle wurden durch den Trassendamm unterbrochen. In den 1990er-Jahren wurden die als historisches Zeugnis und für die Entwicklungsgeschichte des Flickschuparks wertvollen Spielanlagen schrittweise abgebaut.

Mit der Planung für die Landesgartenschau wurde der verbliebene Wiesenraum im Osten des Parks in seiner ursprünglichen Funktion als Liege- und Spielwiese fortgeschrieben. Um an die Spieltradition anzuknüpfen und zugleich die in den 1970er-Jahren entstandene unklare Raumsituation zu präzisieren, wurde im Ostteil ein Spielhügel geschaffen. Er setzt in einer heute als "Sackgasse" wahrgenommenen Parksituation einen kräftigen und eigenständigen räumlichen Akzent und bietet ein attraktives Nutzungsangebot. Dazu wird der Hügel einerseits mit integrierten Rutschen und Kletterpfaden ausgestattet. Diese stellen die Verbindung zu einem südlich angrenzenden Spielplatz her. Westlich des Hügels schließt sich ein Wasserspielbereich an. Bei der Konzeption der Spielanlagen wurden Motive und einzelne Ausstattungselemente der Gestaltung aus den 1950er-Jahren aufgegriffen. So entstand eine neue Plansche. Mit Bezug auf ein früher bestehendes, als Kiosk genutztes pilzförmiges Gebäude wurde ein ähnliches Spielhäuschen geschaffen. Eine zur früheren Ausstattung gehörende Kindergruppe wird im Original auf der Insel des zum Park gehörenden Flickschuteiches aufgestellt. Von zwei weiteren Skulpturen, einem Ziehharmonika spielenden und einem auf einem Frosch reitenden Jungen, wurden Repliken angefertigt, die in den neuen Wasserspielplatz integriert wurden.

Die Landesgartenschau Burg bietet 2018 Gelegenheit, nicht nur die Stadt von einer neuen Seite zu entdecken. Auch die historischen städtischen Parkanlagen, die für drie Burger Bevölkerung seit Generationen zur alltäglichen Gewissheit geworden sind und dabei mehr oder weniger Beachtung fanden, werden dann eine neue Rolle spielen. Wenn die Durchführung der Veranstaltung auch eine Herausforderung für die Anlagen bedeuten wird, konnten damit doch verschiedene gestalterische Lösungen für seit langem anstehende Fragen formuliert und zugleich in einem gesamtstädtischen Zusammenhang behandelt werden. Zu hoffen bleibt, dass damit das Verhältnis der Bevölkerung zu ihren Parks, zu ihrer Nutzung und Erhaltung, nachhaltig positive Impulse hält.

Planungsdaten

General- und Freianlagenplanung:
relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB, Berlin

Pflanzplanung:
Mark Krieger Pflanzungen, Hamburg

Bauzeit: 2015-2018

Fläche (Goethepark, Spielwäldchen und Ehrenanlagen): 8,1 ha

Fläche (Flickschupark): 3,8 ha

Literatur

Charta von Florenz/Charta der historischen Gärten, in: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V./AK Historische Gärten: Historische Gärten in Deutschland. Neustadt 2000, S. 87-94.

Charta von Venedig/Internationale Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern und Ensembles, in: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V./AK Historische Gärten: Historische Gärten in Deutschland. Neustadt 2000, S. 95-98.

Gabi Dolff-Bonekämper: Gegenwartswerte. Für eine Erneuerung von Alois Riegls Denkmalwerttheorie, in: Hans-Rudolf Meier/Ingrid Scheurmann (Hg.): DENKmalWERTE. Beiträge zur Theorie und Aktualität der Denkmalpflege, Berlin/München 2010. S. 27-40.

Landschaftsarchitektur Franz/K. Baumgart: Stadt Burg b. Magdeburg, Gartendenkmalpflegerische Rahmenkonzeption - Goetheparkpark, Flickschupark und Ehrenfriedhöfe. unveröffentlichtes Manuskript 2013.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2018 .

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