Leuchtturmprojekt in der Bundeshauptstadt

Grün Berlin saniert verwilderten Freizeitpark am Spreeufer

Das 45 m hohe Riesenrad erinnert daran, dass in dem verwilderten Areal des Spreeparks einst der einzige Vergnügungspark der DDR betrieben wurde. Foto: Fotolia

Der größte GaLaBau-Auftraggeber der Bundeshauptstadt, die landeseigene Grün Berlin GmbH, hat nach der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 das nächste Leuchtturmprojekt in Angriff genommen: Die Sanierung des Spreeparks im Bezirk Treptow-Köpenick. 2014 hatte das Land Berlin den Freizeitpark, der seit der Jahrtausendwende brachgelegen hatte, gekauft und später in die Obhut von Grün Berlin gegeben. Nun stehen 23 Mio. Euro aus dem Investitionsfonds des Landes Berlin zur Neugestaltung bereit, erste Maßnahmen vor Ort haben bereits begonnen.

Neues Nutzungskonzept unter Einbeziehung der Anwohner

Das Ziel ist allerdings kein Karussell- und Riesenrad-Revival, sondern etwas gänzlich Neues: Am Spreeufer soll der erste Kunst- und Kulturpark Europas entstehen. Dass ein neues Nutzungskonzept her musste, hat auch mit dem Willen der Anwohner zu tun: Wie Grün Berlin in mehreren Bürgerdialogen herausfand, hätten die Treptower den Lärm eines Freizeitparks vor ihrer Haustür nicht toleriert. Konsens zwischen Planern und Anwohnern fand sich hingegen schnell bezüglich der Gestaltungsvision. In den Gesprächen kristallisierte sich heraus, dass der vorhandene Bestand auf dem 23 ha großen Areal nicht einfach abgerissen, sondern saniert werden sollte. Und da gibt es einiges zu tun: Was von 1969 bis 1991 als "Kulturpark Plänterwald" der einzige Vergnügungspark der DDR war und jährlich rund 1,7 Millionen Besucher nach Ost-Berlin lockte, wurde in den letzten Jahren fast vollständig von der Natur zurückerobert.

Die markanten Dinosaurier-Skulpturen standen herrenlos in der Landschaft, von Wildwuchs umrankt, Baumsprösslinge schossen durch das poröse Pflaster am Fuß des 45 m hohen Riesenrads. Die Szenerie hatte seither vor allem Fotografen und Filmemachern als Kulisse gedient und so in Künstlerkreisen einen eigenen Mythos als "lost place" entwickelt. Künstler sind es auch, die Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt bei dem neuen Nutzungskonzept des Ortes im Blick hat.

Seit 2002 fristete der Spreepark ein Schattendasein und war nur für Fotografen und Filmemacher interessant. Die breite Öffentlichkeit hatte von dem Gelände gar nichts. Foto: Fotolia

Bäume bahnen sich ihren Weg durch das marode Pflaster. Innerhalb der letzten 17 Jahre hat die Natur den einstigen Freizeitpark zurückerobert. Foto: Fotolia

Ein Kultur-Hotspot direkt an der Spree

Geht es nach Schmidt, soll der neue Spreepark eine Künstler-Hochburg werden. Die Kreativen Berlins sollen an der Gestaltung des Parks mitwirken, Ausstellungen realisieren und auf dem Areal auch wohnen können. Konkret wird das am Beispiel der Maschinenhalle, einem Beton-Relikt aus DDR-Zeiten. Aus dem Gebäude soll eine moderne Event-Halle werden, in der Kunstausstellungen, Tanz-Shows und Lesungen stattfinden sollen. Geplant ist außerdem, die alte Achterbahn in "schwebende Spazierwege" umzubauen und ein Kino zu errichten, in dem Besucher sich über die wechselhafte Geschichte des Spreeparks informieren können. Auch die Wasserlage des Areals will sich Grün Berlin zu Nutze machen: Eine Schiffsanlegestelle soll dafür sorgen, dass sich der Spreepark mit anderen Kultur-Hotspots der Hauptstadt über den Fluss vernetzen kann. Schmidt zufolge nutze Berlin seine Wasserwege noch zu wenig - idealerweise könne der Spreepark in dem Punkt eine Vorreiterrolle einnehmen. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Ganz aktuell sind die Arbeiter vor Ort damit beschäftigt, Geröll zusammenzutragen und Müll vom Gelände abzutransportieren. Die Saurier-Skulpturen wurden eingezäunt, der Zugang zum Riesenrad gesperrt. Außerdem entgiftet Grün Berlin seit Dezember 2017 arsenverseuchte Teilflächen des Areals. Dabei praktiziert das Unternehmen in Abstimmung mit dem zuständigen Bezirksamt eine Hot-Spot-Sanierung des 500 m² großen Geländes - es werden nur Böden ausgetauscht, die gesetzliche Grenzwerte tatsächlich überschreiten.

Erste Hürden bei der Sanierung

Eine symbolträchtige Maßnahme hat bereits begonnen: Die denkmalgerechte Sanierung des Lokals "Eierhäuschen". Zwar stehen sieben Millionen für die Aufwertung des Gebäudes bereit, doch weitere 1,5 Millionen müssen Schmidt und seine Mitarbeiter für den Innenausbau noch auftreiben. Das ist nicht die einzige Hürde, vor der Grün Berlin bereits in dieser frühen Phase steht. Trotz der bisherigen Bürgerdialoge droht Streit mit den Anwohnern: Der geplante Parkplatzbau - laut Projektleitung eine Voraussetzung, um eine Genehmigung für Gastronomie zu erhalten - provoziert Widerstand von der Anwohnergruppe "pro Plänterwald". Wie eine Annäherung zwischen Planern und Bürgern aussehen soll, ist noch ungewiss und könnte viel Zeit kosten.

Geduld müssen alle Beteiligten aber ohnehin mitbringen: Die Bau-Hochphase wird laut Grün Berlin wohl nicht vor 2020 anbrechen. Damit das grüne Leuchtturmprojekt in der Zwischenzeit nicht vom Radar der Öffentlichkeit verschwindet, wird es ab Mai zwei Info-Pavillons geben, an denen sich Berliner und Touristen sowohl über die Geschichte als auch die Umgestaltung des Spreeparks informieren können.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2018 .

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