Grünbau-Talks 2018: Grüne Infrastruktur in Städten

Grün macht glücklich! Und erhöht die soziale Kooperation

Diskussionsrunde während der Grünbau-Talks: (v.r.n.l) Landschaftsarchitekt Stefan Jäckel, Katharina Mach von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur, Peter Menke von der Stiftung "Die grüne Stadt" und Mechthild Klett, verantwortliche Redakteurin Stadt+Grün. Foto: Ines Lauzat, Neue Landschaft

Wohnen und Infrastruktur, das sind die entscheidenden Themen unserer Zeit. So auch auf den anlässlich der Grünbau Berlin 2018 stattfindenden Grünbau-Talks in Berlin. Namhafte Referenten und rund 100 Teilnehmer diskutierten über die Lebensqualität in Städten, über Lebensräume der Zukunft und über langfristige Qualität von Wohn- und Freiraum.

Grün zur Chefsache machen

Gleich zu Beginn referierte der Psychiater und Stressforscher Dr. Mazda Adli über das Thema "Stress and the city - Warum Städte uns krank machen und trotzdem gut für uns sind". Der Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin leitet an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité den Forschungsbereich "Affektive Störungen". Das menschliche Gehirn sei nicht ideal auf das Leben in überfüllten Großstädten konfiguriert, so Adli. Das Risiko für Schizophrenie oder Angsterkrankungen sei bei Großstädtern doppelt so hoch wie bei Bewohnern ländlicher Gegenden. Soziale Dichte und Lärm führe zu Verhaltensänderungen, Reizbarkeit und zu früherer Sterblichkeit. Ebenfalls mache die soziale Isolation in den Großstädten krank. Daher ist es nötig protektive Faktoren, wie beispielsweise Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebote kontinuierlich auszubauen. Die grünen Disziplinen sind also in der Pflicht, das Gesicht der Stadt der Zukunft mitzugestalten. "Studien aus Baltimore belegen, dass eine hohe Baumkronendichte einer Stadt die soziale Kooperation und das Miteinander verbessert", erklärte der Stressforscher und betonte den positiven Einfluss von Grünflächen.

"Grün macht glücklich"

Baukultur und Grün müssen zur Chefsache gemacht werden", stellte auch Reiner Nagel, Vorstand der Bundesstiftung Baukultur, klar. Er ließ keinen Zweifel daran, dass Grün als zentrales architektonisches Element begriffen werden muss, um die Lebensräume der Zukunft zu gestalten und auch dem Klimawandel zu begegnen. Denn schließlich fordern die Deutschen mehrheitlich eine gute Infrastruktur und die Nähe zu Parks und Grünanlagen für ihre Wohnorte. Gleichzeitig mahnte Nagel den Mangel an Zustimmungsfähigkeit seitens der Politik an. Die Verwaltungen seien zudem nicht in der Lage, schnell umzusetzen, dass müsse sich ändern.

Der Stressforscher Dr. Mazda Adli berichtete über die positiven Auswirkungen von Grün auf die seelische Gesundheit. Foto: Ines Lauzat, Neue Landschaft

Synergien müssen auf allen Ebenen entwickelt und genutzt werden. Weiterhin forderte er eine bessere Zusammenarbeit von Naturschutz und den gestaltenden Disziplinen ein. Der Architekt und Stadtplaner wies aber eindeutig darauf hin, sich nicht allein auf die Städte zu konzentrieren sondern alle sozialen Räume sinnvoll einzubeziehen. Immerhin geben die Deutschen bei Umfragen an, am liebsten in ländlich geprägten Räumen leben zu wollen. Laut Baukulturbericht 2016/2017 waren das immerhin 45 Prozent der Befragten. Für eine Großstadt als bevorzugter Wohn- und Lebensbereich entschieden sich hingegen nur 21 Prozent der Befragten.

Vielfalt bei der Nutzung anstreben

Katharina Mach von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin und der Landschaftsarchitekt Stephan Jäckel zeigten an Beispielen, wie individuell und nachhaltig Wohn- und Lebensräume konzipiert werden können. Mach erklärte, dass die langfristige Qualität und eine vielfältige Nutzung von Wohn- und Freiraum fest in die Planung verankert seien. "Wir wollen keine Spitzen abdecken, sondern flächensparend bauen", so die Planerin. Quartiere sollten möglichst grün geprägt sein und eine geringe Bodenversiegelung aufweisen. Parallel muss die Infrastruktur unbedingt mit entwickelt werden. Vorrausschauend müsse geplant werden, so könne eine Hochgarage, im Falle einer autofreien Stadt, auch später anders genutzt werden.

Stellplatzfreie Straßenräume bieten Platz für Bewegungs- und Kommunikationsräume. Technische Notwendigkeiten können mit Freiraumqualität verbunden werden, zum Beispiel beim Regenwasser. "Freiraum braucht Identitäten", betonte Jäckel. Freiraumplanung brauche immer ein Thema, so kann gezielt für die Bewohner geplant werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen gerecht zu werden. Der Landschaftsarchitekt vom Berliner Büro ST raum a. plädierte für Robustheit von Grün- und Freiflächen und betonte, "Freiraumqualität muss nicht viel kosten".

ILa

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2018 .

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