Gründächer weltweit: Ein aktueller Überblick

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Auch das sind neue chinesische Bauten, Gebäude mit europäischen Abmessungen in der Metropole Hangzhou; diese sind sowohl an den Fassaden und auf den Dächern begrünt. Foto: Manfred Köhler

Begrünte Dächer werden in den letzten Jahren weltweit vermehrt gebaut. Die Gründe für diesen aktuellen Trend sind vielfältig: Mit einem relativ geringem finanziellen Aufwand kann die meist wenig genutzte Flächenreserve "Dach" entweder in eine grüne Oase oder in eine ökologische Ausgleichsfläche verwandelt werden, vielleicht sogar gleichzeitig in beides. Im Idealfall schonen begrünte Dächer auch den Geldbeutel der Eigentümer. Neuester Trend ist es, Dachflächen zum Anbau von Gemüse zu nutzen.

Eine indirekte Ersparnis bieten Gründächer durch die zusätzliche Wärmedämmung und dabei vor allem bei Entlastungen im Zusammenhang mit der sommerlichen Aufheizung sowie dem siedlungswasserwirtschaftlichen Entlastungseffekt (vgl. Koehler et al. 2012). Gründächer offerieren "Ökosystemdienstleistungen", hierzu gibt es aus einer Vielzahl von Ländern jetzt wissenschaftliche Erhebungen, die diese Effekte für unterschiedliche Klimaregionen quantifizieren.

Als Beispiel sei hier auf die wissenschaftliche Datenbank "sciencedirect" verwiesen. Unter dem Suchbegriff "Green roofs" sind etwa 500 wissenschaftliche Arbeiten aus den letzten zehn Jahren zu finden (sciencedirect.com/).

Trotz dieser großen Anzahl von Veröffentlichungen sind Untersuchungen mit regionalem Bezug weiterhin als Argumentationshilfen erforderlich um auch kommunale Entscheidungsträger zu überzeugen.

Historisches Wasserkonzept in Mandou City im Norden Indiens; hier befinden sich ca. 1000 Jahre alte Zisternen unter dem Gebäude, sie dienen der Gebäudekühlung, als auch der Bewässerung der (Dach-)Gärten. Foto: Manfred Köhler

Marina Bay Sands; wie ein auf einem Riff aufgelaufenes Passagierschiff thront der Dachgarten über einem Hotelkomplex. Foto: Manfred Köhler

Marina Bay Sands. Foto: Manfred Köhler

Die momentane Beliebtheit der Gründachforschung mag auch dadurch zu erklären sein, dass sich Gründächer gut untersuchen lassen und Stoffeinträge wie Austräge relativ einfach messbar sind. Trotz der vermeintlich vielen Ergebnisse ist das "Ökosystem Dach" in all seinen stofflichen Kreislaufprozessen noch lange nicht voll erforscht.

Es ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen, da viele Gründachgruppen bereits viele Jahre bestehen. Ein gewisser Rückblick kann auch die zukünftige Arbeit beflügelt.

Die Nordamerikanische Gruppe GRHC hat zu ihrer Jubiläumsveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen ein Buch herausgegeben, in der die für Nordamerika wichtigen "Gründachpioniere" aufgelistet sind. Diesem Vorbild könnte mit einem Länderüberblick gefolgt werden. Kurzgefasst auf jeweils wenigen Seiten die Entwicklung in den unterschiedlichen Ländern zusammen zu fassen.

In dem WGIN Netzwerk (www.worldgreenroof.org) sind mit dem Stand März 2013 insgesamt 26 nationale Verbände und nationale Einzelmitglieder sowie sieben Firmenmitglieder organisiert. Der Vorstand wird durch zwei Botschafter aus den USA und aus Dänemark unterstützt. Sofern national keine Organisation im "Sinne des typischen Vereinsrechtes besteht, sind Ansprechpartner für eine Übergangszeit als nicht stimmberechtigte Mitglieder benannt. Von einem gemeinsamen Austausch profitieren alle gemeinsam, gerade in der Diskussion mit konkurrierenden stärkeren Interessenvertretern anderer Disziplinen.

Die Idee, Gebäude zu begrünen ist in vielen Kulturen lange bekannt. Sie erlebte in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung, der parallel zur Umweltbewegung in den Städten, die Flächenressource "Dach- und Fassadenfläche" für Bepflanzung entdeckte. Forschungen hinsichtlich der ökologischen Vorteile trugen als Argumenten ebenso bei, wie die Faszination "über den Dächern einer Stadt im Grünen zu stehen".

Momentan profitiert die Gründachbewegung einerseits von dem regionalen Bezug, da eine Dachbegrünung nahezu auf allen Gebäuden möglich ist. Die Bedeutung wird häufig dadurch unterstrichen, dass Forscher und Planer aus ihrer Erfahrung in anderen Regionen und von möglichst fernen Plätzen der Erde berichten. Gebäudebegrünung verbindet - über geographische und politische Grenzen hinweg.

Schließlich ist es erstaunlich, was für unterschiedliche Lösungen mit dem gleichen Grundansatz verwirklicht werden können. Im nachfolgenden werden einige Stichworte zu ausgewählten Ländern exemplarisch hervorgehoben.

Entwicklung in Asien

In nahezu allen asiatischen Ländern gibt es einen intensiven Bauboom. Begrünte Dächer sind vielleicht noch nicht überall Standard, aber doch an ausgewählten Projekten vorhanden. Jedes dieser Länder hat Besonderheiten in der Bemühung um ökologisches Bauen, hier sollen exemplarisch einige Aspekte hervorgehoben werden.

China

Seit 1999 existiert die die nicht staatliche Organisation "ILRA - International Rooftops Landscaping Association", das Büro befindet sich in Peking. Im Zeitraum zwischen 2000 bis 2010 sind in verschiedenen Städten Begrünungsprogramme gefördert worden. Nach Angaben von IRLA sind es in diesem Zeitraum etwa 12 Millionen m² begrünte Dächer gewesen. Angaben zu einzelnen Städten (in Millionen m²): Chongqing 1,0, Shenzhen 1,2, Peking 1,2, Shanghai 1,2, Chengdu 3,1, um nur einige hervorzuheben.

Bekannt die die Bemühungen in Shanghai während der Expo. Unbekannt für Europäer ist, dass es auch innerhalb der einzelnen Stadtteile in Shanghai große Unterschiede in der Gebäudebegrünung gibt. Der Erfolg hängt nicht zuletzt von dem Engagement verantwortlicher Lokalpolitiker ab.

Insgesamt sind die Begriffe "Ökologisches Bauen", Green Building, Nachhaltigkeit und ähnliches jetzt allgegenwärtig bei neuen Projekten. Die Qualität der einzelnen Projekte ist sehr unterschiedlich, Es gibt aber zunehmend herausragende Beispiele, die hinsichtlich der Qualität auch deutschen Ansprüchen genügen.

Mit 1600 Teilnehmern bei dem letzten WGIN Kongress in Hangzhou ist die stärkste Teilnahme eines Gründachkongresses überhaupt zusammengekommen. Chinas enormer Baudruck, die große Anzahl aufstrebender Studierender und die relativ "genehmigungsfreie" Bauabwicklung führen zu einer für deutsche Verhältnisse unvorstellbare Schnelligkeit vom Entwurf bis zur Realität. Hangzhou ist hierfür ein gutes Beispiel; die in der Bauausstellung präsentierten Vorhaben waren bei der Rundfahrt überwiegend im "fast fertigen" Zustand zu bewundern. Als Orientierungsgröße, wie schnell dort Planungsprozesse ablaufen, lässt sich aus gegebenen Anlass abschätzen am Beispiel des Internationalen Airports Hangzhou; nur fünf Jahre vergingen von der Vorplanung bis zur Eröffnung des Flugbetriebs.

Beispielhafte Dachbegrünung auf dem Neubaukomplex Westgate in Bangalore, Fertigstellung 2012. Foto: Manfred Köhler

Pinnacle at Duxton, Sieben Hochhäuser, verbunden durch zwei „Skybrücken“; in 26. Stock für Gäste, im 52 Stock ausschließlich für Mieter des Gebäudes. Foto: Manfred Köhler

Urbaner Wald auf einem Gebäude in der Haupt-Einkaufszone, der Orchard road, etwa zwei Jahrzehnte alt, es wurde bereits 2001 als herausragender Dachgarten während des IFLA-Kongresses ausgezeichnet. Foto: Manfred Köhler

„Wetland Museum“ mit ca. 12.800 m2 großes Gründach großem begehbaren Gründach. Foto: Manfred Köhler

Die Entwicklung läuft schnell; Chinesen besinnen sich auf die lange Gartentradition des Landes. Auch wenn private Gärten für die meisten Chinesen unerreichbar sind, so entstehen aktuell auch Gartencenter nach Europäischem Vorbild, in dem anhand von Mustergärten auch kleinflächige, aufwändige Begrünungen für Dachterrassen, Innenraumbegrünungen und ähnlichem vorgestellt werden.

Anknüpfungspunkte für Deutsche Planer sind vielfältig und gerne gesehen. Noch sind die Arbeitslöhne niedrig, das heißt der bisherig praktizierte Pflegestil der Begrünungen an Einfallstraßen in die Großstädte wird nicht längerfristig auch nicht mehr realisierbar sein. Die chinesische Gesellschaft altert aufgrund der restriktiven Familienpolitik schneller als die Deutsche. Noch sind die erbauten Wohnen nahezu überall vermietbar. Abschwächendes Wirtschaftswachstum auf 5 % löst bei chinesischen Planern eine Debatte nach Wertigkeiten aus, die es in der ersten Boom Phase nicht gab. Die Chinesen haben schnell gelernt; seit der Gründung des chinesischen Landschaftsarchitektur-Verbandes im Jahre 2005 bis heute, sind nur wenige Jahre vergangen. Zu dem Gründungszeitpunkt gab es noch keine ökologische Planung, begrünte Dächer im Sinne einer Ausgleichsmaßnahme waren noch unbekannt.

Ökologische Themen, einschließlich der Gebäudebegrünung sind Lehr- und Forschungsthemen an den meisten einschlägigen Architekturfakultäten. Beispielsweise werden diese Themen an beiden Shanghaier Universitäten Tonji und Jaotong unterrichtet und sind mit Forschungsarbeiten untersetzt.

Die Verbreitung des Wissens läuft nicht zuletzt über jährliche Kongresse, der nächste wird im September 2013 in Nanjing stattfinden (www.greenrooftops.cn).

Indien

Auch in Indien gibt intensives Wachstum in den Städten. Innerhalb des WGIN-Netzwerks war es möglich 2010 und 2011 aus eigener Anschauung zwei Regionen und die Begrünungstagungen aus eigener Anschauung kennen zu lernen.

Der WGIN Partner ist seit 2010 das Indian Green Infrastructure Network (IGIN). Es ist eine NGO, die zunächst von einigen Firmenpartnern ins Leben gerufen wurde. Die noch kleine Organisation sah die Tagung in Bangalore als Auftakt, Universitäten für angewandte Forschungsfragen zu interessieren.

Auch in Indien gibt es eine lange Gartentradition mit Beispielen begrünter Dächer, die ca. 500 Jahre alt sind. Neuere, etwa 100 Jahre alte begrünte Wasserspeicher sind in vielen Großstädten zu finden. In den zahlreichen archäologischen Fundstellen im Lande gibt es Beispiele für die Nutzung der Verdunstungskälte im Rahmen der Gebäudeplanung - viele dieser alten Quellen bieten zahlreiche Anregungen für Neubauvorhaben.

Erstaunlich ist aber die schlechte Verankerung des ökologischen Gedankens bei den politischen Entscheidungsträgern. Bangalore wurde bewusst als Veranstaltungsort gewählt, weil es hier bereits eine Anzahl an Dach- und Fassadenbegrünungen gibt. Bangalore ist mit den über zehn Millionen Einwohnern ein großer aufstrebender Wirtschaftsraum, der mit vielen positiven Attributen, von "tropischer Blumenstadt", Paris des Ostens, IT-Zentrum Indiens, belegt ist. Für Besucher sind die planerischen Probleme innerhalb der Stadtplanung offensichtlich. Von Verkehrschaos bis zum Müllproblem sind vielfältige Herausforderungen vorhanden, von den lokalen Politikern werden diese Probleme weitgehend ignoriert.

Die Kluft zwischen den Vorzeigeprojekten, bei denen Dachgärten als Standard zu betrachten sind und den Einfachunterkünften sind gewaltig.

Herausforderung an Grünplaner aus Deutschland: Auch in Indien ist die Sympathie für Planer aus Deutschland groß. Ohne ortskundige Teampartner sind die planerischen Klippen nicht zu erkennen und zielführend zu lösen. Es gibt zwar hochwertiges Baumaterial, aber bei der Verarbeitung mangelt es an sachkundigen Handwerkern mit technischer Ausbildung. Die uns vorgestellten Projekte krankten in der Regel an Ausführungsdetails.

Im Bereich der Forschung sind einige Institute jetzt interessiert auch die ökologischen Herausforderungen stärker zu bearbeiten. Die Rahmenbedingungen sind nicht schlecht, die indische Flora ist reich an Arten zur Gebäudebegrünung, es gilt hier Demonstrationsvorhaben zu beginnen.

Singapur

Der kleine Stadtstaat ist im Hinblick auf die Gebäudebegrünung der "asiatische Musterknabe". Die Gesamtflächen von ca. 712 km² wird aktuell von etwa fünf Millionen Menschen bewohnt. Schon sehr früh wurde erkannt, dass Gebäudeoberflächen mit Begrünung einen "Gartencharakter" erzeugen können. Singapur ist nicht im Sinne einer westlichen Demokratie organisiert, das erleichtert in einigen Fällen die Entscheidung.

Bereits auf dem IFLA-Kongress 2001 wurden in mehreren Kategorien Dachgärten ausgezeichnet. Seitdem hat die Gebäudebegrünung weitere Fortschritte gemacht.

Die Mehrzahl der Bevölkerung wohnt in Mietwohnungen, die durch das "Housing development board" (HDB) verwaltet werden. Von dieser ministeriellen Einheit wurde einerseits einiges an Begrünungsforschung initiiert, als auch später in Planungshandeln übersetzt.

Ministerialgebäude in Tokio, mehr: Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism. Foto: Manfred Köhler

USA, 4 Jahrzehnte alter Dachgarten in Toronto, Architektin Cornelia Hahn-Oberlander. Foto: Manfred Köhler

Für die Parkanlagen als auch die öffentlichen Grünflächen ist das Center of Greenery and Ecology (CUGE) zuständig. CUGE organisiert Forschungsprojekte, Demonstrationsvorhaben, etwa im "Hortpark", entwickelt hieraus Leitfäden. Die angewandten Fragestellungen werden in zeitlich klar begrenzten Abschnitten untersucht, dokumentiert und in Bauprojekten umgesetzt.

Aktuell gibt es Richtlinien für folgende Fragestellungen: Dichtheit von Dichtungsbahnen (CS E05:2012), Bewässerung (CS E06:2012), Gründachpflege (CS E07:2012), noch nicht abgeschlossen ist ein genereller Standard (CS E, Skyrise Greenery series). Wissenschaftliche Untersuchungen werden in verschiedenen Fakultäten der National University of Singapur (NUS) durchgeführt. Als WGIN Ansprechpartner in Singapur fungiert Mr. Ho Wei Weng.

In Singapur sind diverse herausragende Projekte realisiert, von Pinnacle@Duxton, über Marina Bay Sands, sowie im Bereich der Extensivbegrünungen zahlreiche Extensivbegrünungen auf mehrgeschossigen Parkdecks, die im Bedarfsfall einfach zu entfernen sind um weitere Etagen zu ergänzen.

Im November 2013 ist eine weitere "Skyrise Greenery - Tagung" geplant. Die bisherigen Projekte erwecken schon den Eindruck, dass in Singapur die Möglichkeiten weitgehend ausgereizt sind. Der Stadtstaat erfindet sich häufig neu. Für Gäste soll ein durch Neubauten geprägtes Bild der Stadt präsentiert werden - das ist bisher gut gelungen. Singapur ist für neue Ideen aufgeschlossen.

Hongkong

Hongkong ist mit 1050 km² etwas größer als Singapur. Hiervon sind rund 25 Prozent sehr dicht bebaut, während die übrigen 3/4 der Fläche überwiegend Schutzgebiete sind. Die typische Gebäudehöhe ist aktuelle zwischen 25 und 50 Stockwerken. Bei diesen Gebäuden sind die Dachflächen in der Regel flach ausgeführt und dienen als Rettungsbalkons für die oberen Stockwerke im Evakuierungsfall. Sofern die Dachbegrünung nicht der Rettungsfunktion entgegensteht, ist hier eine Begrünung dieser Dachflächen zulässig.

Die "Gründachidee" wird in Hongkong seit 2005 durch Mitarbeiter der Universität von Hongkong vorangetrieben und führte zur Installation mehrerer Demonstrations- und Forschungsdächer auf Gebäuden der Universität. Dieser Gedanke ist seit 2006 von der Stadtverwaltung mit aufgegriffen und mit einer Machbarkeitsstudie für die Baustrukturen vorgestellt (Townsend, 2007). Bis zum Jahr 2008 waren bereits 68 Gründachprojekte realisiert. Bis 2010 sind 59 weitere hinzugekommen. Bis zum Jahr 2012 sind 62 weitere hinzugekommen. Die hier genannten Gründächer sind meist Extensiv Begrünungen. Einer wurde als Dachgarten sog. "Sky-Wood Land angelegt".

Begrünte Dächer und begrünte Fassaden sind jetzt feste Bestandteile von Neubau- als auch von Sanierungsprojekten. Nicht mitgezählt sind in dieser Auflistung "Plazadecks", meist mit Pflanzkübeln begrünte private oder öffentlich zugängliche "Fly-Overs", Verbindungskorridore über Straßen, Wohn- und Parkplatzanlagen.

Erwähnenswert ist auch das Programm, Gründächer für Schulen. Dieses wurde mit finanzieller Unterstützung einer Bank 2007 initiiert und ermöglichte die Begrünung von 14 Schulen. Dieses Programm hatte einen "Nachmacheffekt für weitere Schulen in anderer Trägerschaft, die ebenfalls entsprechend Begrünungen folgen ließen.

Das größte und auch öffentlich zugängliche Gründachs in Hongkong mit 12 620 m² befindet sich zurzeit im "Wetland Park Visitor centre". Erfreulich ist auch, dass ein neuer "Sky Woodland" zurzeit auf einer Metrostation im Bau im Bezirk New Town (Tseung kwan O) im Bau befindlich ist.

Seit 2006 sind an diesen Gründächern eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten durchgeführt worden, meist in der Arbeitsgruppe Jim durchgeführt worden; Prof. Jim ist auch die Kontaktperson zu WGIN; eine nationale Gründachorganisation gibt es zurzeit noch nicht.

Japan

Die geringe Kenntnis über entsprechenden Aktivitäten zur Gebäudebegrünung in Japan, liegen an dem geringen Übersetzungsgrad entsprechender nationaler Dokumente. Prof. Hajime Koshimizu ist seit 2007 der nationale Vertreter Japans im World Green Infrastructure Network (WGIN). Die von ihm mit initiierte erste nationale Organisation sky-front.or.jp hatte zu dem Zeitpunkt etwa 37 Firmenmitglieder. Nach Umbenennung firmiert diese Gruppe unter dem Titel Organization for Landscape and Urban Green Infrastructure, urbangreen.or.jp/ug/, sie hat zur Zeit etwa 200 individuelle Mitglieder, etwa 40 Vertreter aus diversen Städten sowie etwa 70 Firmenmitglieder (Stand Februar 2013). Dem zehnköpfigen Vorstand steht Hajime Koshimizu vor. Aktuell herausragende Themen sind die Photovoltaik auf den Dächern sowie der Gemüseanbau auf Dächern. Die Japaner sind bereit für etwa 4 m² Grabeland auf einem Dach über 1000 Euro jährliche Pacht zu zahlen. So würde sich auch die Anlage von parzelliertem Grabeland auf innerstädtischen Dächern für die Investoren rechnen. Ebenfalls in Diskussion ist es, in wie weit mittels Dächern die innerstädtische Biodiversität erhöht werden kann.

Auch in Mexico City gibt es etwa 100 Jahre alte Dachgärten auf dem Schloss Chapultepec. Foto: Manfred Köhler

Extensivdächer in Mexico City: die Sedumarten ähneln eher den Pfennigbäumen aus Südafrika, die Anzahl der Projekte liegt aber noch unter 100 in gesamt Mexico-City, obwohl seit etwa einem Jahrzehnt auch wissenschaftliche Nachweise zu ihrer ökologischen Funktionen durch die lokale Universität nachgewiesen wurden. Foto: Manfred Köhler

In vielen weiteren asiatischen Ländern gibt es Gründachorganisationen, so etwa in Korea; unter dem Vorsitz von Eunhi Lee haben sich etwa 100, vor allem Firmenpartner zusammengeschlossen. Frau Prof. Lee hat in Berlin Landschaftsplanung studiert. In Korea steht ist aktuell die Regenwasserbewirtschaftung mit Gründächern im Vordergrund.

Ein ähnliche Mitgliederstärke weist auch die Gruppe in Taiwan auf. Unter der Leitung von Dr. Nelson betreibt sie eine Verbandspolitik, die auf die Selbstständigkeit von China besonders bedacht ist.

Entwicklung in Nordamerika

Auf den amerikanischen Kontinent macht Green roofs for Healthy City (GRHC) mit der Entwicklung in Canada und den USA seit 2003 mit jährlichen Konferenzen auf die Möglichkeiten der Gebäudebegrünung erfolgreich aufmerksam.

Die eigene Aufstellung umfasst 23 Universität und Institute, die Effekte der Gebäudebegrünung seitdem wissenschaftlich untersuchen. Nachweislich sind bei "sciencedirect" allein aus diesen beiden Ländern etwa 200 peer reviewed wissenschaftliche Veröffentlichungen gelistet. Die Gruppe GRHC betreibt eine eigene Ausbildung zum "Green roof professional" sowie eine umfassende Lehr-Datenbank.

Es gibt in Anlehnung an die FLL-Richtlinie Untersuchungen zu Substraten, die vornehmlich an der Penn State University untersucht werden.

Die Entwicklung der Anzahl der begrünten Dächer in Nordamerika ist enorm, so lag die Fläche begrünter Dächer im Jahr 2004 noch unter 100 000 m², bis zum Jahr 2011 ist die jährlich begrünte Fläche 1 600 000 m² angestiegen (Erhebung der GRHC bei Ihren Mitgliedern im Jahr 2012, sie umfasst extensiv und Intensivbegrünungen sowie sogenannte Plazadecks, die mit der gleichen Technik gebaut wurden).

Man kann fast von einer kindlichen Euphorie für die Gebäudebegrünung sprechen. Ein Anreiz, mehr begrünte Dächer zu bauen resultiert auch aus dem angestachelten Wettkampfgeist zwischen den Großstädten. In den USA ist Chicago die "Stadt mit den meisten Gründächern", mit etwa ca.350 000 m². Diese wurden zwischen den Jahren 2004 und 2011 errichtet, (Angaben ebenfalls GRHC-Erhebung, 2012).

In mehr als 20 nordamerikanischen Städten existieren sehr unterschiedliche Förderprogramme, hierzu eine kleine Übersicht - Städtenamen und meist der Programmname unter dem das entsprechende Programm auf der jeweiligen städtischen Homepage mit weiteren Detailinformationen im Internet zu finden ist. Die Aufstellung umfasst auch das jeweilige Jahr, seit wann diese Regelungen in Kraft sind.

  • King County, WA, Green roofs, 2004
  • Portland, Or, Ecoroof, 2005, Clean river rewards 2006,
  • Minneapolis, MN, Stormwater, 2005
  • Chicago, Il, Green permit program, 2006
  • Port Cocuitlam, BC, Green roof regulation, 2006
  • Washington DC, Green roof rebate program, 2007,
  • Philadelphia, PA, Green roof tax credits, 2007,
  • Seattle, WA, Green factor 2007,
  • Richmond, BC, Green roof bylaw, 2008
  • Anne Arundel County, MD, Stormwater tax credit, 2008
  • NYC, Green building construction act, 2009,
  • Toronto, ON, Green roof bylaw and Eco roof incentive programe 2008,
  • Bloomington, IN, Unified development ordinance, 2009,
  • Ohio, Environmental protection agency green roof Loan programe, 2009
  • MilwaukeeWI, Metropolitan sewerage district regional green roof initiative, 2019,
  • Onondaga County NY, Green improvement fund, 2010,
  • Wisconsin, Vegetated roof systems guidelines, 2010,
  • Devans, MA, Policy for the construction of green roofs, 2011,
  • Austin, Tx, Green roof density bonus, 2011.

In Nordamerika gibt es alle Detaildiskussionen um begrünte Dächer und deren Möglichkeiten. Die große Herausforderung ist es, in einem Land mit derartig unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen, regional verbindliche Empfehlungen abzuleiten.

Die Geschichte der Gebäudebegrünung in den USA ist auch eine Geschichte von engagierten Personen; Steven Peck hat anlässlich des 10. Jahrestages der Gründachkonferenzen in den USA, ein Buch zu den wesentlichen "Gründach-Promotoren" in den USA zusammen gestellt (Peck, 2012).

Entwicklung in Lateinamerika

Seit Beginn von WGIN ist Tanya Muller, Mexico City, Vorstandsmitglied und Vizepräsidentin von WGIN. Mit dem Kongress 2010 hat sie nicht nur viele interessierte in ihre Heimatstadt geholt und die Gründach- und vor allem die existierende Living-Wall-Industrie einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt. Seit November 2012 ist Tanya Müller zur "Stadträtin für Umweltfragen in Mexico City ernannt. Das hilft der weiteren Verbreitung der Gebäudebegrünung in Mexico City. Gleichzeitig wurde auf dem Kongress ein Netzwerk zur Gebäudebegrünung in Lateinamerika gegründet.

Begrünungsorganisationen existieren darüber hinaus in folgenden Ländern und sind Mitglied im WGIN: Kolumbien, Brasilien und Chile. In Argentinien und Bolivien sind Einzelmitglieder zur Gebäudebegrünung aktiv.

Aktivitäten im Jahr 2013

Seit einigen Jahren gibt es weltweit jährlich eine Vielzahl, leider nicht sehr koordinierte Kongresse zum Thema der Gebäudebegrünung. In fast jedem der WGIN-Mitgliedsländer gibt es jährliche Veranstaltungen, die auch internationale Sprecher einladen. Der zweite Virtual summit 12. Februar bis 13. März 2013 eröffnete die Möglichkeit, sich mit internationalen Sprechern persönlich auszutauschen, ohne reisen zu müssen.

Im Jahr 2013 sind durch verschiedene Organisationen internationale Tagungen in Sheffield, Hamburg, Nantes, Nanjing, San Francisco und Singapur geplant (details, siehe: www.worldgreenroof.org/own-congresses.html)

Literatur

Köhler, M. 2012: Hangzhou wird von 1600 Besuchern gestürmt. Dach und Grün 4: 32-37. ISSN 0943-5271.

Köhler, M., Ansel, W., Appl, R. Betzler, F., Mann, G., Ottelé M., Wünschmann, S. 2012: Handbuch Bauwerksbegrünung. R. Müller Verlag, Köln, 250 S., ISBN 978-3-481-02968-5

Peck, S., 2012: The rise of the Living Architecture, GRHC, Toronto

Tan, P.Y., Sia, A., 2008: A Selection of Plants for Green Roofs in Singapore ISBN: 978-981-07-0052-2SGD31.92.

Tan, A., Chiang, K. 2009: Vertical Greenery for the Tropics ISBN: 978-981-08-3973-4SGD27.10.

Townsend, D. 2007: Study on Green Roof Application in Hong Kong - Final Report. Architectural Service Department. Hong Kong. 115 S.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2013 .

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