Frankfurt am Main

Grüne Dachterrasse mit Skyline-Blick

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In Frankfurt am Main prägen die Hochhäuser das Stadtbild ganz maßgebend. Wer eine Dachterrasse hat, kann den Ausblick zur Skyline genießen und wenn das eigene Paradies noch intensiv gestaltet und begrünt ist erst recht. Am Frankfurter Südbahnhof im Stadtteil Sachsenhausen kauften Bauherren eine Penthouse-Wohnung mit Außen- und Terrassenflächen. Da Grün nur in Form von Pflanzgefäßen über auf Stelzen lagernden Platten möglich und zum Schutz der Dachhaut erlaubt war, plante die Landschaftsarchitektin mit Gerüsten, Kästen, Töpfen und Kübeln.
Dachgärten Bauwerksbegrünung
Über den Dächern der Stadt. Die Ostterrasse, mit Blick zum Commerzbank-Turm, wurde das Wohnzimmer im Freien. Alle Elemente sind wasserfest. Foto: Thomas Herrgen

Dachgärten haben Konjunktur und schaffen dort Grün, wo sonst keines wäre. Das Beispiel mit drei grünen Terrassen an einer Frankfurter Neubauwohnung zeigt die besondere Atmosphäre in luftiger Höhe. Neben Grün in Pflanzkübeln wurde auch eine Fassadenbegrünung an der Giebelwand des Nachbarhauses realisiert. Das Ergebnis ist nicht nur gemütlich, pflanzlich abwechslungsreich und biodivers, sondern auch sicher. Denn über der obersten Etage herrschen teilweise enorme Winde und Verwirbelungen. Die aufgestellten Sonnenschirme sind daher ausreichend beschwert und schließen sich mit Hilfe von "Windwächtern" im Fall der Fälle automatisch.

Über den Dächern der Stadt

Im gründerzeitlich geprägten Stadtteil Frankfurt-Sachsenhausen, nahe des Südbahnhofs entstand vor wenigen Jahren die moderne Neubauzeile mit Eigentumswohnungen auf sechs Etagen. In der obersten Ebene realisierte der Bauträger Dachgeschosswohnungen im Penthouse-Stil, mit jeweils drei separaten Außenterrassen. Sie waren bereits zur Übergabe mit großen, auf Stelzen gelagerten Betonplatten im Rechteckformat und mit breiten Fugen befestigt worden.

Die heutigen Besitzer einer der Wohnungen zogen 2018 eine Landschaftsarchitektin zu Rate, um sich von der versierten Planerin ihr gewünschtes grünes Paradies grün gestalten zu lassen. Ute Wittich aus dem gleichnamigen Frankfurter Büro in Oberrad übernahm diese Aufgabe gerne und entwickelte für die untereinander nicht verbundenen Teilflächen mit insgesamt rund 115 m² den Entwurf, inklusive der Ausführungs- und Pflanzplanung.

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Dachgärten Bauwerksbegrünung
Auch die schmale, funktionale Südterrasse hat einen Ausblick, hier zum neuen "Henninger Turm" Foto: Thomas Herrgen
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Für alle geplanten Pflanzkübel und Verblendungen wurde das gleiche RAL-Weinrot, für einige auch ein RAL-Anthrazit gewählt. Foto: Thomas Herrgen
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Für alle geplanten Pflanzkübel und Verblendungen wurde das gleiche RAL-Weinrot, für einige auch ein RAL-Anthrazit gewählt. Foto: Thomas Herrgen
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Für alle geplanten Pflanzkübel und Verblendungen wurde das gleiche RAL-Weinrot, für einige auch ein RAL-Anthrazit gewählt. Foto: Thomas Herrgen

Grün in Kübeln

Da der vorhandene Plattenbelag zur Entwässerung und Unterlüftung auf Stelzen lagert, boten sich für die Begrünung darauf aufgestellte Pflanzkübel an. Die Landschaftsarchitektin entwarf unterschiedliche Quadrat-, Rechteck- und Halbrundformate, sowie einen elliptischen Kübel, die auf jeder der drei Terrassen den Rahmen für die grüne Grundausstattung liefern.

Zwei Gefäße auf der Westterrasse bilden zusammen mit einer Pergola und zwei knorrigen Weinstöcken ein grünes Tor. Eine Firma aus Bayern (www.gefaesserie.de) produzierte die Kübel aus Aluminium mit Farbpulver-Beschichtung, ausnahmslos als Sonderanfertigungen. Auch die beiden RAL-Töne in Anthrazit und Weinrot der Lackierung wurden von den Bauherren für das Projekt ausgewählt und abgestimmt. Mehr als 20 Einzelgefäße mit Wanddämmung und Dränschicht verteilen sich über die verschiedenen Außenbereiche.

Dachgärten Bauwerksbegrünung
Die Bepflanzung der Kübel, Kästen und Töpfe wurde für den Standort sorgsam zusammengestellt. Foto: Thomas Herrgen
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Einige wenige Kübel (vorhanden, Bestand), wie hier mit Oleander, wurden später noch auf der schmalen Südterrasse aufgestellt. Foto: Thomas Herrgen

Ein erweitertes Wohnzimmer

Die Ostterrasse ist bei circa 55 m² Grundfläche die mit Abstand größte der drei Einzelterrassen. Sie liegt am Wohn- und Esszimmer und kann über zwei Flügeltüren betreten werden. Zwischen Lounge-Ecke, Esstisch im Freien, Stehtisch mit Barhockern und dem großen Gasgrill fungieren die grünen Kübel mit verschieden großen Sträuchern wie Frühlingsduftblüte (Osmanthus x burkwoodii) oder Rispenhortensie (Hydrangea paniculata 'Pinky Winky') Gräsern und Stauden als Rahmung und Ausstattung.

Die Giebelwand des Nachbarhauses im Osten wurde mit Zierapfel-Spalieren (Malus 'Evereste') kaschiert, nachdem der Hausbesitzer dort seine Zustimmung gegeben hatte. Dazu stehen auf der Attika schmale lange Pflanzkästen, die seitlich noch von einzelnen Blumentöpfen unter anderem mit Rosen und Lavendel flankiert werden. Eine Verblendung im gleichen Rot wie die Kübel in den übrigen Bereichen kaschiert den Fuß der Konstruktion und stellt optisch die Verbindung her.

Funktionsraum und Ruheterrasse

Mit einer Tiefe von etwa 1,5 m und der sich über die gesamte Wohnungsbreite erstreckenden Länge von rund 16 m übernimmt die schmale Südterrasse viele funktionale Aufgaben. Am Geländer vor der Küche hängen Töpfe mit Kräutern, die schnell geerntet sind und zugleich verkocht werden können.

Vor dem Schlafzimmer wurde eine Klimaanlage platziert und kleine Teilbereiche dienen auch als Abstell- oder Lagerfläche, etwa für das Kaminholz. Quer an den Köpfen des langen Korridors stehen erneut rechteckige Pflanzkübel, die beispielsweise mit einer Hecke aus Efeu (Hedera helix 'Wörner') und Waldrebe (Clematis viticella 'Carmencita' und 'Pirko') als Sichtschutz zum Nachbarn bepflanzt sind. Mehrere nachträglich gepflanzte Oleander in den quadratischen Solitär-Kübeln dazwischen sind vor allem ein Blickfang für die Sicht von innen nach außen.

Die dritte Terrasse an der Westseite liegt vor den Schlafräumen und am Arbeitszimmer, begrenzt von der Wand zum Nachbarneubau. Die Breite von etwa 3 m zieht sich wie ein Teppich von der grünen Ecke mit dem kleinen Brunnen im Süden über die Pergola mit den zwei Weinreben (Vitis vinifera, Weiß: 'Phoenix', Rot: 'Blauer Portugieser') bis hin zu einer Harlekinweide (Halbstamm Salix integra 'Hakuro Nishiki') als Abschluss und Eyecatcher im Norden.

So ist der fast 12 m lange Raum gestalterisch etwa im goldenen Schnitt unterteilt. Unmittelbar gegenüber den Ausgangstüren sind Liegen mit kleinen runden Tischen platziert und an einer Wand fügt sich noch die Aufbewahrungsbox für Kissen und Auflagen ein.

Dachgärten Bauwerksbegrünung
Die Westterrasse liegt am Schlafzimmer. Der schmale lange Korridor ist reich bepflanzt und dient für kleine Auszeiten oder Ruhepausen. Der Blick geht zu den Hochhäusern in Sachsenhausen. Beide Weinstöcke wurden schon alt und knorrig gekauft und behutsam gepflanzt. Foto: Thomas Herrgen
Dachgärten Bauwerksbegrünung
Das "Weintor" besteht aus einer Stützkonstruktion (Schlosserarbeit), zwei Kreissegment-Beeten und der Bepflanzung. Foto: Thomas Herrgen
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Das "Weintor" besteht aus einer Stützkonstruktion (Schlosserarbeit), zwei Kreissegment-Beeten und der Bepflanzung. Foto: Thomas Herrgen

Unterpflanzung, Stauden, Zwiebeln

Die Begrünung war, insbesondere was die Gehölze betrifft, von vornherein mit großen Qualitäten geplant und die Bauherrin wünschte sich viel Blühendes und Farben, möglichst das ganze Jahr hindurch. Die beiden Weinstöcke wurden schon alt und knorrig eingekauft und gepflanzt, sie trugen gleich im ersten Jahr Früchte. Die meisten Sträucher lieferte die Baumschule in der Größe 2 x v. mDB und 40 bis 60 cm hoch. Eine Reihe von Exemplaren, wie die Hortensien, die Duftblüte oder ein "Himmelsbambus" (Nandina domestica) wurden bereits in Größen von 80 bis 150, einzelne Gehölze mit 175 cm Höhe bestellt und gepflanzt. So war gleich von Beginn an ein stabiles und gutes Gerüst vorhanden.

Hinzu kamen eine Reihe von Gräsern als Solitäre (Qualität P1 bis C5) für die Kübel, oder als Unterpflanzung und Begleiter wie das Fiedergras (Stipa tenuissima), das gelbgrün gestreifte Japangras (Hakonechloa macra 'Aureola') oder das strukturbildende Chinaschilf (Miscanthus sinensis 'Gracillimus'). Die weitere Unterpflanzung der Gehölze besteht aus mehr als 30 Staudenarten und Zwiebelpflanzen, darunter Kugel-Zierlauch (Allium aflatunense 'Purple Sensation'), Taglilien (Hemerocallis Hybride 'Crimson Pirate'), Ehrenpreis (Veronica longifolia 'Blauriesin') oder Salbei (Salvia spec.), Prachtscharte (Liatris spicata), Frauenmantel (Alchemilla mollis) und Fackellilien (Kniphofia uvaria 'Royal Standard') sowie diverse Sonnenhüte in verschiedenen Gattungen, Arten und Sorten.

Kein Wunder, dass Gartenarchitektin Ute Wittich bei der Pflanzenauswahl auch in die "Werkzeugkiste" der Präriestauden (s. auch Liste am Ende) gegriffen hat. Der Standort Dachterrasse ist exponiert und die Temperaturen liegen in Frankfurt am Main überdurchschnittlich hoch.

Mikroklima und Technik

Die sehr sonnige Dachlage bewirkt starke Trockenheit, auch durch vermehrte Winde im Vergleich zu einem Erdgeschoss-Garten. Deshalb werden alle Pflanzkübel über eine automatische Bewässerung (System Gardena) versorgt. Die Leitungen verlaufen im Hohlraum unter den Betonplatten. Die Steuerung ist zurzeit auf zehn Minuten täglich am Morgen eingestellt, kann aber auch manuell oder per Wetter App geregelt werden.

Dass eine grüne Dachterrasse auch Veränderungen, Ergänzungen oder Optimierungen erfährt, ist mit einem Garten auf gewachsenem Boden vergleichbar. "Grün ist immer auch ein Prozess oder Kontinuum", meinte die Wohnungsinhaberin, man lerne hinzu, nimmt weg oder fügt etwas ein. Und neben den in der Fassade bereits eingelassenen Lichtkörpern vervollständigen noch zahlreiche Spots in den Kübeln die rundum gelungene Atmosphäre auf den drei Dachterrassen auch abends und nachts, zusammen mit der Skyline im Hintergrund über den Dächern der Stadt.

Dachgärten Bauwerksbegrünung
Lichtspots in den Pflanzkübeln und -kästen sorgen das ganze Jahr für abendliche Atmosphäre. Im Dezember kommt u.a. noch ein Stern hinzu. Foto: Thomas Herrgen

Gehölze/Sträucher

  • Caryopteris clandonensis 'Blauer Spatz' (Bartblume)
  • Hydrangea paniculata 'Early Sensation' (Rispen-Hortensie, Sorte)
  • Perovskia abrotanoides (Blauraute/Silberbusch)
  • Rhododendron fortunei (Rhododendron, weiß blühend)
  • Syringa meyeri 'Josee' (Zwerg-Duftflieder, Sorte)

Stauden

  • Agastache foeniculum (Anis-Duftnessel)
  • Alcea Hybride 'Parkrondell' (Ausdauernde Stockrose, Sorte)
  • syn. Alcalthaea suffrutescens 'Parkrondell' (Halbstrauchige Stockrose, Sorte)
  • Aster amellus 'Veilchenkönigin' (Berg-Aster oder Sommer-Aster, Sorte)
  • Catananche caerulea (Blaublühende Rasselblume)
  • Centaurea montana (Berg-Flockenblume)
  • Ceratostigma plumbaginoides (Chinesischer Bleiwurz)
  • Coreopsis grandiflora 'Christchurch' (Großblumiges Mädchenauge, Sorte)
  • Dictamnus albus 'Purpureus' (Brennender Busch/Diptam, Sorte)
  • Eremurus robustus, E. stenophyllus (Riesen-Steppenkerze/Schmalblättrige Steppenkerze)
  • Helenium Hybride 'Moerheim Beauty' (Sonnenbraut, Sorte)
  • Heliopsis helianthoides var. scabra 'Venus' (Sonnenauge, Sorte)
  • Linum narbonense (Spanischer Lein, tlw. auch Französischer Lein)
  • Lythrum salicaria 'Robert' (Blut-Weiderich, Sorte)

Clematis u. Rosen

  • Clematis armandii 'Appleblossom' (Immergrüne Waldrebe, Sorte)
  • Clematis x jackmanii (Waldrebe Jackmanii, GB-Hybride)
  • Clematis viticella in den Sorten 'Aotearoa', 'Kommerei', 'Romantika', 'Tuczka', 'Vanessa' (Italienische Waldrebe, in versch. Sorten)
  • Rosa 'Neon', R. 'Topolina' (Beetrosen/Bodendecker-Rosen, in Sorten)

 

  • Bauherr: privat
  • Planung: Ute Wittich Gartenarchitektur, Frankfurt am Main, www.utewittich.de
  • Ausstattung: (Pflanzkübel, Wein-Pergola, Licht-Spots) www.gefaesserie.de
  • Pflanzenlieferung: www.neumann-pflanzen.de
  • Bauzeit: Herbst 2018, Fertigstellung im Oktober d.J.
  • Baukosten: ca. 40.000 Euro brutto (inkl. Beleuchtung u. Nachträge)
Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
Autor

Landschaftsarchitekt

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