Der Garten des Kulturinstituts
Grüner Teppich rund ums Städel
von: Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
Viele öffentliche Gebäude sind sowohl innen, als auch in den Außenräumen mit Kunstwerken ausgestaltet. Und bei einem Museum, das selbst Kunst beherbergt, verwundert es nicht, wenn vor dem Eingangsbereich und im Garten Skulpturen, Plastiken und abstrakte Werke stehen, die das Museum schon vor dem Betreten aufwerten.
Das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Main, kurz "Städel" genannt, hat in jüngerer Zeit die Architektur saniert beziehungsweise ergänzt, in diesem Zusammenhang auch die Außenbereiche umgestaltet und Kunst als Gestaltungselement und Erkennungsmerkmal eingesetzt. Die Rasenflächen im Umfeld spielen dabei eine maßgebliche Rolle.
Museum der Bürgerschaft
Das "Städelsche Kunstinstitut und Städtische Galerie", so sein offizieller vollständiger Name, ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands und Teil des Museumsufers der Mainmetropole. Es geht zurück auf die Bürgerstiftung von 1815 des Frankfurter Bankiers und Gewürzhändlers Johann Friedrich Städel (1728–1816). Er hatte per Testament verfügt, dass mit seinem Vermögen von ca. 1,3 Millionen Gulden ein Kunstinstitut gestiftet werden sollte. Dessen Auftrag war einerseits der Unterhalt und die Ausstellung einer öffentlichen Sammlung, andererseits die Ausbildung von Künstler:innen in der angeschlossenen Kunsthochschule; diese wurde später von der Stadt Frankfurt übernommen.
Beide Einrichtungen sind nach Ihrem Gründer "Städel" benannt. Der privaten Stiftung traten zahlreiche Bürger, andere Stiftungen und Unternehmen aus Stadt und Region bei. Das Städel lebt bis heute maßgeblich von deren großzügiger Förderung. Die Sammlung umfasst hauptsächlich Malerei, rund 3100 Werke vom Mittelalter über die Moderne bis zur Gegenwartskunst. Hinzu kommen die graphische Sammlung mit mehr als 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie gut 5000 Fotografien und – im Hinblick auf den Museumsgarten besonders wichtig – 660 Skulpturen.
Die Sammlung war anfangs provisorisch untergebracht und erhielt 1833 ein erstes eigenes Ausstellungsgebäude. Der Neubau und heutige Standort am Frankfurter Museumsufer wurde 1878 bezogen. Einige Skulpturen waren schon immer im Außenbereich platziert, bei der jüngsten Umgestaltung wurden sie nun neu inszeniert und um weitere Werke ergänzt.
Im rückseitigen Städel-Garten, der über dem unterirdischen Erweiterungsbau von 2012 liegt, waren zuletzt im Randbereich auch einige Skulpturen aufgestellt. Auf der zentralen Fläche können Wechselausstellungen stattfinden, wie 2023–2024 jene von Ugo Rondinone (geb. 1964), einem Schweizer Konzept- und Installationskünstler. [Ausstellung "Sunrise. East"]
NL-Stellenmarkt

Beete unter Rasenniveau
Die Neupräsentation der Skulpturen basiert auf einem Entwurf als Ergebnis eines Wettbewerbs / Gutachterverfahrens. Den ersten Preis im Januar 2018 erhielt das Büro Levin Monsigny Landschaftsarchitekten aus Berlin. Sie haben in der deutschen Hauptstadt unter anderem auch die Freiräume der berühmten Museumsinsel neu geordnet und gestaltet. In Frankfurt waren zudem Keller & Keller Landschaftsarchitekten aus Kronberg/Taunus für die Ausschreibung und örtliche Bauleitung hinzugeschaltet.
Im und am Städel wurden in letzter Zeit mehrere bauliche Maßnahmen realisiert. In diesem Zusammenhang sollte auch der Städel Garten mit insgesamt rund 5300 m² ein Update erhalten. Dazu gehörten nicht nur das Grün, sondern vorweg auch Umbauten in den Freianlagen. So sind jene Skulpturen, vorwiegend aus Bronze, die bereits zuvor im Außenbereich standen, nach ihrer Restaurierung nun auf neu errichteten eigenen Sandsteinsockeln aufgestellt. Sie stehen jeweils in quadratischen oder rechteckigen Flächen, die mit verschiedenen Efeu und weiß blühenden Pflanzen gefüllt sind.
Dabei blieb die Oberkante der Vegetationsfläche etwa 20 cm unter der Oberkante Rasen. Die Differenz wird von Corten-Stahlbändern als Einfassung abgefangen. Anfangs wirkten die Beete deshalb etwas "versunken", im Laufe der Zeit, durch das Wachstum, entwickelt sich die Pflanzendecke nach oben und schließt ringsum auf Höhe der sie umgebenden Rasenflächen ab. Der Sockel mit der jeweiligen Plastik ragt dann aus der Pflanzendecke hervor. Ein weiterer Vorteil im Hinblick auf Sommer-trockenheit im Klimawandel: Bei Regen kann sich Wasser gut in den tiefer liegenden Pflanzflächen sammeln und halten.
Das Museum beginnt schon außen
Vor dem Haupteingang des Städel Museums entstand ein großzügiger befestigter Vorplatz, der als zentraler Besuchertreffpunkt und bei großen Sonderausstellungen (Container, Werbeflächen, Zugangskontrollen u. ä.) als Logistik-Fläche dient. Der Platz sowie fast alle Wegflächen rund um das Museumsgebäude sind durchgehend mit Mayener Basaltlava (mehrformatige große Platten) befestigt.
Der Baustoff gehört in Frankfurt neben dem roten Sandstein zu den Traditionsmaterialien und -farben Schwarz und Rot. Andere Flächen und ein Sitzbereich erhielten wassergebundene Decken mit hellgrauer Splittabdeckung als Belag. Sitzgruppen, Stühle und Bänke aus Metall oder Kunststoff laden die Besuchenden ein, im neuen Städel Garten zu verweilen, zu lesen oder einfach den Blick auf die Skyline zu genießen.
Der neugestaltete Skulpturengarten gilt als "der erste Ausstellungsraum" des Museums, durch den man noch vor oder nach dem eigentlichen Besuch hindurch geht. Und er kann während der üblichen Öffnungszeiten von jedermann betreten werden, Eintritt frei!




Kunstwerke aus mehr als 100 Jahren
Im neuen Städel Garten sind nun herausragende Werke der Moderne und Gegenwartskunst zu entdecken. Präsentiert werden insgesamt 14 Skulpturen aus dem eigenen Bestand. Dabei ist die jüngste Erwerbung von Elmgreen & Dragset Si par une nuit d'hiver un voyageur (2017) erstmals zu sehen.
In einem neuen Ambiente verdeutlicht die Auswahl an Kunstwerken von August Gauls Der Eselreiter (1912), Georg Kolbes Verkündung (1912/1913) über Reg Butlers Figure in Space (1958/1959), Per Kirkebys Tor II (1987–1991) bis hin zu Tobias Rehbergers Capri Moon (2011) die Entwicklung der Bildhauerei in den letzten 110 Jahren.
Philipp Demandt, Museumsdirektor des Städel, sagte 2022: "Der neue Skulpturengarten wird weit mehr sein als "nur" ein Garten. Er wird nichts weniger als der erste Raum des Städel Museums sein. Wenn Sie künftig durch das Tor treten, stehen Sie nicht mehr vor dem Museum, sondern bereits mitten drin!"
Nachhaltige Beregnungstechnik
Um Ressourcen zu schonen und vor allem den Verbrauch von Trinkwasser einzusparen, wurden zwei Zisternen für die Regenwassergewinnung von Dach- und Belagsflächen eingebaut. Die Bewässerung der Grünflächen des Gartens – mit Regnern für die Rasenflächen und Tropfrohren für die Beete – erfolgt aus diesen Reservoirs.
Im Zuge dieser Arbeiten wurden auch die Abwassersysteme mit Rinnen, Schlitzrinnen und Punkteinläufen erneuert. Am Haupteingang des Museums, mit einer großen Freitreppe, entstand zudem ein barrierefreier Zugang mit Aufzugsanlage, mit der mobilitätseingeschränkte Besucher:innen das Städel gut erreichen können.
Und schließlich wurde vor der historischen Fassade, die zum Mainufer hin ausgerichtet ist, eine energiesparende, klimaschützende LED-Beleuchtung eingebaut. Schon 2019 war die Fassade aufwendig restauriert und mit neuen Fenstern ausgestattet worden. Als weiteres Vorhaben wurde seit August 2023 eine Besucherterrasse auf dem Dach des Städel Museums gebaut, die nun fertiggestellt ist und für neue Eindrücke und Erfahrungen sorgt.



Bäume, Beete, Pflanzung
Die Bauarbeiten nahmen die Planer:innen auch zum Anlass, den Gehölzbestand, teilweise noch von 1878 zu bewerten und im Zuge der Neuordnung zu ergänzen. Insgesamt wurden vier Amberbäume (Liquidamber styraciflua) und drei Japanische Schnurbäume (Styphnolobium japonicum) in großen Qualitäten gepflanzt, teils als Hochstämme, teils mehrstämmig. Diese Gehölze geben mit ihrem Laub einen schönen flirrenden Schatten und der malerische Wuchs, vor allem der Mehrstämmer fügt sich gut in die kunstvolle Outdoor-Ausstellung ein.
Die tiefer liegenden "Efeufelder" sind flächig mit drei verschiedenen Hedera Arten beziehungsweise Sorten bepflanzt. Neben dem Gemeinen Efeu (Hedera helix) sind dies die Sorten 'Baltica' (Baltischer Efeu) und 'Glacier' (Weißgrüner Efeu). Bereiche innerhalb der Efeudecke sind zur Akzentuierung zusätzlich mit Rosen, Stauden, Gräsern und Zwiebeln bepflanzt. Dazu gehört unter anderem (teilweise abweichend vom Pflanzplan) die seidig weiß blühende Beetrose 'Margaret Merril', das Gestreiftblättrige Reitgras (Calamagrostis x acutiflora 'Overdam'), die Herbst-Anemone (Anemone japonica 'Honorine Jobert'), der Riesen-Zierlauch (Allium giganteum) oder die elfenbeinweiß blühende und duftende Trompeten-Narzisse (Narcissus 'Mount Hood').
Das Pflanzkonzept mit quadratischen und rechteckigen Flächen wiederholt die übergeordneten Formen der Großbeete und Skulpturensockel.



Rasenteppich mit Outdoor-Ausstellungen
Besondere Rasenformen werden temporär oder dauerhaft, auch im öffentlichen Raum angelegt. Beim unterirdischen Erweiterungsbau des Städel-Museums wurde dem gewölbten Dach mit runden Fenstern ein grüner Teppich aus Fertigrasen aufgesetzt.
Die grüne "Skulptur" ist begehbar und frei zugänglich. Die unterschiedlich großen Bodenfenster verstärken durch eine optische Täuschung den Eindruck, von innen/unten würde die Decke nach oben gedrückt und sich daher aufwölben. Besucher:innen des Museums und andere Passant:innen nutzen die schrägen Rasenflächen gerne zum Sonnenbaden. Sie werden mittels Kurzschnitt und automatischer Bewässerung gepflegt.
Die erste temporäre Ausstellung auf der Rasenfläche im rückwärtigen Städel Garten wurde 2023 von Ugo Rondinone gestaltet. Er verwandelte den Bereich rund um den Hügel über den Gartenhallen in eine sonderbare Landschaft.
Bei seiner Werkgruppe "sunrise. East". (2005) war jedem Monat ein Kopf mit charakteristischen und stark reduzierten Gesichtszügen zugeordnet. Sie standen im Kreis rund um die Aufwölbung im Garten, überlebensgroß und aus silbern glänzendem Aluminium. Die etwa 2 m hohen Skulpturenköpfe sind ganz auf ihre Mimik reduziert. Mit aufgerissenen Mündern blicken sie aus kleinen Augen von freundlich naiv über skeptisch und überrascht bis hin zu schaudererregend.
Die Besucher:innen des Städel Gartens konnten allen zwölf Wesen – und damit sinnbildlich allen Monaten – von Angesicht zu Angesicht begegnen und die unterschiedlichen Freuden, Widrigkeiten und Emotionen eines ganzen Jahres im Schnelldurchlauf erleben.
Die temporären Ausstellungen – in unregelmäßigem Turnus - ergänzen von Zeit zu Zeit den dauerhaften Skulpturengarten vorne. Beides zusammen wird dann zum Gesamtkunstwerk, eingebettet in den neuen grünen Rahmen, mit Rasen als verbindendem Element.
Bei den letzten Baumaßnahmen am Gebäude gab es zudem auch Ergänzungen der Architektur. So wurde auf dem Städel-Dach eine neue Besucherterrasse mit einem inneren Zugang über Wendeltreppen errichtet. Von diesem Roof-Top aus hat man einen grandiosen Ausblick zur Frankfurter Skyline.
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