Vor neuer Tarifrunde im GaLaBau

IG BAU fordert mehr Geld für Landschaftsgärtner, Angestellte und Auszubildende

In den Mittelpunkt der Tarifverhandlungen will die IG BAU eine Lohnerhöhung von einem Euro pro Stunde für alle gewerblichen Arbeitnehmer im GaLaBau stellen. Foto: Moritz Lösch/ Neue Landschaft

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat die Entgelttarifverträge für den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau fristgemäß zum 30. September gekündigt. Sie forderte zugleich mehr Geld für die Beschäftigten im GaLaBau. Ihre Forderungen fallen in diesem Jahr etwas höher aus als in der Tarifrunde 2016.

In den Mittelpunkt der Tarifverhandlungen will die IG BAU eine Lohnerhöhung von einem Euro pro Stunde für alle gewerblichen Arbeitnehmer im GaLaBau stellen. Auf den Ecklohn bezogen entspricht das einer Lohnerhöhung von 6,6 Prozent. Die Gewerkschaft fordert jedoch bewusst eine Erhöhung von einem Euro pro Stunde für alle. "Es ist notwendig, dass die unteren Lohngruppen ein höheres Einkommen erhalten, damit ihre Rente später zum Leben reicht", erläutert Dietmar Schäfers, stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU und in Tarifrunden Verhandlungsführer der Gewerkschaft. "Wir haben ausgerechnet, dass für einen Beschäftigten in den Lohngruppen 7.5 bis 7.6 die Rentenhöhe, die sie bis zum Renteneintrittsalter erreichen können, etwa 780 bis 860Euro im Monat betragen." Es sei klar, dass die Gewerkschaft hier ansetzen müsse.

Streichung der Lohngruppe 7.6

Aus genau diesem Grunde will die IG BAU auch die Lohngruppe 7.6 streichen. Mit 9,65 Euro ist sie die am schlechtesten bezahlte Lohngruppe im GaLaBau. Entfällt sie, bedeutete das für die mit "einfachsten, schematischen Arbeiten" betrauten Arbeitnehmer eine Lohnanhebung um 1,82 Euro. Sie rutschen dann automatisch in die Lohngruppe 7.5 für Beschäftigte mit "einfachen Arbeiten". Wenn der GaLaBau eine innovative, auf Zukunft und Nachhaltigkeit orientierte Branche sein wolle, könne er sich eine Lohngruppe, die schematische Arbeiten vorsehe, auch gar nicht leisten, sagt Schäfers: "Das ist doch regelrecht imageschädigend. Deshalb müssten auch die bestehenden Unterschiede zwischen Ost und West durch weitere Maßnahmen abgebaut werden."

Die IG BAU will die Lohngruppe 7.6 streichen: Für eine innovative Branche sei sie "regelrecht imageschädigend", so der stellvertretende Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. Foto: IG BAU/ Paul Schimweg

Quelle: IGBAU; Grafik: Neue Landschaft

Nutzen von der Lohnrunde 2017 sollen auch die technischen und kaufmännischen Angestellten im Garten- und Landschaftsbau haben. Die IG BAU fordert für sie ein Gehaltsplus von 169 Euro im Monat. Ihre Gehaltserhöhung entspräche damit jener der Facharbeiter. Denn die durchschnittliche Arbeitszeit eines Angestellten im GaLaBau beträgt 169 Stunden im Monat. Setzte sich die Gewerkschaft mit ihrer Forderung durch, erhielten sie künftig jeweils einen Euro pro Arbeitsstunde mehr.

Abschaffung der Lohngruppe 4,2b

Entfallen soll nach Wunsch der Gewerkschaft auch die Lohngruppe 4.2b. Darunter werden bisher Landschaftsgärtner in ihren ersten 18 Monaten nach bestandener Abschlussprüfung verstanden. Weil sich die Nachwuchskräfte zunächst in die betrieblichen Abläufe integrieren müssen, werden sie geringer bezahlt. Beim Ecklohn sind das rund fünf Prozent. Diese Eingruppierung will die IG BAU nicht länger mittragen. Der betrieblichen Integration von Nachwuchskräften diene bereits das dritte Lehrjahr, das einen Schwerpunkt im Ausbildungsbetrieb setzt. Dafür stehe die Gewerkschaft mit ihrer Unterschrift unter dem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die Berufsbildung. Nun gelte es, daraus die richtigen Konsequenzen für die Löhne zu ziehen. Dietmar Schäfers hält die aktuellen Lohnforderungen für berechtigt. Die Konjunkturlage sei anhaltend gut. In den vergangenen fünf Jahren seien der Branchenumsatz und die Anzahl der GaLaBau-Beschäftigten ständig gestiegen. Bei Löhnen und Gehältern seien die Arbeitgeber demgegenüber "relativ zögerlich geblieben". Der Lohn im Garten- und Landschaftsbau sei deutlich niedriger als im Baugewerbe. "Nun gilt: Das Stück vom Kuchen muss größer werden", sagt Schäfers. Deutschland müsse sich von einem hochtechnisierten Billiglohnland zu einem hochtechnisierten Normallohnland entwickeln.

85 Euro monatlich mehr für Azubis

Bei den Ausbildungsvergütungen im Garten- und Landschaftsbau steht ein neuer Tarifvertrag kurz vor dem Abschluss. Der alte Vertrag gilt nur noch bis zum Ende dieses Monats. Die IG BAU verlangt, den Azubis ab August in jedem Ausbildungsjahr 85 Euro mehr pro Monat zu zahlen. Abgeschafft gehöre sowohl die unterschiedliche Ausbildungsvergütung für zweijährige Ausbildungen als auch die unterschiedliche Vergütung nach Lebensalter. Schäfers pocht dabei nicht nur auf das Gleichstellungsgesetz. Jugendliche lebten heute früher in einer eigenen Wohnung als in der Vergangenheit. Auch wenn sie noch zuhause lebten, erwarteten die Eltern zu Recht einen angemessenen Beitrag zum Haushaltseinkommen. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 07/2017 .

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