Ausgegraben

In keiner anderen Großstadt

…Europas nisten so viele Nachtigallen pro Quadratkilometer wie in Berlin. Letztes Jahr waren es 1300 bis 1700 Brutpaare. Die Population wächst jährlich um 6 Prozent. „Wir glauben, dass die Nachtigallen wegen der ungepflegten Grünflächen und verwilderten Parks nach Berlin kommen“, sagte die Biologin Silke Voigt-Heucke, Leiterin des Projekts „Forschungsfall Nachtigall“, dem Auslandsrundfunk „Deutsche Welle“. Was für ein schönes Kompliment für die Hauptstadt.

Irgendwie erinnert mich die Aussage der Forscherin an den Spruch „Berlin ist arm, aber sexy“. Nur dass es hier nicht um die Landesfinanzen der Millionenmetropole geht, sondern um den Zustand seines Stadtgrüns. Aber mittelbar haben die ungepflegten Grünflächen dann doch wieder mit Geld zu tun. Es fehlt der Stadt nämlich an Mitteln, um ihre Parks in Schuss zu halten.

Die Landschaftsgärtner kann das nicht freuen. Der Investitionsstau beim Grün betrifft auch sie. Nur dass sie darüber nicht jubilieren wie die Nachtigallen. Etwas Hoffnung verstreute kürzlich Bundes-Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle: „Was in der Förderung bislang fehlen mag, ist die Pflege der Grünflächen“, sagte sie im Interview mit der Neuen Landschaft. Darüber müsse man sich Gedanken machen. Wenn dann eines Tages nicht mehr so viele Nachtigallen in Berlin nisten, ist irgendetwas richtig gelaufen.

Christian Münter

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2019 .

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