Weltkongress Gebäudegrün 2017 in Berlin

Innovative Lösungen für ein lebenswertes urbanes Leben

Über 800 Teilnehmer aus 44 Ländern kamen nach Berlin, um über die Potenziale von Dach- und Fassadenbegrünungen im urbanen Raum zu diskutieren. Foto: FBB

Klimaerwärmung und wachsender Zuzug in die Metropolen der Welt verlangen nach neuen Lösungen für die urbanen Räume weltweit. Die Zukunft des städtischen Umfelds war Thema des Weltkongress Gebäudegrün, der vom 20. bis 22. Juni 2017 in Berlin stattfand. Über 800 Teilnehmer aus etwa 44 Ländern waren in die Hauptstadt gekommen. Die derzeitige und weiterhin wachsende Verdichtung der Städte verlangt nach Kompensation des Verlusts an grünen Flächen. Neben dem Schaffen und Erhalten von Parks und Gartenanlagen kann die Begrünung von Gebäudeflächen Abhilfe schaffen. Dach- und Fassadenbegrünungen werden daher immer populärer.

Vorteile und Leuchtturmprojekte des Gebäudegrüns

Das Grün am und auf dem Gebäude schafft zahlreiche Vorteile. Eine Wein-bewachsene Wand beispielweise bleibt bei sommerlich-heißen Temperaturen um einige Grad kühler als eine unbegrünte Wand. Oder je nach Wahl der Pflanzen erhöht sich die Biodiversität am Gebäude: Bienen, Käfer und weitere tierische Gesellen bereichern den Wohnraum des Menschen.

In verschiedenen Themenblöcken wurden diese und weitere Themen während der drei Kongresstage von über 100 internationalen Garten- und Landschaftsspezialisten erörtert: Neben der Förderung von Gebäudebegrünung und gesetzlichen Rahmenbedingungen, präsentierten die Referenten derzeitige State-of-the-art-Projekte weltweit, Fragen rund um die Regenwasserbewirtschaftung, Vorteile für die Biodiversität, Besonderheiten der Innenraumbegrünung, Pflege und Wartung von Gebäudegrün sowie Kosten-Nutzen-Fragen. Eines der eindrucksvollsten Projekte stellte das Wiener Landschaftsarchitektenduo Professor Maria Auböck und János Kárász vor: das Pschorr-Haus in der Münchner Innenstadt. Nach außen durch Glasfassade bestechend eröffnet sich den Kunden der im Gebäude liegenden Geschäfte und den Bewohnern der Penthäuser im oberen Stockwerk eine faszinierende grüne Landschaft im Innenhof, die vom Erdgeschoss bis hin zum Dachgarten reicht. Innovative Begrünung an den Innenfassaden, exotische Pflanzen wie japanischer Ahorn, ein dreistöckiges Gewächshaus und eine intelligente Lösung zwischen Begrünung und Sonnenkollektoren schaffen eine faszinierende und wohnlich angenehme Atmosphäre im städtischen Innenraum.

Biodiversität durch Dachbegrünung

Angesichts des Artensterbens war der Vortrag von Dr. Stephan Brenneisen von der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) aufschlussreich. Denn er demonstrierte eindrucksvoll, wie sehr Dachbegrünung die Biodiversität unterstützt. Allein 175 verschiedene Pflanzen- darunter neun Orchideenarten finden sich auf dem seit über 100 Jahren begrünten Dach des Seewasserwerks in Wollishofen in der Schweiz. Auch seien nicht mehr nur einfache Pflanzen und Tiere auf begrünten Gebäudeflächen generell zu finden, sondern immer mehr auch anspruchsvollere Arten. Ein Indikator dafür sei, wie Brenneisen erläuterte, die Anzahl an Käferarten, die sich auf begrünten Flächen finden. Eine wiesenartige Dachbegrünung zeigte allein 80 verschiedene Arten. Zur Überzeugung der vielleicht noch skeptischen Zuhörer reichte der Referent eine Kiste mit Käfern durch das Auditorium.

An den zwei Konferenztagen gab es in fünf Vortragsräumen parallel 98 Referate zu hören, und 49 Aussteller rundeten das Programm ab. Foto: Neue Landschaft

Projektbeispiele von Frankfurt bis Shanghai

Eine Tour d'Horizon durch weltweit herausragende Beispiele von Gebäudebegrünung unternahm die Amerikanerin Linda Velazquez von Greenroofs.com. Ihre Beispiele demonstrierten innovative Nutzungsformen wie im Skyline Plaza in Frankfurt, wo die Gäste auf dem Dach eine regelrechte Park-und Terrassenlandschaft vorfinden oder urwüchsige Begrünungen wie Greendo in Japan, einer grünen Terrassenhausanlage. Besonders eindrucksvoll sind das Hotel Santo Domingo in Madrid, das einen 20 m hohen Wasserfall und acht fünfmeterhohe Baumarten beherbergt, oder das Novartis Building in Shanghai mit grünen Dächern, die wie Origami anmuten.

Interessant für Garten- und Landschaftsbauunternehmen waren die Vorträge zur Pflege und Wartung von Gebäudebegrünungen. Hier wurden die wichtigsten Parameter des Pflegemanagements zur Erhaltung von Innenraum- und Fassadenbegrünung sowie Besonderheiten bei der nachhaltigen Pflege von Dachbegrünungen zum Erhalt deren Funktionsfähigkeit unter anderem von Dr. Barbara Jäckel, Pflanzenschutzamt Berlin, und von Landschaftsarchitekt Bernd W. Krupka diskutiert.

Zukunftsweisend sind die Förderungsmöglichkeiten für grüne Projekte in unterschiedlichen Städten oder durch die Europäische Union, das Potenzial für nachhaltiges und umweltfreundliches Bauen und das Zusammenspiel von Dachbegrünung und Photovoltaik.

Gründächer als Klimapuffer

Ein weiterer großer Themenkomplex war die Regenwasserbewirtschaftung und deren derzeitige Möglichkeiten gezeigt an internationalen Beispielen aus China, den Niederlanden oder Großbritannien. Die vielfältigen Vorteile und Auswirkungen von Gebäudebegrünung auf Klima und Wohnqualität im Haus stellte Dr. Nicole Pfoser von der TU Darmstadt vor. Fassadenbegrünung unterstütze die Einsparung von Kühlkosten, reduziere den Wärmedurchgang im Gebäude und damit dem Verbrauch an Primärenergie, führe zur Einsparung von Kühlenergie und von Fassaden- und Dachmaterialien. Eine wesentliche Erfolgsgrundlage der Gebäudebegrünung sei eine interdisziplinäre Vernetzung von Bau- und Begrünungstechnik, Botanik und Architektur. Der Kongress in Berlin verbinde zahlreiche Aspekte miteinander, wie der Präsident der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), Dr. Gunther Mann, unterstrich.

Meilensteine der Imageförderung

Neben der Wissensvermittlung und dem übergreifenden Erfahrungsaustausch zwischen Vertretern aus Politik, Architektur, Forschung und der Immobilienbranche stehe die Imageförderung für die Gebäudebegrünung im Zentrum der Veranstaltung. Erste Meilensteine dieser Imageförderung sind Initiativen wie die Verbandsübergreifende Allianz Bauwerksbegrünung und die "Bundesweite Strategie Gebäudegrün" der FBB.

Andrea Brill

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 07/2017 .

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