Der Kommentar

International Business and Management

von

Mein Sohn studiert bei Airbus" hat mir kürzlich, nicht ganz ohne Stolz, ein Landschaftsbauunternehmer auf die Frage, was die Kinder so machen, geantwortet. Mit einem Satz hat er ein klares Studien- und Berufsbild seines Zöglings beschrieben. Anspruchsvolles duales Ingenieurstudium in einem Weltkonzern, mit Aufstiegschancen bis in siebenstellige Gehälter und Jobaussichten auf der ganzen Welt. Anderswo höre ich von Studiengängen, die International Business and Management heißen, vormals BWL, heute aber mit zwei Semestern, wahlweise in den USA, Südamerika oder Fernost.

Was den jungen Menschen und häufig auch den Eltern immer wichtiger wird, ist das Image eines Berufsbildes, eines Studiengangs - und vor allem, wie es bei den Freunden ankommt. Objektiv ist der Beruf als Arzt eine ziemliche Plackerei mit außergewöhnlich hoher Verantwortung. Das Studium ist extrem verschult und, vermutlich zu Recht, sehr schwer. Trotzdem strahlen alle, wenn endlich das Medizinstudium aufgenommen werden kann, selbst wenn der Nachwuchs vor dem heimischen Numerus Clausus bis nach Ungarn flieht.

"Meine Tochter studiert Landschaftsbau und macht vorher eine Lehre als Gärtnerin." Klingt das für Sie auch so gut wie "Airbus" oder "Business Management"? Dass die jungen Menschen unseren Berufszweig als Traumberuf sehen, darf bezweifelt werden. Neben den weichen Faktoren der Berufswahl kommen noch einige harte Negativfaktoren hinzu. Nach Tarifvertrag liegt das Einstiegsgehalt "T 3 West" aktuell bei 3.136 Euro.

Ein Ingenieur fängt im Bauunternehmen als Bachelor mit rund 3852 Euro und als Master mit 4281 Euro an. Auch der Höhepunkt der Karriere im Landschaftsbau ist nach Tarifvertrag nicht überwältigend. Die Gehaltsgruppe "T 7 Gartenbautechnische Angestellte", die selbständig die Leitung eines größeren Betriebes mit durchschnittlich mehr als 60 Beschäftigten übernehmen, bekommen nach Tarif 4.861 Euro. Dafür wird sicher niemand diesen Job machen. Zum Vergleich hat im öffentlichen Dienst ein Bachelor - je nachdem, ob Bund, Land oder Kommune - in der höchsten Stufe 6 monatlich zwischen 5009 Euro und 5242 Euro und als Master sogar zwischen 5622 Euro und 5842 Euro.

Auch wenn an vielen Stellen überbetriebliche Zahlungen und andere Gratifikationen vereinbart werden, bleibt der große Abstand im Tarifvertrag zu anderen Branchen, die auch außer Tarif zahlen. Nicht zuletzt gibt es in den wenigsten Betrieben echte Karrierechancen. Über dem Bauleiter kommt schon der Inhaber. Alles Gründe dafür, dass aktuell so viele Ingenieure in den Tiefbau oder öffentlichen Dienst wechseln.

Der Berufsstand des GaLaBaus ist im Moment außerordentlich erfolgreich. Auch die Anwerbung von Auszubildenden ist im Vergleich mit anderen Fachrichtungen des Gartenbaus vorbildlich. Was dem Landschaftsbau allerdings fehlt, ist eine Akademisierungsstrategie für Führungskräfte. Das fängt an mit einem marktgerechten Tarifvertrag für Ingenieure, getrennt nach Bachelor und Master, geht über zeitgerechte Arbeitsbedingungen und endet beim Aufzeigen von Karrierewegen. Die Akademisierung und Positionierung von Ingenieuren ist ein Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Das ist in guten Zeiten viel leichter als in schlechten.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2019 .

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