Italiens größtes Flussrenaturierungsprojekt am Po abgeschlossen

Das bislang größte Renaturierungsprojekt eines italienischen Flusses ist abgeschlossen: Das Mammutvorhaben am Po wurde mit 357 Millionen Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds PNRR finanziert und umfasste dreizehn Großbaustellen in den Regionen Piemont, Lombardei, Emilia-Romagna und Venetien. Die Ergebnisse wurden zum Sommerbeginn von Interregionalen Agentur für den Po (AIPo) in Parma vorgestellt.
Flussauen Biodiversität
So wie in der Lagunenlandschaft des Po-Deltas kann es auch in den renaturierten Bereichen des norditalienischen Flusses wieder aussehen. Foto: Mario Fornasari, Flickr, CC BY 2.0.jpg

Die Bilanz des Projekts ist beeindruckend: Auf einer Gesamtlänge von 37 Kilometer wurde die Breite des Flussbetts wiederhergestellt, über 440 Hektar Wald wurden durch die Pflanzung von 561.500 Bäumen angelegt und aufgewertet. Zu den durchgeführten Maßnahmen zählen der Rückbau künstlicher Schifffahrtsbauwerke, die Wiedereröffnung von Seitenkanälen sowie die Wiederherstellung der Verbindungen zwischen dem Hauptflussbett und den Altwässern. Damit soll dem Po seine natürliche Beweglichkeit zurückgegeben werden, die durch eine übermäßige Kanalisierung im 20. Jahrhundert verloren gegangen war.

Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin bezeichnete das Projekt als Paradigmenwechsel in der Flusssteuerung: Renaturierung bedeute nicht, den Fluss in einen früheren Zustand zurückzuversetzen, sondern die Voraussetzungen zu schaffen, um das Territorium angesichts des Klimawandels besser zu bewirtschaften. Die EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall nannte das Projekt ein konkretes Beispiel für naturbasierte Lösungen und betonte, dass Investitionen in die Flussrenaturierung dem Schutz von Menschen, Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen zugutekämen.

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist die Aufgabe jedoch nicht erledigt: Das Projekt sieht fünf Jahre Pflege und Monitoring der neuen Bepflanzungen sowie der Entwicklung der Flussdynamik vor. Im Einzugsgebiet des Po lebt mehr als ein Viertel der italienischen Bevölkerung, und ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen, industriellen und tierhaltenden Betriebe des Landes ist dort konzentriert – ein Nutzungsdruck, der die nachhaltige Bewirtschaftung des großen Stroms zur dauerhaften Herausforderung macht. cm

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