IW-Analyse
Lohnquote auf höchsten Stand seit 1990

„Die Gewinne an den Kapitalmärkten steigen, Arbeit dagegen lohnt sich immer weniger.“ Sätze wie diesen hört man häufig in Diskussionen zur aktuellen Lage in der Bundesrepublik. Der Gedanke dahinter: Eine zunehmende Umverteilung führt dazu, dass das Wirtschaftswachstum schwach bleibt und die politischen Ränder erstarken. Makroökonomisch lässt sich diese These anhand der Lohnquote überprüfen. Sie zeigt den Anteil der von den Beschäftigten erzielten Einkommen inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeberseite am Volkseinkommen in einem Land.
Die Zahlen lassen nichts von einer Benachteiligung des Faktors Arbeit hierzulande erkennen – im Gegenteil (Grafik): Die Lohnquote in Deutschland erreichte im Jahr 2025 einen Höchststand von 74,9 Prozent. Seit 2020 bewegt sich die Lohnquote wieder auf einem ähnlichen Niveau wie in den 1990er Jahren. Den tiefsten Stand verzeichnete sie 2007 mit knapp 65 Prozent.
Insgesamt ist die Lohnquote in Deutschland seit Jahrzehnten recht stabil, auch anhaltende wirtschaftliche Krisen haben sie allenfalls kurzfristig gedrückt. Noch höher liegt der Anteil der Einkommen aus Arbeitsleistung am Volkseinkommen, wenn man Selbstständige und ihre mithelfenden Familienangehörigen in die Rechnung einbezieht: Das gesamte Arbeitseinkommen betrug nach IW-Schätzung im vergangenen Jahr gut 81 Prozent des Volkseinkommens.
Die Lohnquote unterzeichnet die Einkommen der Erwerbstätigen aber noch aus einem weiteren Grund: Ihr Gegenpart, die Kapitaleinkommensquote, umfasst unter anderem Einkünfte aus Zinsen und Dividenden sowie Mieteinnahmen – diese fließen keineswegs nur Unternehmen, sondern auch Arbeitnehmern zu.
iwd
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