Der Kommentar

Junge Bauleitung, erfahrene Bauüberwachung

Nach dem Lehrbuch sind Bauleiter Mitarbeiter in ausführenden Bauunternehmen, die verantwortlich für den Baustellenablauf sind. Zudem wird der Begriff Bauleiter in manchen Landesbauordnung verwendet. Die "Bauleitung" der Auftraggeberseite, unabhängig ob als freier Landschaftsarchitekt oder beratender Ingenieur, macht wie der sprichwörtliche Zitronenfalter ("Wer glaubt, dass ein Bauleiter den Bau leitet, glaubt auch das ein Zitronenfalter Zitronen faltet") keine Bauleitung. Diese Aufgabe heißt Bauüberwachung oder Objektüberwachung. Dem Unternehmer obliegt die Dispositionsfreiheit innerhalb seines Vertrages, daher kann der Auftraggeber eben nicht leiten, sondern darf nur überwachen. Demnach müssten die BDLA Bauleitertage eigentlich Bauüberwachertage heißen.

Bauleitung ist ein echter Traumjob für viele junge Ingenieure. Immer mit höchstem Einsatz unterwegs, früh morgens auf dem Platz und abends noch lange im Büro. Für jede noch so überraschende Situation immer eine Lösung parat, immer erreichbar, immer telefonierend und das Chaos beherrschen; immer im Sinne der Firma unterwegs. Hört sich ganz nach einer "Mission impossible" an.

Zudem ist derzeit ein ganz anderer Trend zu beobachten: Immer mehr junge Akademiker wollen in den öffentlichen Dienst. Junge Menschen wollen in den öffentlichen Dienst, in verstaubten Amtsstuben die Langeweile bekämpfen? Hört sich irgendwie komisch an.

Wenn wir nun in die ausführenden Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus schauen, stellt sich dort die Alterspyramide der Bauleiterriege regelrecht auf den Kopf. Es scheint so, als wollen Bauleiter früher oder später wechseln und Bauüberwacher werden am liebsten bei der öffentlichen Hand oder selber richtig selbstständig arbeiten.

Nicht nur die Bundeswehr will attraktiver für Soldaten werden, der gesamte öffentliche Dienst ist bemüht, sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Verstaubte Amtsstuben sind es meist nicht mehr und die Bezahlung ist im Vergleich zum Landschaftsbau auch nicht so schlecht. Aktuell fangen Ingenieure mit Bachelorabschluss in der Endgeldgruppe E 11 mit etwa 37 000 Euro oder mit Masterabschluss in E 13 mit fast 42 000 Euro einschließlich einer Jahressonderzahlungen an. Am Ende kann es sogar ein Jahresgehalt von 70 000 Euro werden und das bei 39,5 Stunden die Woche. Zudem bestehen häufig flexiblere Arbeitszeitmodelle. Wenn die Familie wächst, hat auch die Freizeit einen hohen Wert.

Wenn nun die Jungen in den Betrieben arbeiten, liegen die Kosten für das Sammeln von Erfahrungen der jungen Bauleiter beim Unternehmen. Der Betrieb bildet sozusagen Bauleiter in allen Kniffen des erfolgreichen Baustellenmanagements aus, um am Ende diese gute Erfahrung auf der Auftraggeberseite wieder zu finden. Die öffentliche Hand kann sich freuen. Eigentlich müsste es doch umgekehrt laufen, dafür sollten Bauleiterstellen aber mehr auf die Bedürfnisse junger Menschen eingehen.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2014 .

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