BuGG-Zwischenbilanz mit Verbandspräsident Dr. Gunter Mann

"Kein Land begrünt so viele Dächer wie wir"

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BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann sieht das Thema Dachbegrünung hierzulande auf einem guten Weg: "Wir haben viele vorzeigbare und funktionsfähige Objekte, an denen wir uns orientieren müssen und sagen: Wir können." Foto: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft

Schwungvoll begrüßt mich Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes GebäudeGrün (BuGG), als wir uns am Rande des Dresdner Gründach-Forums im Hotel Pullman treffen. Draußen herrscht trübes Herbstwetter, doch von November-Blues findet sich bei dem umtriebigen Schwaben keine Spur. Im Gegenteil, bei den praktischen Vorbereitungen des Seminars ist er mittendrin und packt beherzt mit an. Auffällig dabei: Das offene, verbindliche Lächeln, mit dem der BuGG-Chef all seinen Mitstreitern begegnet. Noch kurz klärt er ein technisches Detail mit einer Referentin, und schon geht es los mit dem Interview, das um die aktuelle Verbandstätigkeit kreisen soll. Schließlich mischt der BuGG nun bereits seit einem halben Jahr in der deutschen Verbandslandschaft mit - Grund genug für uns, seine jüngste Entwicklung etwas genauer zu beleuchten.

Engagierter Underdog

Ein kurzer Rückblick: Im Mai dieses Jahres haben sich die ehemaligen Konkurrenten Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB) und der Deutsche Dachgärtnerverband (DDV) zum BuGG zusammengeschlossen. Die Dach- und Gebäudebegrüner der Republik wollten mithilfe der Verbandsfusion unter neuem Namen ihre Kräfte bündeln und ein größeres Gewicht auf dem politischen Parkett gewinnen. Es war jedoch nicht deren Maßgabe, dadurch mit den "großen Vier" - Bundesverband Garten,- Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), Zentralverband Gartenbau (ZVG), Bund deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) und Bund deutscher Baumschulen (BdB) - auf Augenhöhe zu gelangen.

"Wir sind in der grünen Verbandslandschaft nach wie vor ein Underdog, und können uns mit den großen Vier natürlich nicht auf eine Ebene stellen", so Dr. Mann. "Andererseits haben wir unsere ohnehin schon engen Kontakte zu den genannten Verbänden nochmals intensiviert. Der BuGG freut sich immer, wenn er ihnen mit seinen Fachthemen zuarbeiten kann - denn am Ende des Tages ergänzen wir einander ja auch." Dementsprechend will der BuGG-Präsident auch nichts von einer Verbändekonkurrenz um Stadtgrün-Fördergelder wissen: "Natürlich kann das Geld nur einmal ausgegeben werden, aber deshalb sprechen wir ja auch miteinander."

Zwist darüber, ob nun Dächer begrünt oder etwa Stadtbäume gepflanzt werden sollten, ist somit kein Thema beim BuGG. Dr. Mann gibt sich pragmatisch: "Wirkliche politische Arbeit können wir mit unserer Manpower gar nicht leisten, das überlassen wir gern den großen Vier. Und die ziehen uns mit ihren Themen automatisch mit."

Die Kommunalpolitiker kommen

Dabei steht der BuGG politisch durchaus auf eigenen Beinen. Schließlich hat der neugegründete Verband einen symbolträchtigen Sitz genommen: Inmitten der Bundeshauptstadt, unweit des Berliner Reichstagsgebäudes. Die Büros, in denen Bundespolitik gemacht wird, mögen ganz nah sein. Doch viele regelmäßige BuGG-Kontakte stammen nicht aus dem Bundestag, sondern aus den Kommunen. "Häufig kommen Kommunalpolitiker auf uns zu, um das Gründach-Thema voranzutreiben - und zwar ohne, dass wir vorher die Initiative ergreifen mussten. Wir helfen ihnen dann, Argumente, die gegen Gebäudebegrünung vorgebracht werden, auszuhebeln.

Und diese Anfragen kommen aus dem gesamten Parteienspektrum", sagt Dr. Mann. Für den BuGG-Präsidenten hat das Mehr an Aufmerksamkeit allerdings nicht zwingend mit der neuen Präsenz in Berlin zu tun. Viel entscheidender sei es, dass sich FBB und DDV nicht länger gegenseitig das Wasser abgraben würden und dass die Namensgebung als "Bundesverband" gut gewählt wurde: So klinge die Interessengruppe der Gebäudebegrüner gewichtiger als zuvor.

Trotz der vielen deutschlandweiten Leuchtturmprojekte sehe sich die Branche mit einem großen Manko konfrontiert: Die mediale Aufmerksamkeit kreise häufig eher um ausländische Gründächer als um einheimische. Foto: BuGG

Von der Gründach-Olympiade zum Weltkongress

Ein klangvoller Name und eine gute Außenwirkung sind allerdings kaum etwas wert, wenn sie nicht auf überzeugenden Visionen der Verbandsmitglieder fußen. Doch auch in dem Punkt muss sich der BuGG vor den großen Vier nicht verstecken: Von Seminaren über Wettbewerbe bis hin zum nächsten Weltkongress bietet der BuGG ein breites Spektrum an Ideen und Projekten. Die erfolgreich laufende Deutschland-Tour des "Gründach-Forums" soll auch im nächsten Herbst wieder in verschiedenen Großstädten Halt machen.

Ein identisches Format zum Thema "Fassadengrün" soll 2019 ebenfalls bundesweit getestet werden. Auch ein echtes Novum wird es dann geben: Die Gründach-Olympiade. "Wir werden vier, fünf Städte herausgreifen, die passende Bauwerke dafür bieten. Also Dächer, auf denen es Sporteinrichtungen gibt. Vormittags werden wir dann eine Vortragsreihe über genutzte Dächer machen und nachmittags dann ein paar Wettkämpfe auf dem Dach." Darüber hinaus nimmt der BuGG auch Städte mit einem eigenen Dienstleistungs-Katalog in den Blick:

"Wir glauben, dass wir den Städten, die ja alle mit Personalmangel zu kämpfen haben, bei unseren Kernthemen behilflich sein können: Indem wir mit ihnen beispielsweise Förderrichtlinien erstellen, Broschüren umsetzen und ihre Webseiten aufpeppen. Das Ziel ist es, die fachliche Unterstützung der Städte mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen zu kombinieren." Stichwort Öffentlichkeitswirksamkeit: In der Hinsicht wirft Dr. Manns größtes Prestige-Projekt, der Weltkongress GebäudeGrün 2020, bereits seinen Schatten voraus. Nachdem 2017 die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks als Schirmherrin gewonnen werden konnte, soll in anderthalb Jahren auch ihre Nachfolgerin Svenja Schulze in gleicher Funktion dabei sein.

Eine weitere tragende Säule der BuGG-Öffentlichkeitsarbeit ist zudem die Zeitschrift "GebäudeGrün", die seit rund einem Jahr quartalsmäßig beim Patzer Verlag Berlin-Hannover erscheint. Auch unter dem Dach des traditionsreichen Medienhauses hält Dr. Mann die Fäden weiterhin selbst in der Hand: Als verantwortlicher Redakteur informiert er seine Leser regelmäßig über alles Wissenswerte aus der Gründach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungs-Branche.

Annähernd 20 Prozent der deutschen Hausdächer sind begrünt – entweder, wie auf dem Foto abgebildet, extensiv (mit Moosen, Kräutern und Gräsern) oder intensiv im Stile eines Dachgartens Foto: BuGG

Singapur ist nicht der Maßstab

Während Dach- und Fassadenbegrüner hierzulande oft darum kämpfen müssen, von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, scheinen asiatische Staaten in dem Punkt schon viel weiter zu sein. Kaum ein Monat vergeht, indem dort nicht aufsehenerregende, vertikal und horizontal begrünte Bauprojekte in Angriff genommen werden. Dem Stadtstaat Singapur kommt dabei immer wieder eine besondere Vorreiterrolle zu (vgl. NEUE LANDSCHAFT 11/2018, S.14f.).

Blickt der BuGG-Präsident daher ein wenig neidisch nach Fernost? Dr. Mann wiegelt ab: "Das ist ein Zerrbild, das aus der deutschen Presse kommt. Man schaut viel lieber ins Ausland und tritt die dortigen Themen breit, als Eigenes zu beachten. Dabei haben wir hier viele Leuchtturmprojekte und sind nach wie vor weltweit das Land, das die meisten Dächer begrünt. Und wir reden hier von einer Größenordnung von 10 bis 14 Millionen m² jährlich." Zwar, so Dr. Mann weiter, könne man über die Qualität dieser Begrünungen natürlich streiten. Letzten Endes kommen aber jährlich an rund 20 Prozent der deutschen Bauwerke neue Dachbegrünungen hinzu: "Da kann man sich viele rauspicken, die schön sind." Ist das Gründach-Thema also ein blinder Fleck in der deutschen Öffentlichkeit? "Ja, ein Stück weit schon. Wir müssen aber realistisch bleiben: Wir haben hier eben klimatische Bedingungen und Gesetzgebungen, die uns nicht erlauben, solche grünen Hochhäuser wie in Singapur zu bauen." Den Asiaten nachzueifern, sei aber auch nicht zielführend, wie der BuGG-Präsident betont:

"Deutschland sollte selbstbewusster auf seine Gründächer schauen. Wir haben viele vorzeigbare und funktionsfähige Objekte, an denen wir uns orientieren müssen und sagen: Wir können. Mittelfristig müssen wir allerdings von den einfachen, extensiven Begrünungen weg und mehr Nutzbares, Sichtbares realisieren - sowohl auf dem Dach als auch an der Fassade. Und die Innenraumbegrünung dürfen wir auch nicht außer Acht lassen, immerhin verbringen wir die meiste Zeit des Lebens im Gebäude. Ich denke aber, dass wir auf einem guten Weg sind."

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2018 .

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