Warum die Hecke im Luftbild zum Rasen wird

KI im Freiraum

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Beim webbasierten Freiflächenmanagement nutzt die WISAG Garten- & Landschaftspflege seit Jahren einen digitalen Zwilling – samt Drohnenbildern aus der Luft. Bisher entsteht das virtuelle Abbild mit Handarbeit. In einem Pilotprojekt des Unternehmens sollte Künstliche Intelligenz (KI) diese Schritte automatisieren. Der Testlauf zeigt, warum eine Hecke plötzlich „Rasen“ wird – und welche Grenzen und Chancen der KI-Einsatz im Außenraum noch mit sich bringt.
Künstliche Intelligenz (KI) Grünflächenmanagement
Außenflächen digital erfasst – inklusive Status aller Leistungen, von Baumkontrolle bis Winterdienst Bildrechte: WISAG

Aufmaße, Drohnenaufnahmen und frei verfügbare Luftbilder: Sie bilden die Grundlage für den digitalen Zwilling im Freiflächenmanagement. Er überführt Anlagen in ein virtuelles Abbild. Er bündelt georeferenzierte Flächendaten, zeigt den Pflegestatus und verknüpft Vertragsdaten mit Leistungsnachweisen und Rechnungen. Auftragnehmer wie Auftraggeber profitieren so von Überblick, Transparenz und Planungssicherheit.

Vom Foto zum virtuellen Abbild

So digital das Ergebnis auch wirkt: Ohne Handarbeit geht es bislang nicht. Fachleute definieren, was auf dem Bild zu sehen ist und wo es beginnt und endet – etwa Rasenflächen, Gehölzstreifen, Beete, Hecken sowie Wege- und Treppenanlagen und Spielgeräte. Dazu hinterlegen sie Daten und passende Attribute. Diese Zuordnung ist die Grundlage für das digitale Freiflächenmanagement.

Als gemeinsame Basis dient dabei der Objektartenkatalog Freianlagen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL). So entsteht eine einheitliche Struktur – Außenanlagen werden vergleichbar.

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Künstliche Intelligenz (KI) Grünflächenmanagement
Aus der Luft verschwimmen Grenzen – eine Hecke kann im Luftbild wie Rasen erscheinen Bildrechte: WISAG

Pilotprojekt: KI in natürlicher Vielfalt auf die Probe gestellt

Lässt sich der Weg zum digitalen Zwilling an dieser Stelle automatisieren und damit effizienter gestalten? Konkret: Kann KI Flächen und Objektarten in Drohnenbildern erkennen und benennen? Diese zentrale Fragestellung hat die WISAG in ihrem Pilotprojekt überprüft.

Unregelmäßige Strukturen, fließende Übergänge, organische Formen und wechselnde Zustände: Freiflächen sind heterogen und verändern sich laufend. Ein Beet sieht im Sommer anders aus als im Frühjahr. Rasen ist mal dicht, mal lückig, mal moosig oder voller Blüten.

Gehölze verändern sich mit Laub, Schnitt und Schatten. Aus der Luft verschwimmen Grenzen, die am Boden eindeutig wirken. So kann eine Hecke im Luftbild wie Rasen erscheinen – je nach Struktur, Farbe und Aufnahmezeitpunkt. Diese Vielfalt erschwert eine automatische Zuordnung durch KI.

KI-Training: Händisch prüfen und korrigieren

Damit KI im Außenraum zuverlässig arbeitet, braucht sie mehr als viele Bilder. Entscheidend ist, dass ein Mensch dem System beibringt, was darauf abgebildet ist. Am Anfang erkennt die KI vor allem ähnliche Pixelmuster, also Bildbereiche mit vergleichbarer Farbe und Struktur. Daraus bildet sie Flächenumrisse. Am Bildschirm sind das geschlossene Linien, die eine Fläche abgrenzen, häufig als Polygone bezeichnet. Diese Umrisse passen im Freiraum oft nicht sofort. Sie müssen nachgezogen, verschoben oder geteilt werden.

Künstliche Intelligenz (KI) Grünflächenmanagement
Ein System, viele Funktionen: das digitale Freiflächenmanagement Bildrechte: WISAG

Parallel lernt die KI die Zuordnung zu Objektarten im Außenbereich. Der Trainer definiert, ob der abgegrenzte Bereich zum Beispiel eine Rasenfläche oder ein Baum ist. Nach wenigen Fotos wird das System besser und kann einzelne Bereiche eher als eigene Fläche erkennen, inklusive Größenangabe. Trotzdem bleibt menschliche Unterstützung zentral, weil die KI das Zusammenspiel aus Muster, Umriss und Objektart im Freiraum Schritt für Schritt aufbauen muss.

Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt

Im Pilotprojekt zeigte sich: Ein schneller Weg zur zuverlässigen Erkennung führt im Außenraum nicht über wenige Beispiele. Die KI lernt zwar, doch für belastbare Ergebnisse braucht es deutlich mehr Trainingsmaterial und entsprechend mehr Prüfarbeit.

Künstliche Intelligenz (KI) Grünflächenmanagement
Die KI erkennt zunächst Pixelmuster – Fachleute prüfen und korrigieren Umrisse und Objektarten bzw. definieren sie, wenn die KI sie nicht zuordnen kann Bildrechte: WISAG

Fazit und Ausblick

Das digitale Freiflächenmanagement liefert bereits ohne KI Nutzen: Es veranschaulicht Flächen, verknüpft Daten und Dokumente und schafft Transparenz sowie eine gemeinsame Grundlage für Planung und Nachweis. KI könnte künftig den Prozess hinter dem digitalen Zwilling effizienter machen. Sie könnte dort ansetzen, wo heute viel Detailarbeit steckt: beim Erkennen und Zuordnen von Objektarten.

Damit KI im Außenraum verlässlicher wird, braucht sie Vielfalt, also Trainingsdaten aus unterschiedlichen Anlagen, Jahreszeiten und Pflegezuständen. Denkbar sind Kooperationen, zum Beispiel mit Hochschulen oder weiteren Garten- und Landschaftspflegebetrieben. So lässt sich Trainingsmaterial breiter aufbauen und das KI-Training im Freiraum weiterentwickeln.

Infokasten zu den Erkenntnissen

KI-Pilot in Zahlen

Ausgangserwartung der eingebundenen KI-Experten:
50 Trainingsbilder reichen aus, um eine automatisierte Objektartenzuordnung mit einer Trefferquote von über 80 Prozent zu erreichen.

Ergebnis nach rund 50 Trainingsbildern im Pilotprojekt:

  • etwa 30 Prozent der Flächen richtig erkannt.
  • Voraussetzung für selbstständige Erkennung von 80 Prozent der Flächen: mindestens 10.000 Trainingsbilder.

Folge:
Objektarten- und Flächenzuordnung auf 10.000 Bildern müsste wiederholt manuell geprüft und korrigiert werden.

Investition für ein solches KI-Training:
im niedrigen sechsstelligen Bereich.

WISAG Garten- & Landschaftspflege

Seit über 40 Jahren pflegt und errichtet die WISAG Garten- & Landschaftspflege Außenanlagen – inzwischen als einer der größten GaLaBau-Betriebe in Deutschland. Das Unternehmen ist mit 32 Standorten bundesweit vertreten und betreut rund 55 Millionen Quadratmeter Außenfläche für Kunden unterschiedlichster Branchen.

Die Kernkompetenzen des Grünspezialisten umfassen die Bereiche Grünpflege, Baumpflege, Neuanlagen, Freiflächenmanagement, Graureinigung und Winterdienst. (Optional:)Die WISAG Garten- & Landschaftspflege ist Teil der WISAG Facility Service. Diese ist mit rund 36.600 Mitarbeitenden, 21.000 Kunden und einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 einer der führenden Dienstleister Deutschlands.

 Rolf Koritkowski
Autor

Leiter Kalkulationsabteilung WISAG Garten- & Landschaftspflege

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