Klartext
Bäume – Bodensensoren und Mikroplastik?
von: Prof. Dr. habil. Hartmut BalderDie Ressource Wasser gerät zunehmend in den Blick der Umweltfürsorge. Die Entwicklung von dezentralen Regenwasserbewirtschaftungskonzepten im urbanen Kontext und die kritische Diskussion um ihre Bepflanzung hat viele Fragen zu Schadstoffeinträgen ins Grundwasser neu aufgeworfen. Dies ist getrieben von der Sorge, dass unser Trinkwasser zunehmend mit Stoffen belastet wird, welche neben den ökologischen Folgen auch die menschliche Gesundheit gefährden. Hierbei handelt es sich um lösliche Stoffe, u. a. aus Landwirtschaft, Baumaterialien, Verkehr, Kosmetik- und Pharmaprodukten. Aber auch Feststoffe geraten zunehmend in den Blick, aktuell mit großer internationaler Sorge die Befunde zur Verbreitung von Mikroplastik in der Umwelt.
Als Mikroplastik werden laut Umweltbundesamt Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm und mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen sind. Als primäres Mikroplastik werden sie als Grundmaterial in vielen Kosmetik- und Hygieneprodukten verwendet oder sie entstehen als sekundäres Mikroplastik durch physikalische, biologische und chemische Degradation von Makroplastikteilen. Sie werden inzwischen weltweit in Meeren, dem Polareis, Lebensmitteln und auch im menschlichen Körper nachgewiesen. Da sie sehr langlebig sind, ist die Frage der Vermeidung die aktuelle Herausforderung.
Es ist daher bedenklich, dass bei Baumpflanzungen vielfach Plastikprodukte eingesetzt werden. Beworben werden beispielsweise Bewässerungssäcke, unterirdische Belüftungs- und Bewässerungssysteme, Ballenverankerungen, ummantelte Depotdünger und aktuell besonders Bodensensoren zur Ermittlung des Wasserhaushaltes. Das Vergraben unter anderem von Sensoren aus Plastik im Erdreich ist in Deutschland grundsätzlich nicht per se verboten, aber es gibt rechtliche und umwelttechnische Aspekte, die berücksichtigt werden sollten. Alle Plastikprodukte, die im Boden vergraben werden, können potenziell Umweltauswirkungen haben, vor allem wenn sie nicht biologisch abbaubar sind und sich über Jahre nicht zersetzen. Es ist daher darauf zu achten, dass die verwendeten Sensoren keine schädlichen Substanzen freisetzen oder Ökosysteme negativ beeinflussen.
Wenn Plastiksensoren nach ihrer Nutzung im Boden verbleiben, können sie als Abfall betrachtet werden, der gemäß dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) entsorgt oder recycelt werden muss. Das bedeutet, dass sie, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, ordnungsgemäß entfernt und entsorgt werden müssen, um Umweltbelastungen zu vermeiden. Da Bodensensoren in Ballennähe wegen der räumlichen Wurzelausbreitung schon nach 2 bis 3 Jahren ihre Aussagefähigkeit verlieren, müssen sie bei Jungbaumpflanzungen in sensiblen Gebieten als bald wieder entfernt werden. Bei defekten Sensoren ist sowieso eine ordnungsgemäße Entsorgung erforderlich. Sensoren, die elektronische Komponenten enthalten, sollten gemäß den Vorschriften für die Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten entsorgt werden.
Was lernen wir daraus? Nicht jede gehypte neue Technik ist problemlos. Umweltschutz geht anders!
Ihr Prof. Dr. Hartmut Balder
NL-Stellenmarkt










