Kleinstbetriebe haben es schwer, Azubis zu finden

Laut IfM-Präsidentin Prof. Dr. Friederike Welter liegt es nicht am mangelnden Ausbildungsengagement der Kleinstbetriebe, dass sie weniger Bewerber finden. Foto: IfM

Die Anzahl der Auszubildenden in kleinen und mittleren Betrieben sank von 2015 auf 2016 um 5.835 Menschen. Foto: Moritz Lösch/Neue Landschaft

Bewerber um einen Ausbildungsplatz ziehen weiterhin kleine, mittlere und große Unternehmen den Kleinstbetrieben vor: Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn sank die Anzahl der Auszubildenden in diesen Betrieben im Vergleich zu 2015 (267 946 Auszubildende) in 2016 (262 111 Auszubildende) um weitere 5835 Personen. Das waren 2,2 Prozent. Damit setzt sich grundsätzlich der negative Trend fort, der bereits seit 2009 zu beobachten ist. In den kleinen und mittleren Ausbildungsbetrieben stieg dagegen die Zahl der Auszubildenden (insgesamt 978 089 Auszubildende) leicht an. Allerdings ging diese Entwicklung auch zu Lasten der Großbetriebe, in denen im Vergleich zum Vorjahr gut 2300 Auszubildende weniger beschäftigt sind.

"Es liegt nicht am mangelnden Ausbildungsengagement der Kleinstbetriebe, dass diese Unternehmen deutlich weniger Bewerber als die größeren Unternehmen ansprechen. Allerdings fallen diese Betriebe automatisch aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit heraus, wenn sie nur einen Ausbildungsplatz anbieten - und ihn nicht besetzen können", erläuterte IfM-Präsidentin Prof. Dr. Friederike Welter, die zugleich den Lehrstuhl für Management von kleinen und mittleren Unternehmen und Entrepreneurship an der Universität Siegen inne hat.

Eine mögliche Erklärung sehen die Wissenschaftler des IfM Bonn in der demografischen Entwicklung an den weiterführenden Schulen: So sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Schülerzahl an Hauptschulen und Realschulen in den vergangenen drei Jahren stetig. Demgegenüber stieg die Anzahl der Schüler, die am Gymnasium oder einer integrierten Gesamtschule eine Hochschulzugangsberechtigung anstreben.

Hinzu kommt, dass Kleinstbetriebe häufig in technisch-gewerblichen Bereichen tätig sind, in denen die Jugendlichen seltener eine Ausbildung absolvieren möchten. Aber auch wenn ein Ausbildungsvertrag zustande kommt, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Auszubildenden dauerhaft bleiben: Sowohl nach der Probezeit als auch nach Ende der Ausbildungszeit verlassen viele von ihnen die Kleinstbetriebe - was dafür spricht, dass sie entweder attraktivere Angebote haben oder noch einen höheren Bildungsabschluss anstreben.

"Kleinst- und Kleinbetriebe haben natürlich gegenüber größeren Betrieben strukturelle Nachteile bei der Rekrutierung von Auszubildenden. Hier setzt bereits seit 2014 die Allianz für Aus- und Weiterbildung gezielt an. Gleichwohl müssen sich insbesondere die Kleinstunternehmen auch der Wettbewerbssituation stellen und beispielsweise noch intensiver den Kontakt zu den Schulen vor Ort suchen", empfiehlt Prof. Dr. Friederike Welter.

IfM

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2017 .

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