Klima Fit

Welcome to the hotel … der Käferweg

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Unsere Serie zur Klimaanpassung von Gärten und Parks berät zur naturnahen Gestaltung, trockenheitsverträglichen Gehölzen und trockenheitstoleranten Stauden.
Naturnahe Parks Klimawandel
Anlage eines Käferwegs. Foto: Johannes M. Jeutter

Ganz oft strengen wir uns an, die Gärten unserer Kunden „clean” zu machen und aufzuräumen. Nicht nur oben soll es sauber sein. Unser Aufräumen ist unterirdisch ebenso präsent. Wir graben so gut wie jede Wurzel aus dem Boden und die Wurzelstumpen sowieso. Maschinenbauer strengen sich an, um so schnell, so gut und so effizient wie möglich Stumpen auszuhöhlen, auszubaggern und zu eliminieren.

In unserer Begeisterung verlieren wir oft aus den Augen, dass genau dieses Holz in der Nahrungskette für viele Lebewesen eine Nahrungsgrundlage bedeutet. Einer der ersten und größten Nutzer absterbender Bäume und anderer Pflanzen sind Pilze, oberirdisch, wie unterirdisch. Pilze besiedeln unterirdische Pflanzenreste, zersetzen sie und liefern lebenden Pflanzen wertvolles „Recyclingmaterial“. Sie verwerten und sorgen so für Nahrung. Das Holz wird zum Humus, es wird zum Düngerlieferant und, komplett unterschätzt, zum Wasserspeicher.

Und die Pilze schließen es für weitere Zersetzer auf – etwa für große Käferarten wie den Hirschkäfer, den Balkenschröter, den Nashornkäfer, den Rosenkäfer et cetera. Für uns Menschen sorgen diese Käfer, wenn sichtbar, für Emotionen und Bewunderung. Über diese Insekten schaffen wir es leichter eine Verbindung zur scheinbar toten Materie Holz im Boden aufzubauen. Aber: Diese Insekten haben es nicht einfach, wenn ihre Futterplätze im Boden immer weniger werden. Hier können wir Abhilfe schaffen. Zum Beispiel mit einem sogenannten Käferweg.

Je nach Standort reichen oft schon 5 bis 10 Quadratmeter Grundfläche aus. Der Weg wird etwa 50 bis 80 Zentimeter tief angelegt. In diese Mulde kommt Holz unterschiedlichen Alters – gerne grob, knorrig und alles andere als geschniegelt. Die Holzstücke dürfen dabei ruhig unterschiedlich groß sein und eine Länge von 30 bis 60 Zentimetern haben. Genau diese Struktur macht den Unterschied. Die Zwischenräume werden mit Laub, Moos, Mulm und Erde „ausgestopft“. Obendrauf folgt eine etwa 20 Zentimeter starke Schicht aus Hackschnitzeln. Als Gehweg und als Lockangebot für viele Käferarten. In den kommenden Jahren darf und soll diese Schicht immer wieder ergänzt werden. Der Weg kann trotzdem betreten werden – er ist kein Absperrbereich, sondern ein lebendiger Teil des Gartens.

Mit der Zeit beginnt unter der Oberfläche das große Arbeiten. Pilze durchziehen das Holz, Mikroorganismen zersetzen die Fasern und schaffen damit die Grundlage für neues Leben. Große Käferarten finden Entwicklungsräume, Bodenpilze nutzen den Weg wie eine unterirdische Autobahn und ganz nebenbei entsteht ein hervorragender Wasserspeicher direkt im Boden.

Der Käferweg bleibt idealerweise sechs bis acht Jahre erhalten. Danach ist das meiste Holz zersetzt, aufgearbeitet und zu wertvollem Humus geworden. Aus vermeintlichem Abfall entsteht neues Leben – und aus einem „aufgeräumten“ Garten wieder ein Stück funktionierende Natur.

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 Johannes M. Jeutter
Autor

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