Klima Fit
Winterhärtezonen-Karte – ist die wirklich noch nötig?
von: Dr. Philipp SchönfeldDer Klimawandel führt zu immer wärmeren und trockeneren Sommern und milderen Wintern. Die Zahl der Sommer- und Hitzetage nimmt zu und die Frost- und Eistage werden – zum Leidwesen aller Wintersportler – weniger. Und wenn es dann bald kaum noch Frosttemperaturen im Winter gibt können wir unser Repertoire an Gartenpflanzen erweitern und Zitronenbäume, Olivenbäume und Palmen ohne Winterschutz in unseren Gärten pflanzen. Das ist eine weit verbreitete Ansicht. Einzelne Ansätze in dieser Richtung sind ja schon gelegentlich zu beobachten.
Nun verlaufen die Klimaveränderungen aber nicht linear, sondern es gibt immer wieder "Rückschläge" in Form von niederschlagsreichen Sommern oder eben kalten Wintern, wie wir ihn gerade im Verlauf des Jahreswechsels 2025/2026 erleben. Wer voreilig mediterrane und frostempfindliche Gehölze gepflanzt hat wird jetzt im Frühjahr wahrschein Schäden oder herbe Verluste feststellen.
Die Winterhärtezonen-Karte ist also offenbar immer noch wichtig. Grundsätzlich kann Mithilfe von Winterhärtezonenkarten ermittelt werden, welche Winterhärtezone (WHZ) am potenziellen Pflanzort vorliegt und im Abgleich mit der Zuordnung der Pflanzenarten (Gehölze als auch Stauden) zu den entsprechenden Winterhärtezonen können Frostschäden an Pflanzen vermieden werden.
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Die unbestreitbaren Klimaänderungen in Europa ergaben die Notwendigkeit, die bisher genutzte Karte von Heinze & Schreiber aus dem Jahr 1984 zu aktualisieren. Elena Wulff und Jürgen Bouillon haben die "Neue Winterhärtezonen für Europa unter Berücksichtigung mesoklimatischer Effekte" erarbeitet, die mit dem Camillo-Schneider-Preis 2023 ausgezeichnet wurde (Link zur Karte). Die Aktualisierung ergab, kurz gesagt, dass die einzelnen Zonen um eine Halbzone höher (= wärmer) eingestuft wurden.
Die Verwendung der richtigen Pflanze in der richtigen Winterhärtezone reicht aber nicht aus, um Frostschäden zu verhindern. Für die Erstellung der neuen Winterhärtezonenkarte für Europa wurde das 30-jährige Mittel (1991–2020) der jährlichen absoluten Tiefsttemperatur zu Grunde gelegt, d.h. in einem Extremwinter mit deutlich tieferen Temperaturen können dennoch Schäden auftreten. Entscheidend ist auch das Kleinklima vor Ort, denn die Einteilung der Zonen ist relativ grob. Ein kalter, zugiger Standort kann durchaus dem Klima in einer ein oder zwei Stufen kälteren Zone entsprechen. Umgekehrt entspricht ein geschützter und warmer Standort ggf. einer höheren (wärmeren) Zone. Für dauerhaft bepflanzte und im Freien aufgestellte Kübel wird empfohlen, nur Arten zu verwenden, deren WHZ zwei Stufen kälter eingestuft ist als die WHZ am Standort. Der Grund dafür ist, dass der Frost – anders als bei ausgepflanzten Arten – den gesamten Wurzelballen erfasst und Wurzeln oft frostempfindlicher sind als die Triebe. Darüber hinaus spielt auch die Abhärtung der Pflanzen eine Rolle. Sind die Temperaturen vorher langsam abgefallen oder wird die Pflan-zen unvorbereitet von den plötzlich stark fallenden Temperaturen überrascht. Und schließlich spielt nicht nur die Temperatur allein eine Rolle, sondern auch die Dauer, mit der der Frost auf die Pflanze einwirkt. Mitunter entscheidet ein Grad mehr oder weniger über Leben und Tod . . .
Zurück zur Ausgangsfrage: können wir Ölbäume, Palmen und Zitronen in unseren Gärten auspflanzen? Antwort, ja wenn die WHZ und das Kleinklima stimmt. Und für den Fall eines außergewöhnlich kalten Winters sollte man vorsichtshalber ein dickes Schutzvlies griffbereit bereitlegen.
Dr. Philipp Schönfeld
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