Klimabäume: welche Arten sind zukunftsträchtig?

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Ulmus 'Columella' gehört zu den resisten Ulmen-Sorten, die wieder mehr gepflanzt werden sollten. Durch ihre schmale Krone ist sie überall dort gut geeignet, wo der oberirdische Raum begrenzt ist. Foto: Philipp Schönfeld

Straßenbäume an innerstädtischen Standorten stehen häufig unter Stress: zu kleine Baumscheiben, unzureichende Entwicklungsmöglichkeiten für die Wurzeln als auch die Kronen, ungeeigneter und/oder verdichteter Boden, Luftmangel, Trockenstress, Schadstoffemissionen und in der Folge auch häufig Schädlingsbefall sind nur einige Faktoren, die das Leben eines Baumes in der Stadt erschweren.

Zu dieser ohnehin schwierigen Situation kommen die Folgen der Klimaveränderung. Sie zeigen sich in erhöhten Lufttemperaturen, die in der Stadt noch mal acht bis zehn Grad höher liegen können als im Umland, immer länger andauernde Trockenperioden, mehr Starkregenereignisse und Stürme.

Straßenbäume und Klimawandel

Auf die derart vorbelasteten Bäume, deren Limit oft schon erreicht oder auch überschritten ist, treffen die altbekannten Schädlinge und Krankheiten sowie neue Arten, die vom Klimawandel profitieren. Verschärft wird die aktuelle Situation durch die Tatsache, dass die Artenvielfalt begrenzt ist. In den meisten Städten decken lediglich drei bis vier Baumarten 50 Prozent (z .B. München) oder sechs bis zehn Baumarten 80 Prozent (z. B. Dresden) aller Straßenbäume ab (Böll 2017). Die Tabelle 1 zeigt, dass inzwischen diese wenigen Arten von mehr als einer Krankheit oder Schädlingen befallen sind. Ihre Verwendbarkeit zumindest an den Extremstandorten ist damit für die Zukunft stark eingeschränkt.

Die Konsequenz aus dieser in vielen Städten zu beobachtenden Entwicklung ist, dass ein tiefgreifender Wandel in der Baumartenwahl notwendig ist, wenn auch in Zukunft in unseren Städten ein gesunder und gut entwickelter Straßenbaumbestand gewünscht ist. Die Wohlfahrtswirkungen der Bäume sowohl auf das Stadtklima als auch auf die Psyche der Bewohner sind allgemein bekannt und im Grunde unverzichtbar, wenn unsere Städte weiterhin lebenswert bleiben sollen. Die Frage welche Baumarten in Zukunft gepflanzt und in den Baumschulen kultiviert werden sollen, ruft sowohl bei den verantwortlichen Planern als auch den Baumschulen viele Unsicherheiten hervor. Der Informations- und Beratungsbedarf ist groß.

Tabelle 1: Krankheiten und Schädlinge häufiger Stadtbaumarten. Quelle: Schönfeld/Böll

Versuche und Studien

Um hier zu zuverlässigeren Angaben zu kommen, finden seit einigen Jahren in verschiedenen Forschungs-Institutionen und Verbänden Versuchspflanzungen statt. Zu nennen ist hier das Projekt "Stadtgrün 2021" des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau der LWG Veitshöchheim (2009-2021) mit 30 Baumarten an drei bayerischen Standorten. Klaus Körber führt am Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau der LWG auf dem Versuchsgelände "Im Stutel" mehrere Versuche zu dem Thema durch:

  • Im Zeitraum von 2013-2016 wurde eine Versuchspflanzung innerhalb des "Netzwerk Zukunftsbäume" mit 43 sämlingsvermehrten Baumarten an sechs Standorten in Deutschland durchgeführt.
  • In einem weiteren Praxisversuch wurde von 2013 bis 2015 die Eignung von 29 bisher relativ unbekannten aber vielversprechenden Baumarten und -sorten an der LWG sowie in sechs verschiedenen Baumschulen an klimatisch unterschiedlichen Standorten getestet.
  • Seit 2010 werden auf zwei Hektar über 160 verschiedene Baumarten und Sorten getestet um für zukünftige Entwicklungen möglichst breit aufgestellt zu sein. Diese Versuchsfläche wird regelmäßig bonitiert und laufend durch Neupflanzungen erweitert. Sie liefert wichtige Erkenntnisse und bietet gute Vergleichsmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Arten und Sorten.

Ufer und Wrede pflanzten 2015 im Rahmen eines von der EU geförderten EIP-Projekts (Europäische Innovationspartnerschaft) in den Städten Kiel, Lübeck, Heide und Husum die 20 Baumarten aus dem Projekt "Stadtgrün 2021" der LWG auf, um an Hand der Ergebnisse später Sortimentsempfehlungen für Norddeutschland abzuleiten.

Fellhölter und andere begannen 2014 eine Versuchspflanzung mit 36 Bäumen in sechs Arten am Standort Neue Späthstraße in Berlin-Neukölln. Die Auswahl der Baumarten erfolgte mit zwei Ausnahmen (Acer campestre 'Elsrijk' und Alnus cordata) aus dem Basissortiment des Projekts "Stadtgrün 2021" der LWG.

Acer x freemanii 'Autumn Blaze' hat seinen großen Auftritt im Herbst mit der brennend roten Herbstfärbung. Foto: Philipp Schönfeld

Die Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) begann 2005 in Ergänzung und Fortschreibung ihrer Straßenbaumliste mit dem Straßenbaumtest 2, der 2008 und 2014 um weitere Arten erweitert wurde und aktuell 35 Baumarten und -sorten umfasst. Elf deutsche Städte sowie Wien und Basel beteiligen sich diesem Test. Allerdings sind nicht alle Baumarten in allen Städten aufgepflanzt.

Der aktuelle Stand der Bewertung kann auf der Homepage der GALK eingesehen werden
(galk.de/index.php/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/strassenbaumtest-2).

Neben den Praxisversuchen haben Roloff, Gillner und Bonn im Auftrag des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) 2008 die "Forschungsstudien: Klimawandel und Gehölze" erarbeitet. Unter den Bedingungen des Klimawandels stufen die Autoren eine breite Palette von Gehölzarten entsprechend ihrer Trockenstresstoleranz, Lebensbereich und Winterhärte in je eine der drei Listen "eher im Vorteil", "indifferent" oder "eher im Nachteil" ein. In der "KlimaArtenMatrix" für Stadtbaumarten (KLAM-Stadt) wurden die Gehölzarten in einer Tabelle in vier verschiedene Kategorien der Trockentoleranz und Winterhärte eingestuft.

Die notwendigen Wechsel in der Baumartenwahl beschäftigen naturgemäß auch die Baumschulen. Sie sind es, die die notwendigen Bäume kultivieren müssen, bevor sie geplant und letztendlich gepflanzt werden können. Da es zehn bis 15 Jahre dauert bis ein Hochstamm mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimeter produziert ist, benötigen die Baumschulen einen entsprechenden Vorlauf zur Umstellung der Sortimente. Sie stehen in ihrer Sortimentsplanung vor der Schwierigkeit ein Produkt zu produzieren, dass erst in acht bis 15 Jahren verkaufsfähig ist. Deshalb haben einige von ihnen auf Grund ihrer praktischen Erfahrungen und Einschätzungen eigene Klimabaumlisten aufgestellt und veröffentlicht. Für die hier vorliegende Übersicht sind die Listen der Baumschulen Clasen, Ebben (NL), Lorberg, Lorenz von Ehren und Sander verwendet worden. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Tabelle 2: Klimabäume. Quelle: Schönfeld

Das "neue" Sortiment

Fasst man alle in den oben angeführten Versuchen und Empfehlungslisten aufgeführten Baumarten in einer Tabelle zusammen, kommt man auf rund 110 Arten und Sorten. In dieser Gesamtliste finden sich seit langen bekannte und bewährte Arten wie beispielsweise Ginkgo biloba, Gleditisia triacanthos oder Carpinus betulus-Sorten. Das sind Arten, denen die Fachleute zutrauen, auch in Zukunft weiter erfolgreich zu sein. Es finden sich aber auch eine ganze Reihe von bisher sehr selten kultivierten und angebotenen Arten, deren Entwicklung und langfristige Eignung auch von Fachleuten nur schwer eingeschätzt werden kann. Beispielhaft seien genannt: Celtis julianae, Eucommia ulmoides, Pterocarya stenoptera oder Quercus x hispanica 'Wageningen'.

Als Entscheidungshilfe für Planer und Baumschulen enthält die Gesamtliste somit zu viele Arten. In die Tabelle 2 wurden deshalb nur die Arten aufgenommen, die in mindestens drei der oben angegebenen Listen genannt worden sind. Damit verringert sich die Zahl der Baumarten auf 33. Diese Liste ist somit deutlich kürzer und eignet sich viel besser zur Entscheidungsfindung und dürfte im Großen und Ganzen die Kerngruppe der Arten enthalten, die aktuell von der Mehrheit der Fachleute aus der Forschung, der Planung und den Baumschulen als zukunftsträchtig angesehen wird. Sie enthält kaum ausgesprochene Exoten, sondern Arten, die durchaus im Sortiment gut sortierter Baumschulen vorhanden sind, allerdings nicht alle in großen Stückzahlen. Bei der Planung größerer Projekte sollte deshalb unbedingt vorab mit den Baumschulen die Liefermöglichkeiten geprüft werden. Auch sind längst nicht alle Arten bisher schon als Straßenbäume eingesetzt worden wie zum Beispiel Amelanchier arborea 'Robin Hill', Magnolia kobus oder Parrotia persica. Mit Pinus sylvestris hat es auch eine Nadelbaumart in die Liste geschafft. Bisher wurden mit dem Begriff "Straßenbäume" immer Laubbäume verbunden(Ausnahme Ginkgo). Das muss aber nicht so bleiben.

Der Blick auf dieses "neue" Sortiment zeigt aber auch die dramatischen Veränderungen im Sortiment. Bisher häufig verwandte Arten sind nicht mehr oder nur noch vereinzelt zu finden: Das betrifft zum Beispiel Aesculus-Arten (Pseudomonas!), Acer pseudoplatanus und in gewisser Weise auch A. platanoides, der nur noch am Rande mit einzelnen Sorten auftaucht, Fraxinus excelsior (Eschentriebsterben!), Platanus etc. Das Sortiment der als zukunftsfähig eingeschätzten Lindenarten, ein traditioneller Straßenbaum, ist stark geschrumpft. Die bisher bewährten Arten und Sorten sind damit nicht völlig überflüssig geworden. Aber ihre Verwendung wird sich in Zukunft auf Standorte beschränken, die sie in ihrer Anpassungsfähigkeit und "Leidensfähigkeit" nicht überfordern, sondern an denen ihre Standortansprüche erfüllt werden.

In den Vordergrund rücken dafür jetzt vor allem widerstandsfähige, zähe und trockenheitsverträgliche aber dennoch winterharte Arten. Viele von ihnen stammen aus Südost-Europa, wo heute schon die Klimabedingungen herrschen, wie sie für bestimmte Gegenden in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte prognostiziert werden.

Die Lebensbereiche der Gehölze und die "KlimaArtenMatrix" als Entscheidungshilfe

Sehr aufschlussreich ist der Blick auf die Lebensbereichkennziffern nach Kiermeier. Als wichtige Eigenschaften der "Klimabäume" werden immer wieder die Toleranz gegenüber Hitze sowie Luft- und Bodentrockenheit genannt neben ausreichender Winterhärte. Überraschenderweise stammen allerdings 13 der 34 Arten aus dem Lebensbereich 2 "Auen- und Ufergehölze". Bei den Bodenfaktoren sind sie den Ziffern 3, 4 oder 5 zugeordnet, das heißt Gehölze von gelegentlich mäßig trockenen, sonst frischen bis feuchten Standorten (Hartholzaue). Die pH-Wert Ansprüche reichen von sauer über neutral bis alkalisch.

Dieser auf den ersten Blick überraschende Befund erklärt sich, wenn man bedenkt, dass die Gehölze der Hartholzaue zum Überleben über eine große Anpassungsfähigkeit verfügen müssen. Längst nicht immer ist der Boden frisch oder feucht. In sommerlichen Trockenperioden und bei Niedrigwasserstand müssen die Gehölze auch längere Perioden mit trockenem Boden ertragen. Diese Anpassungsfähigkeit kommt ihnen bei der Verwendung als Straßenbaum offenbar zu gute. Weitere Untersuchungen und Forschungen zu diesem Thema wären dringend erforderlich.

Der Blick auf die Lebensbereichkennziffern zeigt auch, welche Arten, die in den bisherigen Listen nicht auftauchen, zukünftig ebenfalls interessant sein könnten und in neue Versuche mit einbezogen werden sollten. Für den Lebensbereich 2.3/2.4/2.5 wären das (Auswahl): Carya illionensis, Cladrastis kentukea, Liriodendron tulipifera, Quercus phellos, Q. imbricaria, Q. bicolor, Q. macrocarpa.

Lediglich zwölf Arten sind aus dem Lebensbereich 6 "Steppengehölze und Trockenwälder", der dem oben angegebenen Anforderungsprofil für Klimabäume am nächsten kommt. Bei den Bodenfaktoren sind sie in der Regel der Ziffer 3 zugeordnet, das heißt Gehölze von mäßig trockenen bis frischen Standorten, die Luft- und Bodentrockenheit vertragen, pH-Wert von schwach sauer bis alkalisch.

Für den Lebensbereich 6.3. kämen noch folgende Arten in Frage: Acer tataricum subsp. ginnala, Euodia hupehensis, Celtis reticulata, Morus alba, Phellodendron sachalinense, Quercus x turneri, Quercus pubescens, Tilia mandshurica.

Die verbleibenden Arten verteilen sich auf die Lebensbereiche 3, 4, 7 und 8. Fünf Arten stammen aus dem Lebensbereich 3 "Artenreiche Wälder und Gehölzgruppen". Bei den Bodenfaktoren sind sie in der Regel der Ziffer 1 zugeordnet, das heißt Gehölze mit robusten, stadtklimaverträglichen Arten mit weiter Standortamplitude.

Im Lebensbereich 3.1. wären unter Umständen noch folgende Arten interessant (Auswahl): Carya glabra, Corylus americana, Gymnocladus dioicus. Die Einstufungen der Baumarten in der Klima Arten Matrix stimmen mit denen der Lebensbereiche gut überein. Arten aus dem Lebensbereich 2 werden in Bezug auf die Trockentoleranz in die Stufen 1 oder 2 eingeordnet; Arten aus dem Lebensbereich 6 ausnahmslos in die Stufe 1.

In der "KlimaArtenMatrix" finden sich in den Bereichen 1.1, 1.2, 1.3, 2.1 und 2.2 ebenfalls einige Arten, die bisher für die Verwendung als Klimabaum noch nicht beachtet und in den oben angegebenen Listen nicht aufgeführt worden sind: Acer cappadocicum subsp. lobelii, Alnus cordata, Carpinus orientalis, Carya ovata, Catalpa speciosa, Celtis caucasica, C. glabrata, Elaeagnus angustifolia, Gleditsia japonica, Ostrya virginiana, Phellodendron amurense, Quercus muehlenbergii, Quercus montana.

Sophora japonica, hier in Wien, ist trockenheits- und hitzeverträglich und entwickelt sich im Alter zu mächtigen, breitkronigen Bäumen. Foto: Philipp Schönfeld

Tab. 3: Vorläufige Liste der „Best-of-Arten“ aus dem Versuch Stadtgrün 21 mit den Jahresmitteln der Lufttemperatur und des Niederschlags.

Die ersten Zwischenergebnisse vom Versuch "Stadtgrün 2021" zeigen jedoch, dass theoretische Überlegungen und Einstufungen allein nicht ausreichen. Um ein Gesamtbild der Eigenschaften einer Art zu erhalten, sind praxisnahe Versuche unumgänglich. Die Versuchsergebnisse führen immer wieder zu positiven oder negativen Überraschungen, weil einzelne Arten dann zum Beispiel mehr oder weniger winterhart oder trockenheitsverträglich sind als erwartet. Die Tabelle 3 zeigt, dass sich beispielsweise die beiden wärmeliebenden Arten Sophora japonica und Fraxinus ornus aus dem Lebensbereich 6 sich überraschenderweise am kalten Standort Hof/Münchberg besonders gut entwickeln. Liquidambar styraciflua hingegen, aus dem Lebensbereich 2, wächst bisher am trockenen und heißen Standort Würzburg am besten. Besonders erstaunlich ist Alnus x spaethii, die offenbar über eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit verfügt. Sie wächst an allen drei, klimatisch sehr unterschiedlichen Standorten, gleichermaßen gut. Die Liste der "Best-of-Arten" in der Kombination mit den Klimadaten der drei Standorte zeigt sehr klar die Bedeutung des regionalen Klimas für die Baumartenauswahl. Den einen Superbaum, der von Kiel über Berlin bis Berchtesgaden gleich gut wächst wird es nicht geben. Differenzierte und standortgerechte Artenauswahl ist das Gebot der Stunde.

Parallel dazu ist bei neuen und unbekannten Arten die Zusammenarbeit mit den Baumschulen zwingend erforderlich. Zur Erweiterung des Sortiments eignen sich letztendlich nur Arten, die sich in den Baumschulen mit den üblichen Kulturverfahren in angemessener Zeit zu Hochstämmen erziehen lassen, die den geltenden Qualitätsvorschriften entsprechen. Der Vollständigkeit sei hier noch angemerkt, dass der beste und widerstandsfähige Baum nur dann wachsen kann, wenn eine fachgerechte Bodenvorbereitung, Pflanzung und Pflege erfolgt.

Ausblick

Die rund 34 Baumarten scheinen auf den ersten Blick ein umfangreiches Sortiment darzustellen. Aber nicht nur die Standortbedingungen sondern auch die Standortansprüche der Baumarten sind sehr unterschiedlich, wie sich an Hand der Lebensbereiche zeigt. Und nicht überall in Deutschland sind die Folgen des Klimawandels so deutlich zu spüren wie in Unterfranken. Eine Reihe von Städten sind deshalb dazu übergegangen, regionale Baumlisten aufzustellen. Bei der Auswahl einer Baumart für einen bestimmten Standort schrumpft somit diese Liste mitunter auf wenige Arten zusammen. Hinzu kommt, dass neben den Standortansprüchen in der Anforderungsliste noch weitere Kriterien genannt sind, beispielsweise Wuchshöhe, Kronenform, Belaubung, Blüten/Früchte, Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten etc. Das schränkt die Auswahl weiter ein. Je größer das zur Verfügung stehende Sortiment ist, desto genauer kann die Artenauswahl für einen bestimmten Standort erfolgen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte zeigen, wie schnell mitunter eine bis dahin zuverlässige Art plötzlich ausfallen kann. Erinnert sei hier nur zum Beispiel an das Ulmensterben (Ulmen allein hatten bis dahin z. T, einen Anteil von 30 % am Straßenbaumbestand) oder ganz aktuell das Eschentriebsterben. Deshalb muss es das Ziel sein, die Baumartenvielfalt in den Städten zu erhöhen, um das Risiko zu verringern, dass weitere neue Schädlinge und Krankheiten die Palette der uns zur Verfügung stehenden Arten und Sorten noch weiter verringern. Wir sollten, wie Körber (2017) so treffend bemerkt, die Idee des artenreichen Mischwalds in den urbanen Raum übertragen. Die Frage, ob diese Arten dann heimisch oder fremdländisch sind, ist vor diesem Hintergrund zweitrangig. Die Aufgaben und Anforderungen der Baumschulen werden damit nicht leichter, da sie ein größeres Sortiment als früher vorhalten müssen.

Die Suche nach neuen und widerstandsfähigen Baumarten muss also fortgesetzt werden und wird auch fortgesetzt. Dazu gehört, dass auch zunehmend sehr seltene und bisher kaum kultivierte Arten getestet werden. Zu nennen wären hier zum Beispiel Celtis julianae, Eucommia ulmoides, Quercus x hispanica oder Tilia mongolica. Auf den Versuchsfeldern stehen noch weitere bisher kaum bekannte Arten, die zum Teil sehr vielversprechende Eigenschaften zeigen. Andere Arten hingegen erfüllen nicht die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen. Genau deswegen sind umfangreiche und zeitintensive Versuche notwendig. Das Potential an geeigneten Arten ist noch nicht ausgeschöpft. Sie müssen nur gefunden und in die Versuche mit aufgenommen werden. Der Weg vom Versuch bis zum pflanzfertigen Baum ist jedoch lang. Deshalb gilt es keine Zeit zu verlieren.

Literatur

Böll, S. (2017): 7 Jahre "Stadtgrün 2021" - Einfluss des regionalen Klimas auf das Baumwachstum an drei bayerischen Standorten. Jahrbuch der Baumpflege, S. 91-114.

Böll, S., K. Körber, P. Schönfeld (2016): Forschungsprojekt Stadtgrün 2021 - neue Bäume braucht das Land. Plakat, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau (Hrsg.), Veitshöchheim.

Clasen & Co. Baumschulen GmbH (Hrsg.) (2016): Moderne Stadtbäume klimafest & zukunftssicher. Broschüre, Rellingen.

Ebben (Hrsg.) (2018): Onze klimaatbomen. Plakat, Cuijk (Niederlande).

E. Sander (Hrsg.) (2015): Der Klimabaumkatalog. Broschüre, Rellingen.

Fellhölter, G., M. Schreiner, M. Zander, C. Ulrichs (2015): Stresstest an Straßenbäumen in Berlin-Neukölln. Pro Baum 2, S. 22-24.

GALK-Arbeitskreis "Stadtbäume" (Hrsg.) (2016): GALK-Straßenbaumtest Online. Broschüre.

Kiermeier, P. (1995): Lebensbereiche der Gehölze eingeteilt nach dem Kennziffernsystem. 3. überarbeitete Auflage, Verlagsgesellschaft Grün ist Leben mbH, Pinneberg.

Körber, K. (2017): Bäume mit Zukunftscharakter: Evaluierung von Baumarten und Sorten aus der Sicht der Baumschulen. Manuskript zum Vortrag beim NÖ Baumtag in Baden bei Wien.

Lorberg (2018): Die Herausforderung. Liste mit empfehlenswerten Baumarten; persönliche Mitteilung.

Pflanzenhandel Lorenz von Ehren (Hrsg.) (2015): Stadtbäume fit für die Zukunft. Broschüre, Hamburg.

Roloff, A., S. Gillner, Bonn, S. (2008): Klimawandel und Gehölze. Sonderheft Grün ist Leben, Bund deutscher Baumschulen (BdB), Hrsg., 42 S. Pinneberg.

Ufer, T., A. Wrede (2016): Stadtgrün 2025 - Klimawandel und Baumsortimente der Zukunft - ein neues EIP-Projekt in Schleswig-Holstein. Tagungsband 34. Osnabrücker Baumpflegetage.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Pro Baum 03/2018 .

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