KlimaFit

Trockenheitsverträgliche Gräser

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Unsere Serie zur Klimaanpassung von Gärten und Parks berät zur naturnahen Gestaltung, trockenheitsverträglichen Gehölzen und trockenheitstoleranten Stauden.
Klimafit Gartengestaltung und Grünflächengestaltung
Innenhof in Kopenhagen. Die wunderbare Gestaltung ist von Charlotte Garden, SLA Landschaftsarchitekten. Foto: Swantje Duthweiler

Gräser sind spannende und sehr beliebte Pflanzen. Viele Arten können viele Meter tief wurzeln und die Feuchtigkeit in den unteren Bodenhorizonten erschließen. Sie sind dann extrem genügsam und trockenheitsresistent und werden auch in schwierigen Zeiten des Klimawandels mit Hitzesommern und Überschwemmungsgefahren zurechtkommen.

Auch in Garten und Park lassen sich Gräser gut verwenden. Sie sind sehr verschieden in Gestalt und Größe und kann man mit ihren feinen, linealen und oft durchsichtigen Halmen und Blattschopfen ausdrucksvolle Texturkontraste pflanzen. Karl Foerster empfiehlt hier das "Pflanzen nach Harfe und Pauke" – und setzte die zarten Grastexturen bevorzugt neben breitblättrige Staudendominante. Gräser können sich wellenförmig im Wind wiegen und leise rascheln und erzeugen bei mildem Gegenlicht eine sanfte Atmosphäre, eine Faszination des Versteckten und des Verschleierten.

Immer wieder werden auch Gräsersortimente in der Staudensichtung bonitiert. Nach Panicum, weißbunten Miscanthus und Hakonechloa wurde jetzt das Sortiment wintergrüner Seggen begutachtet. Das Ergebnis zeigt die hohe Verwendungsqualität von Carex-Arten und –Sorten, kann man an halbschattigen Standorten deutlich mehr als nur Carex morrowii 'Variegata' pflanzen. Zwei Sorten sind mit drei Sternen ausgezeichnet worden (Carex 'Feather Falls' und Carex morrowii 'Hazy Green'), haben 9 Sorten zwei Sterne erhalten (Carex morrowii 'Mosten', -- 'Vareigata', -- 'Aureovariegata', Carex folioissima 'Irish Green', Carex oshimensis 'Evergold', Carex 'Kyoto', Carex 'Weinheim Light Green' und Carex flacca 'Bluis'). Großartig, das macht Lust neue Sorten auszuprobieren.

Und doch gibt es bei Auftraggebern und Kunden immer wieder Vorurteile gegenüber Gräsern: "Gräser habe ich schon ganz viele im Garten – sie breiten sich wie Unkraut aus" hört man oft. Problematisch sind vor allem die stark versamenden Pionierarten (Poa annua). Einfacher zu kultivieren sind Gräser mit Konkurrenzstrategien, die steril und horstig wachsen (Panicum, Miscanthus) oder Stressstrategen für besonders nasse oder trockene Problemstandorte (Molinia, Sesleria, Carex). Doch Vorsicht, mit zunehmendem Klimawandel ändern sich derzeit die Gegebenheiten, werden manche gut bekannten zahmen Kulturgräser plötzlich ausbreitungsstark. Die heimischen C3-Gräser sind auf eine Optimalentwicklung bei niedrigeren Temperaturen angepasst ("Cold-season-grasses"). Sogenannte C4-Gräser aus Nordamerika oder Asien ("Warm-season-grasses") gedeihen bei höheren Temperaturen besser und sind mit zunehmendem Klimawandel auch bei uns im Vorteil. So war Miscanthus sinensis, das Chinaschilf bisher vollkommen problemlos gewesen, beobachtet man in warmen Trockensommern derzeit überall eine starke Versamung frühblühender Sorten.

Hier sollte man in Zukunft auf alle frühblühenden Miscanthus-Sorten verzichten, 'Nippon' und 'Vorläufer' unbedingt meiden, aber auch bei den im August-September blühenden 'Kleine Fontaine', 'Kleine Silberspinne', 'Yakushima Dwarf' oder 'Giraffe' vorsichtig sein. Immer noch empfehlenswert sind spätblühende Miscanthus-Sorten wie 'Malepartus', 'Kaskade', 'Graziella', 'Ferner Osten' oder 'Ghana'. Sie kommen zwar zur Blüte, aber nicht zur Fruchtreife. Ein weiterer Tipp wäre möglichst nur EINE Miscanthus-Sorte zu verwenden, damit zwischen mehreren Sorten nicht ungewollt invasive Hybriden entstehen. Auch Cortaderia selloana, das Pampasgras, entwickelt sich derzeit in Südeuropa invasiv. In Deutschland sind nicht alle Sorten winterhart, steht die Art aber seit Kurzem auf der europäischen Schwarzen Liste der invasiven Pflanzen und darf in Europa nicht mehr vermehrt, verkauft oder verwendet werden.

So kann man zusammenfassend festhalten, dass Gräser ein großes Gestaltungspotential haben, man sich aber gut bei aktuellen Entwicklungen auskennen sollte. Große Freude und auch großes Leid mit Gräsern liegen aktuell eng nebeneinander.

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Prof. Dr.-Ing. Swantje Duthweiler
Autorin

Pflanzenverwendung, Fakultät Landschaftsarchitektur, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

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