Klimaresilienz
Mehr Mut, weniger Gießkanne!
von: Cordula Schill
Planen für längere Sommer
Der Trend zeigt, dass wärmere Winter und frühere Frühlingstemperaturen die Pflanzenentwicklung nach vorne verschieben. Hitzewellen werden häufiger, die Trockenperioden länger, vermehrte Erosion bei unbedecktem Boden nach heftigeren Starkregenereignissen.
Die Vegetationsperioden beginnen bei uns inzwischen etwa 2-3 Wochen früher. Die Blüte der Sonnenhüte (Echinacea), von Kaukasus Gamander (Teucrium hircanicum) oder der elegante Salbei (Salvia nemorosa 'Caradonna') kann früher loslegen und länger andauern, für bienenfreundliche Pflanzungen ein echtes Plus. Durch mildere Herbsttemperaturen und später auftretende Bodenfröste verlängert sich die Vegetationsperiode ebenfalls um 2-3 Wochen nach hinten, regional teilweise sogar länger. Davon können z.B. Fetthenne, Herbstastern oder Herbstanemone profitieren.
Ein milder Herbst verbessert die Ausreife von Samenständen und Halmen, wodurch strukturstarke Winterbilder entstehen. Gleichzeitig nutzen Vögel und Insekten die länger verfügbaren Nahrungsquellen. Das bedeutet aber für Planung und Pflege, dass Pflanzzeitpunkte, Bewässerung und Schnittmaßnahmen angepasst werden müssen. Die gute Neuigkeit ist – es gibt bereits Lösungen! Nämlich einige alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, standortgerecht zu pflanzen und - für eine neue Ästhetik werben.
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Von Kompost bis Rittersporn - Pflanzenverwendung früher
Ich erinnere mich an meine Mutter und ihre Generation, die Komplimente für Ihren schönen blühenden Garten reflexhaft mit einem fast stolzen Seufzer beantwortet haben: "Ja, der Garten macht aber auch viel Arbeit!" Hohe Prachtstauden wie Phlox, Rittersporn, Dahlien, Lupinen, Pfingstrosen, Tränendes Herz, Türkenbund-Lilien oder Stockrosen waren traditionelle Elemente.
Da Gärten früher auch zur Versorgung der Familie dienten, waren Obstbäume ein wichtiger Teil der Gärten und spendeten Halbschatten. Besonders in alten Bauergärten waren auch die Böden humusreicher durch jährliche Kompostgaben, gesundes Bodenleben war gegeben.
Wenn auch nicht so extrem und nicht so lange wie heute, gab es auch damals schon heiße Sommer, dann musste abends reichlich aus der Regentonne gegossen werden. Im Herbst fand intensive Gartenarbeit und Erntezeit statt, danach wurde der Garten "winterfest" gemacht: Sträucher, Gräser, Stauden - alles wurde tief heruntergeschnitten und das Schnittgut auf dem Kompost entsorgt. Gejätet wurde, so dass der Boden kahl war und Platz für neue (Unkraut-) Samen bot. Graubraun war die vorherrschende Farbe im Winter-Garten bis ins Frühjahr.
Insektensterben war in der zweiten Hälfte des 20-igsten Jahrhunderts noch kein großes Thema. Generell war weniger Fläche verdichtet, es gab noch genug Grünflächen, Feldraine und Wiesen ohne Überdüngung durch Phosphate. Allgemein verwendete man mehr Zeit auf die Gärten, auch aus traditionellen und ökonomischen Gründen. Stauden und Pflanzenkenntnis wurden gleichermaßen geteilt und weitergegeben.

Moderne Pflanzenverwendung: Schönheit ist auch im Vergehen
Durch Pioniere der Planzplanung hat sich inzwischen viel verändert. Das Duo Oehme & van Sweden beeinflusste ab den 1970er-Jahren mit ihrem "New American Garden" durch lebendige, saisonal wechselnde Pflanzbilder den modernen, naturnahen Garten der USA neu und vereinte ökologische und ästhetische Aspekte miteinander.
Am bekanntesten ist wohl der niederländische Landschafts- und Gartengestalter Piet Oudolf. Seit den 1990-er Jahren schuf Oudolf Gärten und Parks weltweit, er gilt als Vater des modernen Stauden- und Prairiegartens. Er hat insbesondere robuste, oft einheimische Stauden und Gräser als Pflanzengemeinschaften populär gemacht, die sich über das Jahr verändern und auch im Verblühen ästhetisch wirken.
Im Gegensatz zu Gärten unserer Elterngenerationen sieht Oudolf Schönheit auch im Vergehen – in Samenkapseln, Skeletten und winterlicher Transparenz. Dass so ein Garten im Winter zwar immer noch eher braun wirkt, aber durch standhafte Stauden, sogenannte Wintersteher, auch als schön empfunden werden, haben wir Pionieren wie Oudolf zu verdanken.
Und nicht zuletzt gibt es heute eine neue Generation von Gärtnern, die ihren Garten als Ort der Erholung sehen möchten und nicht hauptsächlich als weiteren Arbeitsplatz – im Herbst darf man heute auch faul sein. Die unermüdliche Aufklärung durch Naturschützer hat viel bewirkt: notwendige Schnittarbeiten werden immer mehr in den Spätwinter verlegt, um Überwinterungsquartiere für Insekten zu ermöglichen, Grünschnitt wird aufgehäuft für Igelhotels. Neue Ansätze in der Gartengestaltung etablierten sich oft nur langsam oder gegen anfängliche Missbilligung – Ästhetik ist oft auch erlernt und spiegelt den Zeitgeist.
Die Kunst der trockenen Beete
Zur 1.000-Jahrfeier der Abtei Brauweiler erhielt der Klostergarten eine aufwendige Revitalisierung. Bereits bei der Planung des neuen Kräutergartens in 2023 wurden Standort- und Lichtbedürfnisse der über 100 verschiedenen Kräuter berücksichtigt und in Beeten nach ihren Lebensbereichen zusammengepflanzt. Trotz eines komplexen Mosaiks bei der Bodenvorbereitung ging der Bauherr, der Landesverband Rheinland LVR, mit. Ein Jahr nach der Pflanzung gedeihen trockenheitsverträgliche, schattenliebende oder Kräuter mit mehr Feuchtigkeitsbedarf in ihren jeweiligen Beeten prächtig.

Substrate
Wo frischgrüne Pflanzen in dunkelbraunem Boden langfristig nicht funktionieren können, sollten wir bei Bauherren, Kommunen und Gartenbesitzern für eine neue Ästhetik werben. Die beste Überzeugungsarbeit leistet eine funktionierende, pflegearme Pflanzung in mineralischen Substraten oder mit Mineralmulch. Das hat nichts mit den wirklich toten "Vorgärten" aus Kunststoffvlies und Schotter gemeinsam!
Wo vom Start weg eine naturnahe Anmutung gewünscht ist, lässt sich mit Findlingen und größeren Steinen auf der Pflanzfläche eine Höhenkulisse herstellen. Diese bieten zudem den Vorteil, dass Pflanzen von der anhaftenden Feuchtigkeit an der Unterseite profitieren oder als malerische Kletterhilfe nutzen können. Auch heller Kalkstein mit großer Bandbreite bei der Körnung wirkt natürlich und reflektiert die Hitze, anstatt sie zu speichern.
Diese Herausforderung, den Unterschied zwischen den berüchtigten toten Schotterflächen und Pflanzungen zu erklären, die auf fast puren Mineralien wachsen, erfordert Geduld und manchmal Humor. Bei Anspielungen auf die berüchtigten Schotter- "Gärten" ist Gelassenheit gefragt. Zu dem Thema existiert übrigens ein fantastisch unterhaltsames Buch von Ulf Soltau "Gärten des Grauens" und auch sein Instagram-Account*.
Für eine trockenheitsverträgliche Pflanzung sind gleich drei Parameter maßgeblich. Nicht nur die entsprechenden Stauden und Gehölze sind ausschlaggebend, sie brauchen durchlässigen, nährstoffarmen Boden und einen vollsonnigen Standort. Eine Hanglage, möglichst nach Süden oder Südwesten ist ideal, nach Regengüssen fließt das Oberflächenwasser schnell ab. Trockenheitsverträgliche Stauden vertragen nicht nur viel Trockenheit, sie benötigen diese sogar zum Gedeihen, Stau- und Winternässe ist kontraproduktiv. Auf einem normalen Gartenboden funktioniert eine Pflanzung mit den Hungerkünstlern zwar kurzfristig, aber die Pflanzen entwickeln zu schnell zu viel Blattmasse, die letztendlich wieder gewässert werden muss, um ansehnlich zu bleiben.
Entscheidend ist aber die Entwicklung des Wurzelwerks. Hier besteht eine qualifizierte Pflege darin, mehr zu beobachten und nicht zu gießen, wenn die Pflanzen eigentlich gut dastehen.
Konsequenz ist wichtig für den Erfolg einer trockenheitsverträglichen Pflanzung. Die richtige Auswahl von Stauden und Gehölze allein reicht nicht, auch der Boden muss dafür geeignet sein. Steinige oder sandige Böden müssen mindestens 30-40cm tief gelockert werden, damit die Pflanzen gut einwurzeln und können dann, sofern kein Unkraut vorhanden ist, direkt bepflanzt werden.
Bindige Lehm- oder Tonböden eignen sich nicht, hier ist ein Bodenaustausch von etwa 30cm Tiefe notwendig. Bei geeigneten, vollsonnigen Pflanzflächen oder mit einer Neigung gegen Süd/ Südwest lohnt sich der Aufwand. Das neue Substrat sollte einen mineralischen Anteil von mindestens 70-90 Vol.% haben und kann mit Unterboden (z.B. Baugrundaushub) oder unkrautfreiem Oberboden gemischt werden. Auch ein Substrat aus zwei Drittel Kies oder Splitt und einem Drittel Sand ist geeignet; nach Bedarf mit einer Anreicherung von maximal 10 Vol.-% unkrautfreiem gütegesichertem Kompost. Möglich sind auch Baumsubstrate oder Substrate für Dachbegrünung aus dem Fachhandel.
Konkrete Anleitungen zur Bodenvorbereitung stellt beispielweise die Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau LWG im Merkblatt Kies- und Schottergärten zur Verfügung*. Auch in Bezug auf trockenheitsverträgliche Pflanzen wurde bereits viel Forschungsarbeit geleistet: die Mischpflanzungen der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim LWG* und vom Bund Deutscher Staudengärtner BdS* sind über mehrere Jahre getestet. Experimentierfreudige Pflanzplaner können sich aus der umfangreichen Pflanzenpallette bedienen und neu kombinieren.

Die Erwartung, dass ein frisch gepflanztes Staudenbeet dunkel aussehen muss, ist immer noch sehr verbreitet. Ohne entsprechend explizite Ausschreibung wird im Zweifelsfall vor der Abnahme noch ein Mulch aus Rindenhumus, oder schlimmer, Rindenmulch aufgebracht. Aber "....Rindenmulch eignet sich nicht für trockenheitsliebende Pflanzen, da ein feucht-saures Milieu erzeugt wird. Die Pflanzen geraten unter Nährstoff-Mangel und es bildet sich Fäulnis".*
Damit ein schneller Anwachserfolg sichtbar ist, wird unter Umständen auch zuviel gewässert, auch weil üblicherweise eine fixe Anzahl Bewässerungsgänge für die Anwachspflege ausgeschrieben wird. Hier ist eine differenzierte Pflegeanweisung und mehr Pflanzenkenntnis nötig: bei den Pflegegängen sollte eher kontrolliert und gejätet als gegossen werden.
Und um die Frage zu beantworten, ob heimisch oder nicht? Warum nicht beides? Es kommt auf die Ansprüche an. Wo eine vorwiegend heimische Pflanzenauswahl langfristig gedeihen kann, ist sie vorzuziehen. Gerade bei den Gehölzen wird die Auswahl durch die Klimaerwärmung leider immer geringer. Daher empfiehlt sich ein mutiger Mix aus heimischen und nicht-heimischen Gehölzen und Stauden. Viele fühlen sich schon lange bei uns wohl. Invasive Arten sind zu vermeiden, hier bieten websites wie beispielsweise natura.db* einen schnellen Überblick.
Mit dieser Philosophie lässt sich gut eine langfristig stabile Pflanzung herstellen: optisch ansprechend, mit relativ geringem Pflegeaufwand und einer hohen Biodiversität. Frei nach dem Motto: „Nur die Harten in den Garten!“
Literatur und Internetquellen
- Ulf Soltau (2019): Gärten des Grauens. Eichborn, ISBN: 978-3-84790-668-1
- Ulf Soltau @gaerten.des.grauens
- Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau LWG (2024) Merkblatt Kies- und Schottergärten
- Staudenmischungen: https://www.lwg.bayern.de/landespflege/urbanes_gruen/159984/index.php
- https://www.bund-deutscher-staudengaertner.de/cms/staudenverwendung/mischpflanzungen/index.php
- Phillip Schönfeld: Kiesgärten - naturnah und vielfältig bepflanzt NEUE LANDSCHAFT Ausgabe Dezember 2024
- https://www.naturadb.de
Mein herzlicher Dank geht an Dr. Philipp Schönfeld, Nürnberg, der seine langjährigen Erfahrungen in Bezug auf Substrate bereitwillig und detaillierter geteilt hat, als hier wiedergegeben ist.









