Branchenumsatz und Profitabilität wecken Begehrlichkeiten

Konzerne und Investoren drängen in deutschen GaLaBau

In Londons Regent's Park, kümmert sich idverde um Rasen, Sträucher und Verwaltung. Nun will der Konzern auch in Deutschland antreten. Foto: Chensiyuan, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Deutschlands Garten- und Landschaftsbau wird von kleinen und mittlere Betrieben geprägt. Der bislang größte Betrieb hat rund 600 Mitarbeiter. Doch der Branchenumsatz und die Profitabilität sind im vergangen Jahrzehnt beständig gestiegen, die Insolvenzquote ständig gesunken. Auch in der Coronakrise machen die GaLaBau-Betriebe eine gute Figur. Das weckt Begehrlichkeiten bei Konzernen und Investoren in Europa. Sie möchten an Deutschlands grünem Markt teilhaben.

Diplom-Kaufmann Jan Jörgenshaus ist seit Monaten ständig in Deutschland unterwegs und führt Gespräche. Der 38-jährige Hamburger wurde im April Deutschland-Geschäftsführer von idverde, dem europäischen Marktführer für Landschaftsgestaltung und -pflege. Sein Auftrag: den Markteintritt des Konzerns in Deutschland durchzuführen und Betriebe zu finden, die Mitglieder der idverde-Gruppe werden wollen.

Auftrag für den Markteintritt

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Paris. Es bietet bislang in fünf westeuropäischen Ländern B2B-Landschaftsgestaltung an. Stand 2019 hatte der Konzern rund 7000 Mitarbeiter in 150 Niederlassungen und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 700 Millionen Euro. Die Kunden sind vor allem Kommunen (50 %), gefolgt von Privatunternehmen (30 %), Wohnungsbaubetrieben (10 %) und öffentlichen Einrichtungen (10 %). Zu den Auftraggebern zählen die Royal Parks in London, die Städte Paris, Eindhoven und Rotterdam sowie Firmen wie Total (Mineralöl), Carlsberg (Brauerei), Renault (Automobile) und Orange (Telekommunikation).

Referenz Royal Parks London

Die prominentesten Referenzen sind der Regent's Park und der Queen Elizabeth Olympic Park in London sowie die als Sommer-Skipiste bekannt gewordene Müllverbrennungsanlage CopenHill in Kopenhagen. In den Niederlanden geht die Geschäftstätigkeit über einzelne Objekte weit hinaus. Dort berät eine Unternehmensgruppe der idverde mit 80 Ingenieuren und 600 Mitarbeitern öffentliche und gewerbliche Kunden in strategischen Fragen.

Diplom-Kaufmann Jan Jörgenshaus wurde im April Deutschland-Geschäftsführer von idverde. Er reist durch alle Bundesländer und führt Gespräche. Foto: idverde Deutschland

Für Städte und Gemeinden schmiedet sie Pläne zu Klimaanpassung, Biodiversität, Wärmeinseln, Dekarbonisierung und Feinstaub. Die Pläne kann das Unternehmen dann auch gleich umsetzen.

Jörgenshaus' Ziel ist es, idverde Deutschland innerhalb von drei bis fünf Jahren bundesweit zu etablieren. Dabei plant er keinen aggressiven Markteintritt, sondern will ein ordentlicher Mitbewerber am Markt werden. Wichtig sei es, dass der Firmenname und die Geschäftsführung der von idverde erworbenen Unternehmen erhalten bleiben. Sie könnten ihr Geschäft wie bisher regional verankert weiterführen. Auch für die betroffenen Mitarbeiter solle sich grundsätzlich nichts ändern. Für sie sei ein verlässlicher, sicherer Arbeitgeber nur von Nutzen. Es entstünden sogar internationale Karrierechancen.

Mehr Leistung, mehr Angebote

idverde-Unternehmen könnten im kaufmännischen Bereich Synergien nutzten, sagt Jörgenshaus, beispielsweise in der Buchhaltung oder im Einkauf. Das könne die Fixkosten reduzieren und Einkaufskonditionen attraktiver machen. Als Teil von idverde sei für die Geschäftsführer auch das geringere unternehmerische Risiko von Vorteil. Das Leistungs- und Angebotsspektrum könnte künftig ausgebaut und bei Großaufträgen innerhalb des idverde-Netzwerks zusammengearbeitet werden. So fielen schließlich auch die Gewinnmargen höher aus. Am aufgeschlossensten für einen Verkauf an idverde haben sich gegenüber Jörgenshaus bisher drei Unternehmergruppen gezeigt. Die einen betrachten das Konzept als sehr zukunftsträchtig und möchten von Anfang an dabei sein, die anderen suchen eine Regelung der Betriebsnachfolge. Die dritten sind junge Betriebserben, die sich beruflich anders als orientieren wollen.

Auch Auctus Capital Partners sucht eine Beteiligung im deutschen GaLaBau-Markt. Das Unternehmen hat bereits ein Konzept ausgearbeitet. Abb.: Neue Landschaft

Gruppe "Regionaler Champions"

Idverde ist nicht das einzige Unternehmen, das in Deutschlands Garten- und Landschaftsbau investieren will. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Auctus Capital Partners hat ebenfalls großes Potenzial im deutschen GaLaBau erkannt. Ihr "Ziel ist der Aufbau einer mittelständisch geprägten Gruppe von Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen, die sich gegenseitig regional ergänzen und unterstützen". So steht es in einem Konzept vom Mai dieses Jahres, das der Neuen Landschaft vorliegt. Gedacht ist an eine überregional aufgestellte Gruppe "Regionaler Champions". Die von Auctus angestrebte Unternehmensstruktur sieht vor, "dass die Gruppe eine Beteiligung von über 50 % an den Unternehmen erwirbt".

Zukauf kleiner Unternehmen

Diese Betriebe sollen dabei unterstützt werden, in ihrer Region noch erfolgreicher zu werden, "vor allem auch durch den Zukauf weiterer, kleiner Unternehmen". Auctus plant für seine GaLaBau-Unternehmensgruppe "ein überproportionales Wachstum zu attraktiven Preisen". Erreicht werden soll das "durch eine gemeinsame Strategie, Marktbearbeitung, Abdeckung sehr großer Kunden, ein 'komplettes' Portfolio und eine verbesserte Verhandlungsmacht". Auch der deutsche GaLaBau-Markt geht damit den Weg der Marktkonsolidierung. Andere Länder haben das schon vorgemacht: In den Vereinigten Staaten gibt es im Garten- und Landschaftsbau über 100 Unternehmen mit über 20 Millionen Dollar Umsatz jährlich. Das größte GaLaBau-Unternehmen beschäftigt dort 21 500 Mitarbeiter und hat rund 200 Niederlassungen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2020 .

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