Landschaftsgärtner-Cup 2020 im Nürnberger Messepark

Kornmacher und Stanke holen die Trophäe nach Sachsen

So sehen Sieger aus: Phil-Elias Kornmacher (r.) und Erik Stanke aus Sachsen konnten den diesjährigen Landschaftsgärtner-Cup im Messepark Nürnberg für sich entscheiden. 2021 geht es für sie somit nach Shanghai zur Berufsweltmeisterschaft "WordSkills". Foto: AuGaLa

Die süddeutsche Dominanz ist gebrochen: Nicht Bayern oder Baden-Württemberg, sondern der Freistaat Sachsen hat in diesem Jahr den Landschaftsgärtner-Cup gewonnen. Phil-Elias Kornmacher und Erik Stanke bauten an zwei Wettbewerbstagen im September das beste Gewerk - und sicherten sich zusätzlich zur Deutschen Meisterschaft einen Startplatz bei den WorldSkills 2021 in Shanghai. Auf Platz Zwei schafften es Lukas Schmidt und Patrick Vonhof aus Bayern, Rang Drei ging an das Team NRW, bestehend aus Matthias Bals und Tim Deitmer.

Die Sieger kennen sich aus der Berufsschule

Wie außergewöhnlich der Sieg der Sachsen war, wird auch beim Blick auf deren Teambesetzung deutlich. Neben dem Sachsen-Anhaltinischen Team waren Phil-Elias und Erik die einzigen Teilnehmer, die nicht beim selben Ausbildungsbetrieb in Lohn und Brot stehen. Während Phil-Elias bei der CGS Creativ Garten Sachsen GmbH in Großschirma sein Handwerk gelernt hat, ist Erik von der Schubert & Reimann Garten- und Landschaftsbau OHG aus Ebersbach-Neugersdorf ausgebildet worden. Wie die beiden Jungs beim Gespräch mit Neue Landschaft verrieten, haben sie sich in der Berufsschule angefreundet. Dort hatten sie gemeinsam beschlossen, ihr Glück beim diesjährigen Sachsen-Cup zu versuchen - und gewannen ihn prompt.

Zum Favoritenkreis beim Bundesentscheid zählten sie deswegen noch lange nicht: Zwar hatte der Sächsische Landesverband dort in den vergangenen Jahren stets respektable Ergebnisse erzielt, ein Sieg war ihm jedoch nicht gelungen. Druck hatten sich die beiden im Vorfeld allerdings eh nicht gemacht, wie sie kurz vor der Siegerehrung beim Feierabendbierchen berichteten. "Wir waren von Anfang an ganz entspannt und wollten uns durch die Teilnahme vor allem verbessern und etwas dazulernen", so Phil-Elias.

"Wir hatten die ganze Zeit einen Tunnelblick"

Auch die Corona-Situation habe für die Jungs aus Sachsen keine große Rolle gespielt. "Unser Wettbewerbsgefühl hat das nicht beeinflusst," sagt Erik, "wir hatten eh die ganze Zeit einen Tunnelblick und waren voll auf unsere Baustelle konzentriert." Dass ihnen etwas Großes gelingen würde, spürten die beiden bereits früh. "Wir sind sehr zufrieden mit unserer Leistung", gab Erik eine gute Stunde vor der Siegerehrung zu Protokoll und Phil-Elias ergänzte selbstbewusst: "Ich rechne fest mit einem Platz auf dem Treppchen." So hat der sächsische Sieg zweierlei bewiesen: Weder muss man bei einer herausragenden Leistung falsche Bescheidenheit an den Tag legen noch ist es ein Wettbewerbsnachteil, Teams aus unterschiedlichen Ausbildungsbetrieben zu formieren.

Gleichwohl gab es in diesem unseligen Corona-Jahr natürlich ungewohnte Begleitumstände, von denen das gesamte Teilnehmerfeld betroffen war. Das fängt an mit den Verschiebungen und teils abenteuerlichen Neukonzeptionierungen der Vorentscheide und endet bei dem Publikumsverbot, das erstmals bei einem Landschafsgärtner-Cup ausgesprochen wurde.

Kaum Publikum im Messepark: Wo sonst unzählige GaLaBau-Besucher den Wettbewerbern über die Schultern schauten, fanden sich dieses Mal nur die Juroren, Verbandsvertreter sowie einzelne Journalisten ein. Foto: AuGaLa

Corona-Improvisation hinter den Kulissen

Eine gewaltige Anpassungsleistung musste etwa der VGL NRW erbringen, der eigentlich Jahr für Jahr den größten Vorentscheid mit rund 240 Teilnehmern im Dortmunder Westfalenpark ausrichtet. Daran war in Zeiten der Pandemie nicht zu denken. So durften in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland nur 18 GaLaBau-Azubis in der Ausbildungsstätte Münster-Wolbeck um das Ticket zur Finalrunde gärtnern.

"Es war wirklich eine undankbare Aufgabe, unseren NRW-Cup zu reduzieren und die fairste Teilnehmerauswahl zu treffen", seufzt Jutta Lindner-Roth, Nachwuchsreferentin beim VGL NRW und seit jeher für den Berufswettbewerb verantwortlich. "Ein kleineres Format war durch Corona in diesem Jahr natürlich absolut zwingend", sagt sie und verrät die zwei goldenen Regeln, mit denen es ihr doch noch gelang, diese Aufgabe zu meistern: "Dieses Mal fielen die Azubis im ersten Ausbildungsjahr komplett raus - denn sie können ja im nächsten Jahr wiederkommen. Und dann haben wir frühzeitig kommuniziert, dass jeder Ausbildungsbetrieb - anders als früher - nur ein Team entsenden darf." Um eine leistungsgerechte Auswahl sicherzustellen, nahm der VGL NRW die Ausbildungsbetriebe selbst in die Pflicht und empfahl ihnen, einen internen Wettbewerb abzuhalten und dann die Besten nach Münster-Wolbeck zu entsenden. "Bei den Anmeldungen galt dann das Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", so Lindner-Roth.

Teilnehmer waren "professionell distanziert"

Auf die Corona-bedingten Abstandsregeln angesprochen, schildert Jury-Mitglied Jens Bielefeld, ebenfalls vom VGL NRW nach Nürnberg entsandt, seine Eindrücke: "Bei unserem Vorentscheid waren alle Teilnehmer auf eine professionelle Art distanziert zueinander. Dadurch war die Veranstaltung nicht so persönlich wie üblich. Das Gleiche lässt sich über die Situation hier in Nürnberg sagen." Ob die jungen Leute dadurch weniger Spaß hatten und in letzter Konsequenz ihr Potenzial nicht voll entfalten konnten? Davon will Bielefeld nichts wissen: "Die Qualität beim NRW-Cup war auf keinen Fall geringer als in den Vorjahren. Im Gegenteil: Anstatt an zwei Tagen anzutreten, mussten unsere Azubis dieses Mal an nur einem Tag konzentrierte Arbeit leisten - und dabei sind sehr gute Ergebnisse herausgekommen."

Die Drittplatzierten von Nürnberg, Mathias Bals und Tim Deitmer, hatten 2019 bereits am "großen" Landschaftsgärtner-Cup NRW 2019 teilgenommen und in Münster-Wolbeck jedenfalls keinen Kulturschock erlitten, wie sie mir bei einer Cola verrieten: "Dieses Jahr war der Vorentscheid entspannter, da wir uns voll auf die Bauaufgabe konzentrieren konnten und keine zusätzlichen BWL-oder Vermessungsaufgaben lösen mussten." Die Frage, ob ihnen nun beim Bundesentscheid im Messepark das Publikum gefehlt habe, verneinen sie ähnlich vehement wie ihre Kollegen aus Sachsen: "Es war nicht unangenehm so ganz ohne Publikum. Damit sind doch eine ganze Menge Ablenkungen weggefallen."

Jury-Sprecher Ludger Plaßmann vom FGL Hamburg betonte, dass die Corona-bedingten Einschränkungen nicht nur Nachteile hatten: Durch das Wegfallen lästiger Kommentare von außen seien die Teilnehmer "ein Stück weit mehr bei sich" gewesen. Foto: AuGaLa

Dieses Mal "kein permanentes Grundgemurmel"

Auch Jury-Sprecher Ludger Plaßmann vom FGL Hamburg sieht in den symbolischen leeren Rängen keinen Nachteil. Auf die veränderte Stimmung beim ersten Geisterwettbewerb im Messepark angesprochen, sagt er: "Die Teilnehmer waren dieses Mal signifikant ruhiger als in den Vorjahren, da es kein permanentes Grundgemurmel gab." Dass Anfeuerungsrufe aus dem Publikum das letzte Quäntchen Leistung aus den Azubis herauskitzeln, glaubt Plaßmann ohnehin nicht: "Unter normalen Messebedingungen kommentieren viele Zuschauer unentwegt, das sorgt bei den Teilnehmern oft für Unruhe und Verunsicherung - und fiel dieses Mal weg.

Ohne Publikum sind die Azubis ein Stück weit mehr bei sich gewesen." Was viele nicht wüssten, so der Jury-Sprecher weiter, sei, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Platzverweise gegen allzu eifrige Unterstützer am Baustellenrand ausgesprochen werden mussten. Das diesjährige Zwangsexperiment mit Abstandsregeln und ohne Publikum berge also durchaus gewisse Vorzüge. Von einem Corona-bedingten Qualitätsverlust gegenüber den Vorjahren könne weder hinsichtlich der Bauaufgabe noch bezüglich der Teilnehmerleistung die Rede sein, so Plaßmann. Und auch wenn am Ende alles gar nicht so gewöhnungsbedürftig war wie befürchtet, freuen sich doch alle darauf, bei der GaLaBau 2022 wieder zur Wettbewerbs-Normalität zurückzukehren - lautstarke Unterstützung aus dem Publikum inklusive.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2020 .

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