Neue Vielfalt auf der ehemaligen Pferderennbahn

Landesgartenschau Neuss 2026

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Die diesjährige Gartenschau bietet den Anlass, unter Erhalt der wertvollen Bestandsstrukturen zwischen Innenstadt und Rhein, einen Bürgerpark für alle Neusser:innen zu etablieren.
LaGa 2026 Neuss Landesgartenschauen und Grünprojekte
Abb. 1: Übersichtsplan. Abb.: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Im Oktoberwind sanft schwankende Flutlichtmasten, aufgereiht entlang der endlosen Ligusterhecken, darunter verwelkendes Schaumkraut in der langgezogenen Kurve der beigen Sandbahn. Im Norden, hinter der Weite der Wiese, die gelben Silotürme des Hafens, am weiten grauen Himmel leuchtend, vor den nach Osten ziehenden Wolken. Im Westen der Damm der Hafenbahn mit den alten Platanen, dahinter der heilige Quirinus, Patron der Pferde und Neusser Stadtheiliger, auf der Kuppel des ihm gewidmeten Münsters.

Unter den hohen Pappeln gegenüber, zwischen den eingewachsenen Pferdeführringen und Koppeln, die weißen Giebel des verfallenden Pferdehofs und von Süden her das Rauschen der Straßenbahn, auf ihrem Weg durch die weitläufigen leeren Parkplätze von Möbelhäusern und Gewerbebauten, hinüber zur nahen Rheinbrücke und weiter nach Düsseldorf. Wohin man sonst auch blickt: Kaninchen, deren weiße Blumen in die weiten Brombeergestrüppe huschen.

Fünf Minuten zu Fuß sind es vom Neusser Markt und dem Quirinus-Münster im Zentrum der Stadt bis zur ehemaligen Rennbahn, noch einmal 15 Minuten weiter nach Westen steht man unter der Kastanienallee im Rheinvorland und sieht die Schiffe den Rhein hinunterziehen. Doch trotz der unmittelbaren Nähe zur Innenstadt, trotz der Lage zwischen Stadt und dem die Stadtgeschichte so prägenden Fluss, fanden wir bei unserem ersten Besuch im Herbst 2022 einen verwunschenen, im städtischen Alltag scheinbar in Vergessenheit geratenen Ort vor. Vier Jahre zuvor hatten die Pferde um den Siegerhengst Latino ihre letzten Runden gedreht und die Neusser Rennbahn wurde nach 144 Jahren aufgrund schrumpfender Wetteinnahmen endgültig geschlossen.

Bereits 2009 wurde das Areal durch das Büro Kipar Landschaftsarchitekten umgestaltet und als Rennbahnpark für die Öffentlichkeit erschlossen: Parkwege und Baumpflanzungen, zwei Teiche, sowie weitere Freizeitangebote wurden zwischen den Geläufen ergänzt. Während im östlich an die Rennbahn grenzenden Areal zwischen den ehemaligen Stallungen die Brombeeren weiter wuchsen, wurde insbesondere das Umfeld des Gebäudeensembles im Westen des Geläufs, bestehend aus Tribüne, Totalisator, Wetthalle und Globe-Theater, sowie der zentral im Rennbahnbereich gelegene Festplatz im Zuge dieser Umgestaltung saniert. 2021 bewarb sich die Stadt Neuss dann unter dem Leitsatz “Gemeinsam an den Rhein!” für die Austragung der Landesgartenschau 2026 in Nordrhein-Westfalen.

Im Vorwort zur Bewerbung wird neben der Entwicklung des 38 Hektar umfassenden Rennbahnareals als Bürgerpark und Kernstück der Landesgartenschau auch das städtebauliche Potenzial des Großprojektes hervorgehoben. So sollten mit der Gartenschau die Weichen gestellt werden, den nahen Rhein und das in den 1980er Jahren in den Rheinauen als Gewerbegebiet entwickelte Hammfeld als zukünftig gemischtes Wohn- und Arbeitsquartier langfristig an die Innenstadt anzubinden und damit den Neusser Osten grundlegend neu zu ordnen und aufzuwerten.

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Abb. 2: Bürgerpark zwischen Innenstadt (l.) und Rhein (r.). Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Einige Wochen nach unserem ersten Besuch war dann Anfang 2023 der offene Ideen- und Realisierungswettbewerb abzugeben, im März wurde unser Beitrag durch die Jury unter dem Vorsitz von Ina Bimberg einstimmig mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Unter dem Arbeitstitel ‘Spuren der Zukunft’ schlugen wir einen kraftvollen Gehölzrahmen vor, der die offene Weite der ehemaligen Rennbahn fasst und in maßstäbliche Parkräume mit abwechslungsreichen Raumabfolgen strukturiert. Fünf Haine, ein jeder mit eigenständiger Atmosphäre und Programm, erweitern den teils bestehenden Baumrahmen, der durch großzügige Parkfenster, die Park- und Stadtraum verbinden, gegliedert wird.

Die Weite der Rennbahn bleibt in der nahezu unberührten zentralen Wiese erhalten, intensive Funktionen und kleinteilige Angebote sind im Rahmen und den Hainen angeordnet. Erschlossen wird der weitläufige Park durch ein differenziertes und barrierefreies Wegenetz für verschiedene Geschwindigkeiten und Erlebnisse. Ein leicht versetzt zum Baumrahmen geführter Rundweg verbindet als ‚mäandrierende‘ Wiesenpromenade die einladenden Parkentrées und die baumüberstandenen Wiesenterrassen als lockere Sequenz.

Dieses starke Leitbild hat in der Projektumsetzung maßgeblich dazu beigetragen, die Planung zügig und ohne grundlegende Anpassungen des Wettbewerbsentwurfs voran zu bringen und so den eng gesteckten Zeitplan bis zur Eröffnung überhaupt einhalten zu können. Die bestehende Dreiteilung des Areals haben wir grundsätzlich beibehalten. Im Herzen des Geländes liegt der Rennbahnpark, getrennt von den übrigen Teilen durch das ehemalige Geläuf aus Rasen- und Allwetterbahn – die Parkfuge.

Trotz der frisch gepflanzten, noch kleinen Bäume, ist die Raumkontur aus Hainen und Parkfenstern sowie das Gegenüber von Weite der Wiesenmitte und Dichte im Rahmen schon jetzt spürbar. Das Zusammenspiel von Nutzungen, der Gehölzauswahl, dem Mobiliar und der Beleuchtung verleiht den Hainen eine jeweils eigenständige Prägung – von aktiv-sportlich, spielerisch bis kontemplativ-naturnah. Besonders deutlich wird das auf den zur Wiesenmitte ausgerichteten Terrassen, die durch eine eigenständig gestaltete Möblierung und Beleuchtung betont werden.

Mit großzügigen Sitzstufenanlagen aus Granit werden diverse Aufenthaltsorte mit spezifischen Angeboten geschaffen – als Tribüne am ‘Platz für das Wir’, zum Abkühlen der Zehenspitzen am Teich oder um vom Aktionshain die Aussicht auf Quirinus-Münster und Hafen zu bestaunen. In der Tiefe der Wiesen gestreute ‘Picknickdecken’ aus Granitplatten regen zum Erkunden der weiten, offenen Parkmitte an.

Östlich des Rennbahnparks schließt das Gartenland an, hier wird der quirlige Schwerpunkt der Gartenschau liegen. Um die zentrale Wiese – den Gartenanger – gruppieren sich hier Themengärten, gastronomische Angebote sowie die Hauptbühne. Die Parzellen werden nach der Gartenschau an lokale Initiativen übergeben und sich zu einem intensiv genutzten Gartenareal der Neusser Stadtgesellschaft etablieren. Gemeinschaftliche Flächen wie Olivengarten und Remise werden auch in Zukunft Platz für gemeinsame Feste bieten.

Das sanierte Gebäudeensemble des Hammfeldhofs bleibt als Raum für die kreative Bürgerschaft erhalten. Im Westen, am Zugang zur Innenstadt, befindet sich das Gebäudeensemble des Kulturangers. Die Gestaltung musste sich hier den vielen Anforderungen an Infrastruktur und Veranstaltungsflächen unterordnen, durch sinnvolle Flächenneuordnung, Entsiegelung und dem Pflanzen vieler Gehölze konnten wir den Bereich dennoch aufwerten.

Die ehemals großen Asphalt- und Schotterflächen präsentieren sich nun kleinräumiger strukturiert und spürbar durchgrünt. Verwoben werden die einzelnen Parkteile durch die Wiesenpromenade. Um das ganze Jahr robust und barrierefrei genutzt werden zu können, ist sie durchgängig asphaltiert und durch mehrere Schleifvorgänge aufgehellt und optisch veredelt worden. Mit einer Breite von 3,50 Metern wird ein vernünftiges Maß geboten, um ungehindert in verschiedenen Geschwindigkeiten flanieren zu können und notwendige Fahrstrecken für Pflege und Veranstaltungen zu ermöglichen. Als übergeordneter Layer ergänzt sie das bestehende Erschließungsgerüst: Die Kiparschen Parkwege und die Pflegewege des Rennbahnbetriebs sind als wassergebundene Wege überwiegend erhalten geblieben.

Ergänzt um absehbar entlang der Mahdinseln und Parkfuge entstehende informelle Pfade, sind so vielfältige Rund- und Verbindungswege variierender Breite und Materialität entstanden, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Die Kante zwischen Wegen und angrenzenden Grünflächen fungiert als visuelle und taktile Leitlinie; die stringente und im gesamten Park konsequent materialisierte Wegehierarchie unterstützt die Orientierung im Park für Alle.

An den Parkentrées überwinden Treppen im Zusammenspiel mit sanft geneigten Asphaltwegen den Höhenunterschied zwischen dem tiefer gelegenen Gelände und der Umgebung und stellen einen barrierefreien Zugang sicher. Am Eingang Ost schließt eine Radverbindung am neu gebauten Radschnellweg an und verknüpft den Park mit Rhein und südlicher Innenstadt. Für die Herstellung der Wege wurden einfache Bauweisen mit möglichst recycelten Materialien wie Asphalt und Schotter gewählt, auf Einfassungen bis auf wenige Ausnahmen verzichtet.

Hierbei ist insbesondere die Wiederverwendung von gebrauchtem, seitens der Stadt Neuss gestelltem Natursteinpflaster hervorzuheben, das in Teilen vor Ort gesägt und im Hammfeldhof als wilder Verband verlegt wurde. Die Schnittreste wiederum fanden Verwendung im Pflasterkreis des Brombeerrondells, als Boden eines Pavillons, sowie in einigen Initiativengärten.

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Abb. 3: Blick von der Festhain-Terrasse über die Wiesenmitte. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 4 :Remise – die ehem. Reithalle als Treffpunkt im Gartenland. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 5: Wiederverwendung von gebrauchtem Pflaster im Hammfeldhof. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 6: Brombeerrondell mit Pflasterung aus Schnittresten. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 7: Neugepflanzte Kiefern entlang der Parkfuge. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Alte Platanen am Kulturanger, riesige Pappeln im Gartenland, dazwischen eine bunte Mischung aus Gehölzen der Kipar Gestaltung und die omnipräsenten Ligusterhecken und -formschnitte der Rennbahnära: Nahezu den gesamten Gehölzbestand des Parks haben wir wo möglich erhalten und auf eine räumliche und atmosphärische Vielfalt abzielend differenziert weiterentwickelt. Auch die Brombeeren im Gartenland haben ihre Daseinsberechtigung und sind entsprechend in Szene gesetzt worden. Der vorhandene Baumrahmen ist in Anlehnung an den Standort des Parks im ehemaligen Überflutungsbereich der Rheinaue überwiegend mit Bäumen der heimischen Hartholzaue gestärkt worden – darunter Stiel-Eiche, Trauben-Kirsche und Ulme.

Dazu kommen Arten, die als Nahrungsquelle für Insekten und Vögel dienen, wie Linde, Berg-Ahorn und Erle. Die Bescheidenheit dieser sogenannten Hauptarten bildet eine ruhige Kulisse, aus der die Charakterarten hervortreten können um die differenzierten Atmosphären der einzelnen Parkteile zu betonen. Ob silbrig-rauschend im Aktionshain, leicht und fiederblättrig im Sporthain, intensiv blühend im Gartenhain oder ursprünglich und herbstleuchtend im Naturhain: Variierende ‚Baumbilder‘ machen den Park zukünftig klimatauglich, facettenreich und erlebnisintensiv. Im Gartenland rahmen verschiedene Sorten an Obst- und Nussbäumen den Gartenanger und verwandeln diesen im Frühjahr in ein farbenfrohes Blütenmeer.

Im Sommer und Herbst locken die reifen Früchte und können von Besucher:innen und Gärtner:innen gepflückt und auf der Obstwiese oder den anderen Verweilorten genossen werden. Ergänzt wird das Baumgerüst durch das Arboretum, eine Sammlung aus sorgfältig ausgewählten Baumarten welche die Vielfalt des Parks bereichern. Sie zeichnen sich durch besondere Merkmale aus, wie etwa einem malerischen Wuchs, einer prachtvollen Blüte oder einer auffallend schönen Herbstfärbung. Sie sind größtenteils entlang der Promenade verteilt und können bei einer Spazierrunde im Park entdeckt werden. Neu hinzugekommen sind so an die 2.200 Bäume und ca. 1 Hektar an Strauchflächen und Hecken, die nach Abschluss aller Arbeiten den Park fassen werden.

Dafür wurde ein separates Liefer-LV ausgeschrieben, unterteilt in vierzehn Lose, um möglichst viele kleine und regionale Baumschulen zum Bieten zu motivieren und so die Lieferwege kurz zu halten. Dass letztendlich fast alle Lose bei einer großen Baumschule gelandet sind, vereinfachte im Nachhinein zumindest den Abruf und die Logistik.

Zur Gartenschau werden die vom Büro Christian Meyer geplanten Wechselflorflächen und -hochbeete diverse farbenfrohe Akzente im gesamten Bürgerpark setzen. Zudem schmückt eine Fülle an Stauden ganzjährig und dauerhaft das Gartenland, den Kulturanger und den Teich, diverse thematische Gärten erweitern die Blütenvielfalt im Rennbahnpark – üppig-gärtnerisch innerhalb der Haine, naturnah und extensiv in den Parkfenstern. An vielen Gärten und Beeten werden die Neusser:innen sich auch in Zukunft durch intensive Pflege erfreuen können, andere Staudenflächen werden sich extensivieren und die Artenvielfalt der Wiesen zusätzlich bereichern.

Langfristig wird ein dem Standort, der Topografie und der Nutzbarkeit entsprechend differenziertes Wiesenbild erhalten bleiben, das mit unterschiedlicher Höhe und ‘Rauigkeit’ die eindrückliche Weite auflockert: Von den schattig-satten Wiesen im Rahmen über die belebten Liegewiesen an den Terrassen hin zu den durch Einbringen von regionalem Saatgut initial angeregten Wiesenbiotopen. Trotz des intensiven Parkprogramms und der damit einhergehenden Infrastruktur und Erschließung waren in der Bilanzierung des parallel erarbeiteten Landschaftspflegerischen Begleitplans nur geringe Kompensationsmaßnahmen notwendig – für ein so umfangreiches Projekt in einem Landschaftsschutzgebiet keine Selbstverständlichkeit.

Hilfreich waren dabei sicher zum Einen ein frühzeitiger Blick im Planungsprozess auf den Umgang mit dem vor Ort Bestehenden und Aspekte der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, zum Anderen die zahlreichen Pflanzungen sowie die Entsiegelung und ökologische Aufwertung vieler Flächen durch Erhalt und Anlage zahlreicher Habitate. Der Park wird so zu einem reichhaltigen Ökosystem, in dem alles und jeder seinen Platz hat. Schon der im Wettbewerb gewählte Arbeitstitel ‘Spuren der Zukunft’ weist auf die Ambition hin, vorhandene Parkstrukturen weitgehend in den zukünftigen Bürgerpark zu integrieren und weiterzuentwickeln.

Strukturen und Relikte des Rennbahnbetriebs und des Kipar-Parks sind wo möglich erhalten geblieben und wurden in die Gestaltung integriert: Der markante, neu in Szene gesetzte Ring aus Flutlichtmasten entlang des Geläufs; Das übernommene Wegenetz und die sanften Hügel des Rennbahnparks; Die Führringe, die neu interpretiert wurden; Die zum Teil sanierten Kamera- und Richtertürme. Vieles durfte bleiben und musste nicht zwangsläufig einer Neugestaltung weichen.

Gemeinsam mit der Auftraggeberin wurde zudem bei nahezu jedem Abbruch eine Wiederverwendung sowie Alternativen zum Neukauf notwendigen Materials geprüft. So laden beispielsweise großformatige Sitzskulpturen aus vor Ort geschnittenem Stammholz im Gartenland zum Ausruhen ein und rückgebaute Betonborde fungieren als Parkplatzmarkierungen am Kulturanger. Beim eigens für den Bürgerpark modular entwickelten Mobiliar wurde auf Reparierbarkeit und Austauschbarkeit der Komponenten geachtet.

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Abb. 8: Granitstufen in der Topografie im Aktionshain. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 9: Parkmobiliar mit modularer Unterkonstruktion. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 10: Sitzstufenanlage am ‚Platz für das Wir’.. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
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Abb. 11: Vielfältige inklusive Spiel- und Sportangebote im Sporthain. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Trotz aller Bestrebungen, die Eingriffe in bestehende Strukturen auf der ehemaligen Rennbahn möglichst gering zu halten, bringt ein Projekt dieser Größenordnung notwendige und nicht zu vernachlässigende Bodeneingriffe in einem ausgedehnten inhomogenen Terrain mit sich. Durch die Lage der Rennbahn in unmittelbarer Umgebung zum Neusser Hafen waren langwierige, den Bauablauf zu Beginn stark beeinträchtigende Kampfmitteluntersuchungen von hunderten zuvor aufwändig sondierten Verdachtspunkten nötig.

Die Herstellung neuer Wegeverbindungen und Infrastrukturtrassen, die Erweiterung eines der bestehenden lehmgedichteten Teiche und die Herstellung von Pflanzflächen generierten tausende Kubikmeter Böden diverser Klassen. Zudem erforderten teils bekannte, teils unbekannte Bodenaltlasten ein differenziertes Bodenmanagement in Planung und Bauausführung. Frühzeitig wurde aus diesen Gründen ein geotechnisches Ingenieurbüro mit einer bodenkundlichen Baubegleitung beauftragt und intensiv in die Planung und Bauüberwachung eingebunden.

In Zusammenarbeit konnte so die Entsorgung von Böden auf ein Minimum reduziert werden und spontan planerisch und baulogistisch auf unerwartete Bodenqualitäten reagiert werden. Ein wesentlicher, die Planung des Bürgerparks von anderen Bauvorhaben sicherlich unterscheidender Aspekt, war die Herausforderung der Integration diverser Wünsche aus der Bürgerschaft. Getreu dem Motto “Gemeinsam an den Rhein!” wurde der Planungsprozess von Beginn an von einer breiten Beteiligung der Öffentlichkeit begleitet: In diversen Runden wurden das Parkprogramm sowie Räume der Aneignung mit Vertreter:innen der Stadtgesellschaft und insbesondere dem eigens im Zuge der Vorbereitungen zur Gartenschau gegründeten Vereins ‘Grünes Herz Neuss’ abgestimmt.

So wurden die Sportangebote intensiv mit Vertreter:innen örtlicher Sportgemeinschaften diskutiert und angepasst, der bestehende Skatepark in Absprache mit der lokalen Szene erweitert. Die drei im Park verteilten Spielplätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Themen wurden in einem qualifizierten Auswahlverfahren vergeben und unter Beteiligung der Öffentlichkeit entwickelt, inklusive Spiel- und Aufenthaltsangebote dabei mitgedacht. Als Planer:innen sahen wir uns stets mit der Aufgabe konfrontiert, die geäußerten Wünschen mit Wertschätzung und Respekt anzunehmen und zugleich bei deren Integration die gestalterische und räumliche Konzeption des Parks als öffentlichen Raum aufrechtzuerhalten.

Im besten Fall, so hoffen wir, ist damit die Grundlage geschaffen worden, dass die ehemalige Rennbahn von breiten Teilen der Stadtgesellschaft in naher Zukunft als ihr Bürgerpark gesehen und integraler Bestandteil des städtischen Alltags wird. Ebenso intensiv diskutiert wurde eine über dieses Projekt hinausgehend zunehmende und kritisch zu betrachtende Eventisierung des öffentlichen Raumes. Mit dem Neusser Bürger-Schützenfest, sowie diverser kleiner und großer Veranstaltungen dienten der Kulturanger und insbesondere der Festplatz im Rennbahnpark schon lange als Orte für Festlichkeiten. Neben diesen teils traditionsreichen und raumgreifenden Events sollten etliche zusätzliche Orte für potenzielle Anlässe geplant und technisch ausgerüstet werden, um den Park über das Jahr der Gartenschau hinaus zu beleben und auch finanziell zu tragen.

So wünschenswert ein durch Veranstaltungen belebter Park auch sei, so galt es doch die räumlichen und atmosphärischen Qualitäten gegenüber den Belangen kurzweiliger Ereignisse zu bewahren: die Befahr- und Begehbarkeit ist auch auf versickerungsfähigem Schotterrasen gegeben, Baumneupflanzungen mögen den Bühnenblick aus manchem Winkel einschränken, spenden aber den Rest des Sommers wichtigen Schatten und der für eine bessere Veranstaltungsorganisation dauerhaft um den Bürgerpark errichtete Zaun wird – dafür setzen wir uns auch weiterhin ein – nur zu besonderen Anlässen geschlossen werden.

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Abb. 12: Picknickdecken unter den alten Hainbuchen. Foto: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Zusammenfassend war die Planung des Bürgerparks und der Landesgartenschau Neuss 2026 sicherlich eine der seltenen Chancen, einen Park dieser Dimension und Tragweite zu gestalten und zu realisieren, auch wenn uns die Komplexität des Vorhabens auf diversen Ebenen sicherlich das ein oder andere Mal an unsere Grenzen gebracht hat. Der äußerst kurz bemessene Zeitrahmen von 36 Monaten zwischen Wettbewerbsergebnis und Eröffnung der Gartenschau war hierbei sicherlich Bürde und Segen zugleich: Alles musste schnell gehen – und alles konnte schnell gehen.

Für langwierige Abstimmungen und andere Planungsprozesse begleitende Extraschleifen fehlte in vielen Fällen oftmals schlicht die Zeit und angesichts des fixen und stetig nahenden Eröffnungstermins war allen Beteiligten bewusst, dass eine gute und möglichst konfliktfreie Zusammenarbeit unabdingbar ist. Bürointern erforderten die kurzen Planungszeiträume sowie die Gleichzeitigkeit von Planung, Ausschreibung und Ausführung ein dynamisch zusammengesetztes und reagierendes Planungsteam. Innerhalb weniger Monate wurden mit einem Team von zeitweise über 15 Kolleginnen hunderte Details erarbeitet und abgestimmt, sowie in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bauüberwachung um das Büro Bauer + Fecke Landschaftsarchitekten PartGmbB mehr als 20 Ausschreibungen formuliert.

Als Landschaftsarchitekten waren wir dabei ein ums andere Mal als Generalisten gefragt: So reichte die Bandbreite der uns beschäftigenden Themen von technischen Fragen der Integration von Infrastruktur- und Leitungsplanungen über organisatorische Abläufe von Veranstaltungen und die Konsequenzen des Landschaftsschutzes bis hin zu Fragen der Finanzierung und Mittelzuweisung diverser Förderzugänge. Darüber hinaus erforderte eine Vielzahl die Freianlagenplanung tangierender Einzelmaßnahmen wie Kunstinstallationen oder Hoch- und Pavillonbauten, sowie an den Projektperimeter angrenzender städtischer Maßnahmen ein hohes Maß an Abstimmungen und Organisation in Planung und Baulogistik.

In wenigen Wochen, wenn am 16. April die Tore des Bürgerparks nach zweijähriger Bautätigkeit erneut öffnen und das junge Laub der Bäume ersten Schatten spendet, werden die vielen alten und neuen Orte im Park sich mit Leben füllen. Für einige Monate werden tausende Besucher:innen ihre Runden drehen und die Vielzahl der temporären und dauerhaften Gärten und Ausstellungsbeiträge im Gartenschaugelände betrachten.

Wesentliche Motivation unserer Arbeit war über dieses Besuchererlebnis zur Gartenschau hinausgehend jedoch die langfristige Entwicklung des ehemaligen Rennbahngeländes, hin zum alltäglich genutzten Bürgerpark zwischen Neusser Innenstadt, neu entwickeltem Hammfeldquartier und Rhein.

Sicherlich werden einige Jahre vergehen, bis das Gegenüber von dichtem Baumrahmen und offenen Parkfenstern seine volle Wirkung erzielt, bis in den Fugen der steinernen Picknickdecken das Gras wächst und das Schaumkraut die Sandbahn im Mai in einen rosa Teppich verwandelt. Dennoch hoffen wir, hierfür in den letzten drei Jahren die Basis vorbereitet zu haben, abwägend zwischen Dichte und Weite, Gerüst und Diversität, sowie Eingriff und Erhalt.

Projektdaten

Offener Realisierungswettbewerb 2023, 1. Preis

Auftraggeberin: Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH

Beauftragung: Lph. 2-8 inkl. Fachplanung TA Beleuchtung

Projektgröße: 380.000 m2

Verfasser: Franz Reschke, Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Mitarbeitende (FRL): Andrés Aragoneses, Hendrik Bartelt, Kai Beschorner, Andreas Beulich, Bérengère Chauffeté, Ahmed Chehadé, Floris Duquesnoy, Max Erdmann, Aqsa Gul, Timo Hartmann, Felicia Henker, Wolfgang Hilgers, Mariama Kanouté, Johanna König, Paula Liedmeier, Katharina Müller, Rebecca Peuschel, Edis Erciyes Pilavci, Jonathan Sironi, Frederik Springer, Ninon Weber-Wittenberg, Simone Weidig, Zheng Yuan

Bauleitung (für FRL): Bauer + Fecke Landschaftsarchitekten PartGmbB

Tragwerksplanung (für FRL): Ingenieurbüro Ingo Eilers

Pflanzplanung (für FRL): Büro Christian Meyer

Skateplatzplanung (für FRL): maier landschaftsarchitektur

TA Beleuchtung (für FRL): Anselm von Held Lichtplanung

TA Infrastruktur: SWECO

Bodenkundl. Baubegleitung: TerraSystem GmbH

MSc. Landschaftsarchitektur Jonathan Sironi
Autor

Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Landschaftsarchitekt Frederik Springer
Autor

Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

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