Planung und Bau des neuen Bürgerparks nach strengen Richtlinien

LGS Schweinfurt wird Pilotprojekt für Nachhaltigkeitszertifizierung

So soll es im Bürgerpark zur Eröffnung der Landesgartenschau aussehen: Kleine Gartenkabinette laden zum gemeinschaftlichen Urban Gardening ein. Grafik: Planorama Landschaftsarchitektur

Eine Landesgartenschau ist immer nachhaltig, denn sie schafft dauerhafte Grünflächen. Die bayerische Landesgartenschau Schweinfurt geht noch einen Schritt weiter: Sie nimmt als Pilotprojekt am Forschungsprojekt "Bewertungssystem Nachhaltige Freianlagen (BNF)" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) teil. Das bedeutet, dass der Bau des Bürgerparks schon in der Planungsphase auf Nachhaltigkeit geprüft und bewertet wird.

Forschungsprojekt bis Sommer 2023

Erst wenige Landschaftsarchitekturbüros verfügen über das notwendige Know-how, eine Nachhaltigkeitszertifizierungen zu begleiten. Das Büro Planorama Landschaftsarchitektur aus Berlin, das den Bürgerpark für die Landesgartenschau entworfen hat, kann die Testbewertung gemeinsam mit dem Forschungsteam durchführen, da die Projektleiterin für Schweinfurt und assoziierte Partnerin von Planorama, Katja Erke, auch zertifizierte Koordinatorin (Bewertungssystem des Bundes, BNB_AA) ist. Bis Sommer 2023 soll das Forschungsprojekt abgeschlossen sein, so die aktuelle Planung.

Planorama folgt damit der Auffassung, dass Landschaftsarchitekten in ihrem eigenen Interesse nicht nur erklären, dass sie nachhaltig planen und handeln, sondern dies mithilfe prüfbarer Kriterien auch nachweisen. Erke nimmt also ihre eigene Planung kritisch Punkt für Punkt unter die Lupe, immer unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. "Dabei geht es um zahlreiche detaillierte Teilkriterien, die in fünf Hauptgruppen gegliedert sind. Und natürlich werden meine Ergebnisse genau dokumentiert und von einem externen Auditor geprüft", so Erke. Sollte es Punkte geben, wo im Sinne der Nachhaltigkeit die Planung verbessert werden kann, wird dies mit der Bauherrenschaft, also mit der Landesgartenschau Schweinfurt 2026 GmbH, abgestimmt. Sinn der Bewertung ist auch, bereits von Beginn an, gemeinsam alle Aspekte zu besprechen.

Flächenentsiegelung und resiliente Bäume

Die Nachhaltigkeit einer Freianlage wird vor allem durch integrale Planungs- und Prozessschritte unter Betrachtung sozialer, ökonomischer, ökologischer und technischer Qualitäten über den gesamten Lebenszyklus einer Freianlage erreicht. Und worum geht es genau? "Wir sind jetzt in der Phase der Vorplanung und von Anfang an spielt die Nachhaltigkeit eine Rolle. Da geht es unter anderem um darum, konkrete Fragen zu stellen: Wie hoch ist der Anteil der versiegelten Flächen? Wieviel kann entsiegelt werden? Wie viele Bestandsbäume können im Rahmen der Planung direkt am Standort erhalten oder verpflanzt werden? Wie viele neue Bäume werden gepflanzt?"

Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels legen die Planer großen Wert auf Resilienz bei der Auswahl der Bäume. Erke: "Gerne bevorzugen wir natürlich heimische Baumarten wie Speierling und Ahorn, aber manchmal ist eine amerikanische Esche oder eine italienische Eiche besser gegen auftretende Krankheiten oder für den doch sehr trockenen Standort hier in Schweinfurt geeignet, und lebensfähiger. Hierzu gibt es enge Abstimmungen mit dem Naturschutz und dem Grünflächenamt."

Insgesamt werden bei der Bewertung Planung und Bau unter dem Aspekt betrachtet: Was kostet der Lebenszyklus des Parks, was kostet der Unterhalt, wie sieht der Park in 50 Jahren aus? Ökologie und Ökonomie werden hier gleichermaßen bewertet. "Dabei kommt es auch auf die Qualität des Materials an, das wir verwenden. Holz kommt nur aus zertifizierten nachhaltigen Betrieben, und wir verwenden so gut es geht Recyclingmaterial", so die Landschaftsarchitektin.

Auf dem Gelände der ehemaligen Ledward Barracks fällt durch die großflächige Entsiegelung vor allem im Bereich hinter der Panzerhalle eine Menge Material an, das sehr gut wiederverwertet werden kann, und zwar innerhalb des Geländes. "Der Beton wird beispielsweise verbaut in Mauern und Treppenstufen oder wird für die Tragschicht der Wege verwendet. Dafür wird direkt auf dem Gelände geschreddert."

Regen- und Nutzwasser zur Bewässerung

Aber Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Thema bei der Materialauswahl. "Der vergangene trockene Sommer zeigt uns, wie wichtig der sorgsame Umgang mit Wasser ist", so Erke. Daher wird im künftigen Bürgerpark unter anderem das Regenwasser aufgefangen und genutzt, genauso wie das Nutzwasser aus der Kläranalage, das zur Bewässerung hergenommen wird. "Da wird nichts vom Trinkwasser abgezwackt und wir werden auch bei Starkregen keine Probleme bekommen."

Der Bürgerpark Schweinfurt wurde als Pilotprojekt des DBU ausgewählt, weil er durch seine Planungsansätze und Grundlagen besonders geeignet ist: klare Systemgrenze, Konversion als Bezugsrahmen, ambitioniertes nachhaltiges Planungskonzept, Erhalt der Bestandsbäume, Integration der vorhandenen Panzerhalle, Neuanlage eines Waldparks, Spiel- und Sportplätze, Neuanlage von großen Gehölz- und Wiesenflächen. Ziel des Forschungsprojekts ist die Erarbeitung eines neuen Bewertungssystems mit einem entsprechenden Kriterienkatalog. Er soll künftig beim Bau von Freianlagen angewandt werden. Die Bewertung berücksichtigt im Wesentlichen die Kriterien Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle Aspekte, Funktionalität, Technik, Prozess und Standort.

LGS Schweinfurt 2026

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2022 .

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