Der Kommentar

Markt der Hobbygärtner

von

Waren Sie bei einem Kundenbesuch auch schon mal davon überrascht, wie viel Fachwissen vorhanden war?

Ich gestehe gerne ein, dass ich diesen Moment schon mehr als einmal hatte, gerade beim für Baumschulgärtner typisch blinden Fleck, den Stauden. Auch hatte ich schon Hobby-Pomologen, die mit mir historische Apfelsorten diskutieren wollten. Die mich und meine Mitarbeiter bei der Pflanzung insistierend zurechtgewiesen haben oder sogar den Verdacht hatten, dass Etiketten verwechselt worden sind. Dabei meine ich nicht den Kundentyp, der glaubt, aus seinem sozialem Habitus heraus alles besser zu wissen und sich dann aber in Wahrheit dilettantisch anstellt. Ich meine die, die es wirklich besser wissen.

Seit kurzem bin ich Mitglied in einer Facebook-Gruppe, "Mein schöner Rasen - alles rund ums Grün". Über 37.000 Mitglieder tauschen sich dort täglich, fast schon stündlich über die Qualität ihres heimischen Rasens aus. Natürlich gibt es auch Anfänger, die stolz erzählen, gerade den vermeintlich guten "Berliner Tiergarten" ausgesät zu haben. Dann wird in der Gruppe sofort aufgeklärt: "Nächsten Mal aber bitte was Gutes", verbunden mit Bildern von Profisaatgut. Erstaunlich viele sind im Umgang mit ihrem geliebten Grün absolut professionell. Gerade in den vergangenen Wochen wurde aerifiziert und besandet, was das Zeug hält - natürlich alles in Eigenleistung. Manche nutzen einfach mit Nägeln besetzte Sohlen. Andere haben Handgeräte, die mit zwei bis drei Hohlspoons besetzt sind und bei jedem Eintreten in den Boden die kleinen Würste in einem Auffangbehälter sammeln. Da werden schon mal zwei Arbeitstage und mehr investiert. Es muss der richtige Sand sein, 0,5 - 1,0 mm, Quarzsand. Bei der Nachsaat kommt die Frage auf, was wächst besser, RPR Lolium oder doch eine RSM? Die nächste Wissenschaft ist der Schnitt. Bitte nur mit einem handgeführten Spindelmäher mit Motorantrieb, am besten einer aus England, natürlich. Die Meinungsführer nutzen voll restaurierte historische Geräte, die schöne Muster in den Rasen bürsten.

Ich bin total begeistert von dem Niveau dieser, meist jungen, Rasenfreunde. Sie hellen meine recht tristen Facebook-Besuche auf, die für mich nur daraus bestehen, dass Landschaftsgärtner neue Bagger und halbfertige Baustellen zeigen, in der Hoffnung, dass sich junge Menschen (die es ja dort gar nicht mehr gibt) bei ihnen bewerben.

Die Faszination, die vom Garten ausgeht, hat schon häufig Laien, Autodidakten und Enthusiasten in ihren Bann gezogen. Die wohl weltweit bedeutendste Vereinigung "The Royal Horticultural Society" (the world's leading gardening charity), die unter anderem die Chelsea Flower Show veranstaltet, ist auch "nur" eine Organisation von Laien, womit auch mancher Landschaftsarchitekt seine Probleme hat. Ich denke, wir müssen diese Organisationen unterstützen und fördern, wo es nur geht. Zum einen beeinflusst das die öffentliche Meinung und das Image des Berufstandes positiv, so wie die Briten auch ein viel positiveres Bild vom Gardening haben als wir Deutschen von der Gartenarbeit. Zum anderen werden die Menschen älter und brauchen dann echte Profis, die den richtigen Mäher für das Muster, den richten Sand und das Know-how mitbringen. Dann kommt zum guten Image noch der Auftrag oben drauf.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 05/2021 .

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