Maßnahmen zur Entwässerung von historischen Wegen in Potsdam
Regenwassermanagement im Park Babelsberg
von: M. Eng. Rahel SchalinskiGärten stehen den klimatischen Veränderungen weitestgehend ungeschützt gegenüber. Aufgrund seiner besonders ausgeprägten Topografie machen sich ausbleibende Niederschläge, aber auch die zunehmenden Regenereignisse im Babelsberger Park besonders bemerkbar. Trockenheit und Starkniederschläge führen zur Erosion und Abschwemmung der Wegedecke. Gleichzeitig leiden Wege und Vegetation unter unzureichender Bewässerung. Hierfür galt es im Zuge einer Masterarbeit Lösungsvorschläge zu finden.
Historische Wege und deren Entwässerung sind wesentliche Bestandteile einer Gartenanlage. Als "stumme Führer" leiten sie Besuchende auf kurzer oder längerer Distanz zu den Hauptschönheiten einer Anlage. Dabei unterscheiden sie sich in ihrer Materialität, ihrer Nutzungsart, dem Maß der Belastung, sowie Gelände- und Bodenart. In historischen Gärten bildet die wassergebundene Bauweise in den meisten Fällen die Hauptbelagsart. Pflasterungen dagegen kamen meist nur in der Nähe von Gebäuden und nicht selten bei Rundwegen zum Einsatz¹.
Erwähnungen von historischen Entwässerungstechniken von Wegen in Parkanlagen tauchen in der Literatur erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf. Grund dafür ist die Öffnung der Parkanlagen für die Öffentlichkeit und die daraus resultierende verstärkte Beanspruchung der Wege. Diese erhöhte Aufmerksamkeit führt dazu, dass man nun verstärkte Anforderungen an die Bauweise hat und einen ausreichenden Benutzungsstandard der Wege verlangt².
Während im flachen Gelände die Entwässerung von Fahrwegen meist durch den Einbau von seitlichen Rinnen oder Mulden bewerkstelligt wird, kommen bei einem Gelände mit einem stärker ausgeprägten Gefälle oftmals zusätzliche Querrinnen und Quermulden zum Einsatz. Seitliche Gräben werden in der Gartenkunst eher als letzte Notwendigkeit angesehen, da sie großen Effekt auf das Gesamtbild der Anlage haben. Sollten sie dennoch zum Einsatz kommen, werden sie generell unter Nutzung des natürlichen Gefälles an der tiefsten Stelle eines Weges eingesetzt³.
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Die damals aufwändigste Art der Entwässerung, ein unterirdischer Kanal, beschreibt Fürst Pückler-Muskau in seinem Werk von 1834. Hierbei wird ein Kanal unterhalb des Weges angelegt. Dieser wird bei großem Wasseraufkommen ausgemauert oder bei geringen Wassermengen mit Hohlziegeln beziehungsweise einer Packung großer Feldsteine aufgefüllt. Dieser Kanal ist über Seitenzüge mit Sickerschächten verbunden. Zur Entwässerung der Wegeränder nennt Pückler zudem das Verlegen steinerner Rinnen. Offene Gräben und Querrinnen benennt er hingegen als preiswertere, "aber wenig schöne" Formen der Entwässerung4.
Grundsätzlich steht fest: Die einfachste Form der Entwässerung bei ebenem Gelände ist die Ableitung und Versickerung der Niederschläge über die Rasenkante. Im steilen Gelände sollte das anfallende Regenwasser durch seitlich verlegte Rinnen aus Ton, Zement, Beton oder Stein abgeführt werden. Zusätzlich können Querrinnen – in einfacher Bauweise gepflastert oder hölzern – zum Einsatz kommen.
Für anspruchsvolle Anlagen, die in ihrer Nutzung und Bedeutung von größerer Wichtigkeit sind, wird diese Art der Entwässerung allerdings nicht als angemessen und gestalterisch ansprechend angesehen. Hier werden bevorzugt Sickerschächte und unterirdische Wasserleitungen als einzig sinnvolle und passende Lösung verstanden.
Als grundsätzlich folgerichtig und für damals bereits allemal nachhaltig gilt es, das Regenwasser in der Anlage für die Bewässerung zu nutzen, sofern der anstehende Boden ausreichende Durchlässigkeit dafür besitzt. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Mulden bis zu einer durchlässigen Schicht ausgehoben, mit groben Steinen oder Kies gefüllt und mit etwa 40 Zentimeter Erde bedeckt werden.
Der Park Babelsberg
Der Park Babelsberg, platziert auf einem eiszeitlichen Höhenrücken im Osten Potsdams, hebt sich durch seine besonderen morphologischen Gegebenheiten aus seiner Umgebung hervor. Die Parkanlage umfasst ein Wegenetz von insgesamt 25,9 Kilometer mit etwa 8,9 Hektar Wegefläche5. Diese Wege werden in ihrer Nutzung und ihrem Belag unterschieden. Ein Großteil der Wege sind traditionell in wassergebundener Wegebauweise hergestellt, wobei das Wegegrundnetz zunächst auf Peter Josef Lenné zurückgeht.
Fürst Pückler von Muskau übernahm einen Großteil dieses Wegesystems und ergänzte es durch ein weitverflochtenes Wegenetz mit einer Vielzahl an gewundenen Spazierwegen. Weitere auftretende Wegebeläge, welche im Laufe der Jahrzehnte dazu kamen, sind Pflasterbeläge, Rasenkantenstein, Sandstein und letztendlich Asphalt.
Das historische Wegeprofil kann heute dank Pücklers 1834 veröffentlichtem Werk rekonstruiert und nachvollzogen werden. Die Wege bestehen aus mehreren Schichten eisenhaltigen Kieses und wurden mit Lehm und Wasser verschlämmt, um Hohlräume zu füllen. Bei der Deckschicht handelt es sich um eine feine Kiesdecke, welche durch eine seitliche Rinne aus Formziegeln oder Kalksteinpflaster eingefasst war.


Aktueller Zustand Wegeentwässerung
Historisch betrachtet besaßen die Fahrwege Entwässerungsrinnen aus 5-reihigem Bernburger Kalkstein (Abb. 5). Schmale Wege mit stärkerem Gefälle erhielten bereits zu Pücklers Zeiten eine zusätzliche Querrinne, die Wasser zu den Seiten in die anschließende Grünfläche leitet. Hierfür kamen hochkant verlegte Bernburger Kalksteine und querverlegte Ziegel zum Einsatz (Abb. 6). Oftmals befinden sich diese Wege allerdings in einem nicht mehr funktionalen Zustand und bedürfen einer dringenden Erneuerung. Die Wege in der Nähe des Schlosses wurden bereits in großer Zahl restauriert.
Der historische Sickerschacht wurde traditionell mit guss- oder schmiedeeisernen Einlaufrosten abgedeckt. Eine regelmäßige Reinigung ist absolut notwendig, um die Funktion und Aufgabe des Schachtes zu erhalten. Bei den bereits wiederhergestellten Wegen im Bereich des Schlosses befinden sich an den Fußwegen teilweise auch querverlegte Sickerschächte, welche durch Ziegel eingefasst und nach historischem Vorbild verlegt wurden (Abb. 7).
Problemzonen und ihre Lösungsvorschläge
Um dem Einfluss klimatischer Veränderungen auf den Schlosspark Babelsberg, insbesondere auf seine historischen Wege, entgegenzuwirken, wurden auf Grundlage der aktuellen Situation und Lage verschiedene Maßnahmen entwickelt, um die Anpassung und den Erhalt des Gartendenkmals zu gewährleisten. Hierfür wurden ausgewählte Wege auf ihre Probleme sowie ihren Zustand untersucht und Lösungen zum Umgang mit den zunehmenden Starkregenereignissen vorgeschlagen. Fokus lag auf einer Lösungsfindung, welche eine naturnahe Wasserbewirtschaftung beinhaltet – zur Entlastung der Entwässerungssysteme und Reduzierung der Über- und Abschwemmungen der betroffenen Passagen.
Folgende Maßnahmen wurden vorgeschlagen:
Mulden als oberirdische Entwässerungseinrichtungen
Mulden waren schon zu Zeiten Pücklers eine bekannte Methode der Entwässerung. Für deren Unterbringung ist zwar ein kleiner Eingriff in die Parkgestaltung von Nöten, doch lassen sich diese durch gekonnte Formgebung und Platzierung natürlich in das vorherrschende Gesamtbild integrieren. Diese oberirdische Versickerungsmethode eingearbeitet in die örtliche Topologie ist eins der größten Vorteile von Mulden.
Es bedarf bei einer ausreichend dimensionierten Versickerungsfläche keines zusätzlichen unterirdischen Einbaus, was eine einfache und natürliche Umsetzung ermöglicht. Zur Einleitung des Wassers notwendige unterirdische Leitungen waren im Falle der gewählten "Problemflächen" im Babelsberger Park bereits vorhanden, sodass lediglich zusätzliche oberirdische Zuläufe eingeplant werden müssen (Abb. 8). Mit Hilfe DWA A-138-gerechter Berechnungen konnte die notwendige Dimensionierung der Mulden nachvollzogen werden.



Stabilizer als Ergänzung der wassergebundenen Bauweise
Unter dem Produkt Stabilizer verbirgt sich hier eine modifizierte Version der wassergebundenen Wegedecke, welche eine geringere Wasserdurchlässigkeit sowie einen geringeren Wartungsaufwand mit sich bringt. Er gilt als erster patentierter organischer "soilbinder" und besteht aus einem quellfähigen Produkt auf Basis pflanzlicher Grundstoffe der Gattung Plantago psyllium (Flohsamen-Wegerich). Da es sich bei dem Produkt um ein hundertprozentiges Naturprodukt handelt, erfüllt Stabilizer die Wünsche und Anforderungen an modernes, nachhaltiges Bauen betreffs Ökologie, Wasserschutz und Entsorgung.
Der Stabilizer-Binder schafft es, die 12-fache Menge seines Eigengewichts zu absorbieren, entwickelt natürliche Klebereigenschaften und unterstützt somit die Stabilität zwischen den Gesteinspartikeln. Als weiteren Vorteil gegenüber der klassischen wassergebundenen Wegedecke ist das Produkt in der Lage, die Erdfeuchte bei starker Nässe länger zu speichern, diese bei Trockenheit wieder langsam an die Körnung abzugeben und somit die Decke vor Erosionen zu bewahren7.
Gewiss ist, dass Stabilizer im Zusammenhang mit dem Klimawandel ein großer Vorreiter in Sachen Wegebau und Erhaltung der wassergebundenen Bauweise sein wird. Seine 100 Prozent natürliche Herstellung macht ihn dabei besonders attraktiv für historische Parkanlagen, da er in einer breiten Varianz an Natur-Farbtönen angeboten wird, welche auf die örtlichen Vorgaben und Wünsche angepasst werden können.
Für den Park Babelsberg ist dieses Material besonders wertvoll, da es bei dessen Topografie mit stellenweise extremem Gefälle in den Wegen weiterhin eingesetzt werden kann, sofern eine zusätzliche Regenabfuhr per Querentwässerung gewährleistet ist. Dadurch bietet das Produkt selbst bei extremen Steigungen von bis zu 17 Prozent eine Alternative zu verdichteten Bodenbelägen.
Auf eine Versiegelung des Bodenbelags sollte nur in äußerst dringenden Notfällen zurückgegriffen werden. Weisen Wege ein hohes Gefälle auf, kann in Ausnahmefällen lediglich eine Pflasterung den notwendigen Schutz gegen Erosion gewährleisten. Dies käme in Babelsberg beispielsweise bei den schmalen, stark geneigten Fußwegen nahe der Luisenhöhe zur Stabilisierung der Wegekreuzung in Frage, an welcher sich Wasserströme aus verschiedenen Richtungen vereinen und aktuell zu starken Abschwemmungen der Wegedecke führen (Abb. 2).
Grundsätzlich empfiehlt sich eine Aufarbeitung der Quer- und Längsrinnen. Da diese Rinnen in ihrer originalen Ausführung einen wichtigen Bestandteil für den historischen Wegebau darstellen, genügt eine Nachbesserung mit dem noch vorhandenen Material, was zum einen kostensparend ist und zum anderen den denkmalpflegerischen Zielsetzungen entspricht. In manchen Fällen kann bereits eine Verbreiterung der Längsrinnen sowie zusätzliche Sickerschächte zu einem geregelten Wasserablauf führen.
Damit die Sickerschächte in Zukunft auch ohne Probleme funktionieren und ihren Aufgaben nachkommen können, ist eine regelmäßige Kontrolle und Reinigung unumgänglich. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass der jeweilige Weg ein geeignetes Quergefälle von mindestens 2,5 Prozent zu beiden Seiten beibehält. In Ausnahmefällen empfiehlt sich sogar ein stärkeres Gefälle. Dieses sogenannte "Graderprofil", auch Uhrglasgefälle genannt, ist historisch charakteristisch für den Babelsberger Park und wurde auch beim Wegebau unter Pückler angewandt.
Schlussendlich muss klargestellt werden, dass lediglich eine der aufgezählten Methoden der Wasserabfuhr und Versickerung nicht ausreichend ist. Stattdessen muss auf einen kombinierten und für den jeweiligen Standort angepassten Umgang gesetzt werden.
Fazit
Während des Bearbeitungsprozesses wurde deutlich, wie wichtig das Thema Regenwassermanagement für eine historische Parkanlage sein kann, da diese Thematik bisher wenig erforscht wurde. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass die aktuellen klimatischen Auswirkungen, in diesem Fall besonders die langen Trockenphasen und die zunehmenden Starkregenereignisse, wesentlichen Einfluss auf Vegetation und Wege haben. Maßnahmen sind zwingend vorzunehmen, um den Verfall der historischen Substanz zu stoppen.
Die herausgearbeiteten Lösungsvorschläge können helfen, eine Minderung der Folgeerscheinungen zu erreichen. Abschließend ist festzuhalten, dass es dringend erforderlich ist, historische Gärten als Kulturdenkmale noch deutlicher als Forschungsgegenstand zu begreifen. Jeder Garten ist in seiner Individualität, Komplexität und Geschichte verschieden und bedarf besonderer Prozesse und Ideen, um einen Erhalt oder eine Anpassung angesichts der klimatischen Veränderungen zu gewährleisten.
Anmerkungen
1 Meyer/Ries, 1904: Die Gartenkunst in Wort und Bild. Leipzig. S. 134.
2 Hallmann & Forner, 2004: Historische Bauforschung und Materialverwendung im Garten- und Landschaftsbau – Wegebau und Wasseranlagen. Norderstedt. S. 42.
3 Meyer G., 1860: Lehrbuch der schönen Gartenkunst. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung Bauermann GmbH, Berlin. S. 210.
4 Pückler-Muskau, 1834: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau. Stuttgart: Nachdruck Deutsche Verlags-Anstalt, 1977. S. 59
5 Schröder & Reichelt, 2021: Allgemeine Ausführungen zu "alternativen" Wegebefestigungen Park Babelsberg und damit verbundenen Grundinstandsetzungs- und Pflegeaufwänden.
6 Pückler-Muskau, 1834, S. 114.
7 Stabilizer, 2024: Stabilizer-Wege.
Von https://stabilizer-wege.de/was-ist-stabilizer/















